Diskussion Immer weniger Besucher im Freibad

Viel los im Wasser, anstehen an der Rutsche: So viel wie zurzeit ist nicht immer los im Geislinger Freibad. Im vergangenen Jahr waren es deutlich weniger Besucher als 2016. Im Gemeinderat wurde jüngst über die Ursachen diskutiert. 
Viel los im Wasser, anstehen an der Rutsche: So viel wie zurzeit ist nicht immer los im Geislinger Freibad. Im vergangenen Jahr waren es deutlich weniger Besucher als 2016. Im Gemeinderat wurde jüngst über die Ursachen diskutiert.  © Foto: Markus Sontheimer
Geislingen / Michael Scheifele 04.08.2018

Eigentlich bereitet ein Freibad Freude, aber in Geislingen trübt es bisweilen die Stimmung: In der Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause wurde das Thema intensiv diskutiert. Der Grund: Die Besucherzahlen des 5-Täler-Bads gingen im vergangenen Jahr zum zweiten Mal in Folge zurück. Der Geschäftsführer der Geislinger Stadtwerke, Martin Bernhart, stellte die Zahlen in der Sitzung vor: 2016 hatte das Bad demnach 155 000 Besucher verbucht – 2017 waren es nur noch 139 500.

Auffällig ist: Während die Besucherzahlen außerhalb der Freibadsaison in etwa unverändert blieben, sanken sie im Sommer signifikant: Von 82 300 im Jahr 2016 auf 68 600 im Jahr 2017.  Das bedeutet einen Rückgang um 13 700 Besucher im Vergleich zum Vorjahr. Schon 2016 verzeichnete das Bad in der Freibadsaison einen Besucherschwund von 24 000 im Vergleich zu 2015.

Stadtwerke-Chef Martin Bernhart sieht dafür einen einfachen Grund: Das schlechte Wetter im vergangenen Sommer. Tatsächlich hatte der Sommer 2017 nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes aber mehr Sonnenstunden als das Vergleichsjahr 2016. Allerdings gab es im vergangenen Jahr deutlich mehr Niederschläge. Andere Freibäder im Umkreis hätten dasselbe Problem, betonte Bernhart.

In der Gemeinderatssitzung entbrannte eine Diskussion über die möglichen Ursachen: „Ich glaube nicht, dass es nur am Wetter liegt“, sagte der Fraktionsvorsitzendende der SPD, Thomas Reiff. Er plädierte dafür, sich genauer anzuschauen, welche Faktoren für den Besucherschwund verantwortlich sein könnten: „Es  soll kein Geisterbad werden.“ Ismail Mutlu (GAL) schlug vor, eventuell noch mehr zu investieren, um das Bad attraktiver zu machen; so könnte man über eine Sauna nachdenken. „Eine Sauna ist auch keine Gelddruckmaschine“, entgegnete Oberbürgermeister Frank Dehmer und zeigte sich vorsichtig, was neue Investitionen betrifft.

Werner Gass (Freie Wähler) vermutete, dass ein Faktor das wegen Reparaturarbeiten geschlossene Außenbecken sein könnte (wir berichteten). Er forderte: „Das Außenbecken muss in Ordnung gebracht werden.“ Wie weit die Arbeiten daran gediehen sind und wann es wieder in Betrieb genommen werden kann, wollte die GZ gestern von Martin Bernhart wissen, er war jedoch nicht zu erreichen.

Der Fraktionsvorsitzende der CDU, Holger Scheible, stimmte Gass’ Forderung zu, mahnte allerdings, „unser Bad nicht schlechter zu reden als es ist“. Zudem müsse man sehen, dass sich Zinsen und Abschreibungen negativ auf die Bilanz auswirkten. „Die Mitarbeiter machen einen guten Job. Wir brauchen das Bad“, fügte Scheible hinzu.

Dehmer versuchte zwischen Bernhart und den kritischen Nachfragen der Geislinger Stadträte zu vermitteln. Bernhart betonte, dass die Relevanz der Besucherzahlen in der Gesamtrechnung nicht überschätzt werden dürfe.

Dennoch: Die an sich gute Bilanz der Stadtwerke im vergangenen Jahr wird durch die Zahlen des  5-Täler-Bads getrübt. Das Ergebnis lag 2017 mit einem Verlust von 1,85 Millionen Euro unter dem Plansatz von 1,80 Millionen Euro. Ebenfalls stieg der Verlust verglichen zu 2016 (1,71 Millionen  Euro) und 2015 (1,60 Millionen Euro). Den Verlust des Eigenbetriebs ersetzt die Stadt Geislingen über ihren Haushalt.

Die Möglichkeiten an weiteren Stellschrauben zu drehen, seien beschränkt, waren sich Bernhart und Dehmer einig: Zum einen sprachen sich beide dafür aus, dass die im Oktober 2017 erfolgte Senkung des Eintrittspreises erhalten bleiben solle. Zum anderen habe man die Personalkosten bereits  gesenkt – so gebe es keinen weiteren Spielraum. In der Öffentlichkeit seien die Eintrittspreise seit der Anpassung „zu Recht“ kein Thema mehr gewesen, erklärte Dehmer gestern auf Nachfrage der GZ: „Hier sind wir nun mehr als attraktiv.“

Der Gemeinderat beschloss, nach den Ferien die bereits bestehende Arbeitsgruppe zum 5-Täler-Bad einzuberufen:  Die Mitglieder sollen sich vertieft mit den Gründen für die sinkenden Besucherzahlen auseinandersetzen. Der Arbeitsgruppe gehören neben Vertretern der Energieversorgung Filstal und der Betriebsleitung des Bads je ein Vertreter der Fraktionen des Gemeinderats, OB Dehmer und ein Verwaltungsmitarbeiter an. Vorwürfe einer mangelnden Transparenz wies Dehmer von sich: Er sagte zu, die Besucherzahlen den Fraktionsvorsitzenden fortan monatlich mitzuteilen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel