Der Wind wird rauer, die Wortwahl markiger: Zum Auftakt der vierten Tarifrunde im Südwesten hat die IG Metall die Unverrückbarkeit ihrer Forderungen - 6,5 Prozent mehr Lohn, die unbefristete Übernahme von Auszubildenden sowie mehr Mitbestimmung bei Leiharbeit - mit landesweiten Warnstreiks unterstrichen.

In Geislingen traten bei der WMF und deren Tochter Prolog sowie bei Odelo einige hundert Beschäftigte kurzzeitig in den Ausstand. Bei Kundgebungen demonstrierten sie ihre Bereitschaft für einen unbefristeten Streik, sollte der Arbeitgeberverband Südwestmetall "nicht bis Pfingsten Lösungen zu unseren drei Forderungen auf den Tisch legen", wie es Bernd Rattay, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Göppingen-Geislingen, umriss. Die Metall- und Elektroindustrie habe im vergangenen Jahr 26 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner ausgeschüttet. Ein Prozent Lohnerhöhung koste nur 1,5 Milliarden Euro. "Unsere Tarifforderung würde weniger als zehn Milliarden erfordern", befand Rattay. Seine Schlussfolgerung darum: "Wer 26 Milliarden Euro an seine Aktionäre zahlen kann, der kann auch eine anständige Entgelterhöhung bezahlen."

"Wir haben mit dazu beigetragen, dass es der WMF so gut geht. Nun wollen wir auch ein großes Stück vom Kuchen abhaben", betonte Gabi Schranz von Prolog, Mitglied der Tarifkommission und Ersatz-Betriebsrätin, vor den rund 300 Beschäftigten von Prolog und WMF, die sich zur Kundgebung vor dem Betriebsratsgebäude versammelt hatten. "Leute, wir wollen vorwärts und nicht ins 19. Jahrhundert zurück", mahnte Schranz.

"Die Jugend braucht eine sichere Zukunftsperspektive, weil die Jugend unsere Zukunft ist. Hier bei der WMF werden die Azubi auch nur befristet übernommen, das ist eine Schweinerei": Hüseyin Önci, ebenfalls Mitglied der Tarifkommission sowie WMF-Betriebsrat, machte seinem Unmut lautstark Luft - und schob das Thema Leiharbeit nach: "Bei 7,65 Euro Stundenlohn bleiben am Monatsende netto 700 Euro. Das ist ein Armutslohn. Wie soll man so leben können?" WMF-Betriebsrat Jürgen Peters richtete einen Appell an Konzernführung und Unternehmer: "Wir sind nicht geil auf Streik. Aber wir wollen gerechte Löhne für unsere Arbeit."

Bei Odelo freute sich Wilfriede Schwendemann, Vertrauensfrau der IG Metall und stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, dass rund 120 Beschäftigte dem Aufruf zum Warnstreik gefolgt waren: "Bei uns herrscht viel Unsicherheit, wie es weitergeht. Dennoch sind viele Kollegen gekommen, um mitzumachen." Bei 320 Festangestellten und 120 Leiharbeitern war ihr zentrales Anliegen klar: "Gebt allen einen unbefristeten Arbeitsvertrag, dann braucht man auch niemanden mit einer Greencard herholen."

Den "ersten Warnstreik seit zehn Jahren" (Rattay) gab es gestern bei Grüner in Hausen. Rund 80 Beschäftigte hatten sich angeschlossen, Betriebsräte der WMF, von Schuler (Göppingen) und Allgaier (Uhingen) waren zur Unterstützung angereist. Was die Situation dort besonders macht: Die Firma gehört (noch) nicht zum Arbeitgeberverband. Der Haustarifvertrag war zum Jahresende ausgelaufen, im April eine zweite Verhandlungsrunde gescheitert. Heute soll laut Rattay die nächste folgen: "Den Leuten dort hat es gut getan, dass sie mitmachen konnten im Geleit der anderen. Das hat ihnen Mut gemacht."