Geislingen an der Steige Im Dialog mit der Frühromantik

LUITGARD NIEBUER 01.10.2013
Das "ensemble acht" hat die Gäste des Geislinger Kulturvereins im Kommunikationszentrum der WMF in Geislingen mit frühromantischen bis zeitgenössischen Klängen auf den Herbst eingestimmt.

Dem in den 90er Jahren gegründeten Oktett "ensemble acht" gehören Musiker an, die vorwiegend im norddeutschen Raum in renommierten Orchestern wirken. Für den Auftritt in Geislingen formierten sich seine vier Streicher mit der Pianistin Christiane Behn zum Klavierquintett.

Johann Nepomuk Hummel, ein Zeitgenosse Beethovens und Schuberts, war der Komponist des ersten Werks am Donnerstagabend. Die für Streicher wie Klavier eher unbequeme Tonart es-Moll verbreitete mit dem ausdrucksvollen Unisono-Beginn eine leicht mysteriöse, verhangene Atmosphäre, aber Hummel wich oft genug in verwandte Durtonartbereiche aus, um bald ein differenziertes Stimmungsbild zu erzeugen.

Die teils schon im romantischen Geist stehende Gestaltung des Klavierparts spiegelte den wegweisenden Klavierlehrer und -Virtuosen Hummel wider - häufig dominierten perlende Läufe und markante Motive den Streichersatz. In der Satz- und Formenwahl wiederum zeigte sich Hummels Nähe zu Beethoven, insbesondere im aufbegehrenden Menuett und in der klassischen Rondoform des Finalsatzes.

Schon in diesem Auftaktwerk wurde klar, dass Annette Schäfer (Violine), Esther Przybylski (Viola), Ingo Zander (Violoncello) und Stefan Schäfer (Kontrabass) bereit waren zu Höchstleistungen im Musizieren und Gestalten, und dass die ungemein einheitlichen Klangfarben auf jahrelangem gemeinsamem Diskurs beruhten.

Noch stärker offenbarte sich diese Spielfreude im folgenden zeitgenössischen Werk: Der Kontrabassist Stefan Schäfer stellte "Owl" im Jahr 2003 fertig. Diese Komposition ist in mehrfacher Hinsicht ganz auf ein Klavierquintett zugeschnitten; zum einen berücksichtigt es sehr passgenau die spieltechnischen und klanglichen Möglichkeiten jedes Instruments und widmet sich jedem mit individuellen Solopassagen, zum anderen setzt es - bei durchaus als konventionell zu bezeichnender Tonsprache - ganz auf einen satten und großräumigen Schmelzklang. Insgesamt ließ sich das Werk mit seinen Anklängen an Unterhaltungs-, Film- und Minimalmusik gut anhören, wobei Schäfer - vielleicht auch teils ironisch? - nicht vor kitschverdächtigen Wendungen zurückscheute.

Schuberts "Forellenquintett" schließlich spannte wieder einen Bogen zu Hummels Werk, zumal Schubert vermutlich die ungewöhnliche Besetzung mit Kontrabass statt mit zwei Violinen zum Vorbild für seine Komposition nahm. Das Ensemble fügte mit diesem Stück dem 1. Geislinger Kulturherbst rund um Christian Friedrich Daniel Schubart den geeigneten musikalischen Farbtupfer bei. Ein wenig wurde die Hörfreude, die die perfekten Streicher dem Publikum bereiteten, allerdings getrübt - die Pianistin war an diesem Abend offensichtlich nicht in Höchstform.

Mit der wunderbar innigen, hochromantischen Zugabe aus dem langsamen Satz von Herrmann Goetzens Streichquintett wurde die Zuhörerschaft schließlich in den frühherbstlichen Abend entlassen.