Hochschule 50 plus Hochschule 50 plus führt zu Weltkulturerbe

Geislingen/Speyer / Claudia Burst 02.03.2018
Der Dom zu Speyer war das Ziel der Hochschule 50 plus: Eine beeindruckende Exkursion zu einem Unesco-Weltkulturerbe.

Speyer wird auch Tor zur Toskana Deutschlands genannt. Das war eine von vielen Fakten und Anekdoten, die die Studenten der Hochschule 50 plus bei ihrer Exkursion in die mehr als 1000 Jahre alte Stadt in der Pfalz erfuhren – jener Region, die für ihr mildes, sonniges Klima bekannt ist, eben wie die Toskana.

Am Mittwoch und Donnerstag jedoch ist von italienischer Wärme in der Domstadt nichts zu spüren: Eiseskälte begleitet die beiden Gruppen mit den Senior-Studenten sowohl während der Besichtigung des Doms als auch am Nachmittag bei der Stadtführung.

Trotzdem sind die Teilnehmer der Veranstaltung des Stadtseniorenrates allesamt begeistert von ihrem Ausflug in die Stadt am Rhein. Strahlend blauer Himmel, sehr gutes Essen und vor allem beeindruckende Sehenswürdigkeiten, die die engagierten Stadt- beziehungsweise Domführer präsentieren, lassen die Kälte zur Nebensache werden.

„So gelacht hab ich schon lange nicht mehr“, erzählt eine der Studentinnen am Ende der Stadtführung mit dem Gästeführer Peter Ellspermann. Eine andere fügt hinzu: „Das war der geborene Stadtführer, der war einmalig.“

Ellspermann paart bei der Präsentation die Faszination seiner Stadt mit Humor und macht sie  seinen Zuhörern auf diese Weise unvergesslich. Das alte Kloster Sankt Magdalena, der Fisch- und der Holzmarkt oder das aus dem 13. Jahrhundert stammende Altpörtel,  eines der höchsten und bedeutendsten Stadttore Deutschland, sind nur einige Beispiele einer Stadt, die eine lange Geschichte vorweist. Bis heute ist sie so attraktiv, dass es weder im Wohn- noch im Geschäftsbereich Leerstände gibt.

Die lange und wechselvolle Geschichte von Speyer bekommen die Geislinger bereits am Vormittag bei der Führung durch den Dom deutlich vor Augen geführt. Der Speyerer Dom ist seit 1981 Unesco-Welterbestätte – und damit der Hauptgrund dafür, dass Wolfgang Kehrer, der Vorsitzende des Stadtseniorenrats, die Stadt als Ziel des Exkursionstags gewählt hat. Immerhin ist „Kulturerbe“ das Thema der diesjährigen neunten Auflage der Hochschule 50 plus.

Der Dom zu Speyer ist die größte romanische Kirche der Welt. Der Bau wurde um etwa 1030 von Salier-Kaiser Konrad II begonnen und 1061 von seinem Enkel Heinrich IV geweiht. „Konrad II baute den Dom als weithin sichtbares Zeichen seiner Macht“, erklärt Domführerin Waltraud Ritscher-Kohl der Gruppe. Die lässt sich auf Anhieb gefangen nehmen vom überwältigenden Anblick des gewaltigen, 90 Meter langen Kirchenschiffs mit seinen mächtigen Pfeilern und den zwölf Bögen, die sich dazwischen wölben. Dank der beiden Domführer erkennen die zwei Studenten-Gruppen den Einfluss der Geschichte. So finden sich im romanischen Dom sowohl gotische – die Sakristei – als auch barocke Einflüsse.

Die Krypta mit ihren Säulen aus weiß-roten Sandsteinen gehört zu den ältesten Teilen des Doms. Von dort aus sind das Fundament, auf dem der gesamte Bau ruht, zu erkennen sowie die Gräber der Kaiser und Könige aus dem salischen Herrscherhaus. Geschwärztes Mauerwerk genauso wie unterschiedliche Mauern erinnern an den Stadtbrand im Zusammenhang mit dem Pfälzischen Erbfolgekrieg im Jahr 1689.

Bunte Fresken zwischen manchen Säulen sind Erinnerungen an den Wittelsbacher-König Ludwig I. – die Pfalz gehörte von 1816 bis 1946 zu Bayern –, der  den gesamten Dom innen von Johann Schraudolph im bunten Nazarenerstil bemalen ließ. 1846 begann der Allgäuer damit, 1853 vollendet er sein Werk. Schraudolphs Schaffen sind die zahllosen sichtbaren kleinen Löcher im Gestein zu verdanken, die ins Gestein eingeschlagen wurden, um den Putz aufzubringen. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts arbeiteten die Speyerer das ursprüngliche romanische Erscheinungsbild des Dominneren in einer Restaurierungskampagne wieder heraus.

Der Besuch in Speyer zeigt schnell Wirkung bei den Senior-Studenten: Beeindruckt vom Gesehenen, haben die Geislinger auf ihrer Rückfahrt im Bus viel zu schwärmen.