Religion Imamin hält Vortrag unter Polizeischutz

Seyran Ates (links), Imamin und Gründerin der liberalen Ibn-Rush-Goethe-Mo­schee in Berlin mit Yasna Crüsemann.
Seyran Ates (links), Imamin und Gründerin der liberalen Ibn-Rush-Goethe-Mo­schee in Berlin mit Yasna Crüsemann. © Foto: Stefanie Schmidt
Geislingen / Stefanie Schmidt 14.03.2018
Die Imamin und Frauenrechtlerin Seyran Ates war am Montag zu Gast bei den Interkulturellen Wochen.

Polizeiliche Taschenkontrollen und Leibesvisitationen am Eingang der Rätsche? Personenschützer im Veranstaltungsraum, wo an diesem Abend Gläser und Flaschen verboten sind? Für viele der etwa hundert Zuschauer, die am Montagabend zum Vortrag von Seyran Ates kamen, erschien das erst einmal befremdlich. Für Seyran Ates, Imamin und Gründerin der liberalen Ibn-Rush-Goethe-Mo­schee in Berlin, gehören diese Sicherheitsvorkehrungen bei ihren öffentlichen Auftritten zum Alltag. Und das nicht nur, wenn sie im Rampenlicht steht, selbst zum Einkaufen wird die 54-Jährige von Personenschützern begleitet.

Warum ist sie Zielscheibe von so großem Hass, dass sie sogar mit dem Tod bedroht wird? Pfarrerin Yasna Crüsemann, die  die Veranstaltung im Rahmen der Interkulturellen Wochen moderiert, stellt Ates so vor: „Muslimin, Frauenrechtlerin, Anwältin – Sie bringen zusammen, was für viele nicht zusammen geht.“ In der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee beten Frauen und Männer, Sunniten, Schiiten oder Aleviten gemeinsam. Schwule und Lesben sind willkommen.

Der Kampf für einen progressiven Islam ist für Seyran Ates immer auch ein Kampf gegen das Patriarchat, wird im Laufe des Abends deutlich. Institutionen wie die türkische Religionsbehörde sind für sie keine religiösen Autoritäten.  Im Koran und den Hadithen sei es nicht verboten, dass eine Frau Imamin werde, meint sie.

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