Hofstett Hilfe für die Hofstetter Hülbe

Kai Steffen Meier (links) und Walter Ziegler begutachten ihr Sorgenkind, die Hofstetter Hülbe. Noch ist genügend Wasser darin. In wenigen Wochen wird sich aber das Bild gewandelt haben.
Kai Steffen Meier (links) und Walter Ziegler begutachten ihr Sorgenkind, die Hofstetter Hülbe. Noch ist genügend Wasser darin. In wenigen Wochen wird sich aber das Bild gewandelt haben. © Foto: Markus Sontheimer
Hofstett / Jochen Weis 13.03.2018
Die Hofstetter Hülbe verliert Wasser und muss saniert werden. Ende März geht das Thema in den Weilerner Ortschaftsrat.

Die Hofstetter hängen an ihrer Hülbe, dem Wahrzeichen des Weilers neben Weiler. „Sie ist sozusagen unser Dorfplatz, unser Treffpunkt“, sagt Walter Ziegler. Für Kai Steffen Meier sind mit dieser Hülbe zudem viele schöne Erinnerungen an die Kindheit verbunden. „Im Winter beispielsweise, wenn sie zugefroren war, sind wir immer auf dem Eis rumgeschliddert“, erzählt der 32-Jährige: „So etwas kennen nur die wenigsten aus unserer Generation, weil die meisten Hülben auf den Dörfern längst schon zugeschüttet sind.“

Genau das ist für die Hofstetter die Motivation, ihr Wahrzeichen zu erhalten. „Auf der wasser­armen Alb waren die Hülben – im Ursprung Dolinen mit einer wasserdichten Ton- oder Lehmschicht – Voraussetzung dafür, dass sich überhaupt Menschen angesiedelt haben. Sie waren Wasserstellen fürs Vieh – und in Notzeiten auch für die Menschen“, erläutert Meier. Die wenigen Hülben, die es noch gebe, seien also historische Zeugnisse und müssten unbedingt für die Zukunft bewahrt werden. Außerdem hätten sie längst eine wichtige Bedeutung als Biotope, als Lebensraum für Flora und Fauna.

Er und Ziegler gehören ebenso dem Weilerner Ortschaftsrat an wie auch den beiden Arbeitsgruppen „Rad-/Wanderwege und Naherholung“ (Meier) sowie „Erhaltung ländlicher Charakter“ (Ziegler), die vor einem Jahr als Teil des Bürgerprojekts „Weiler – Wir gestalten unsere Zukunft“ entstanden sind.

Das anstehende Projekt „Sanierung und Gestaltung der Hofstetter Hülbe“ betrifft beide Gruppen gleichermaßen. Ziegler und Meier stehen deshalb bereits in Kontakt mit der zuständigen Geislinger Umweltbeauftragten Sonja Pfau. In der nächsten Sitzung des Weilerner Ortschaftsrats am Dienstag, 27. März (20 Uhr), ist das Projekt Thema.

Doch weshalb gleich eine „Sanierung“? Zwar wirkt das kleine Gewässer auf den ersten Blick wie ein unberührtes, intaktes Idyll am Rande Hofstetts. Doch der Eindruck täuscht: „Die Hülbe droht zu verlanden, außerdem vermuten wir, dass die Lehmschicht nicht mehr dicht ist und deshalb das Wasser verschwindet“, erläutert Meier.

Hierbei spielen mehrere Faktoren eine Rolle. „Dass Seen und Teiche mit der Zeit verlanden, ist ja nun nicht neu“ sagt Meier, „in der Vergangenheit musste auch die Hofstetter Hülbe immer wieder ausgeräumt werden“. Das aber sei früher stets Handarbeit gewesen, „da konnte nichts kaputt gehen. Die Tiere wurden zur Tränke in die Hülbe getrieben, der Tritt der Hufe hat den Untergrund extrem verdichtet und verfestigt. Da hat man gleich gemerkt, wenn man mit der Schaufel auf die Lehmschicht trifft“.

Bei einer Räumung vor gut zehn Jahren war jedoch schweres Gerät im Einsatz. Was laut Ziegler an sich kein größeres Problem darstellt, weil sich am Grund Trittsteine befinden, die einst den Tieren Halt gaben und selbst moderne Bagger aushalten. Zudem sei sehr behutsam gearbeitet worden. „Zum Beispiel war der ausgebaggerte Schlamm nebenan aufgeschichtet, so dass die Tiere, die sich darin befanden, wieder zum Wasser zurückwandern konnten“, führt Ziegler aus. Dennoch bestehe der Verdacht, dass seinerzeit die Lehmschicht – wenngleich unabsichtlich – beschädigt worden sei. „Das Wasser hält sich nicht mehr so gut in der Hülbe, es verschwindet weit mehr und schneller als es bei normaler Verdunstung üblich ist“, erläutert Meier. Bei einer Sanierung müsse deshalb nach solchen lecken Stellen geschaut werden.

Außerdem könnte bei der Sanierung gleich ein weiterer Fehler aus der Vergangenheit korrigiert werden. Meier: „In den 1970er Jahren wurde der Überlauf der Hülbe um etwa einen halben Meter erhöht. Allerdings ist in diesem erhöhten Bereich nichts abgedichtet, so dass der Wasserspiegel schnell wieder aufs ursprüngliche Niveau absinkt.“

Damit der Wasserschwund kurzfristig aufgehalten wird, bekommt die Hofstetter Hülbe bereits in diesen Tagen Erste Hilfe: Im Graben und zugleich Zulauf, in dem sich das Regenwasser sammelt, hat sich inzwischen (zu viel) Schlamm abgelagert. Damit gelangt auch weniger Wasser ins Gewässer, weshalb die Dolen bereits freigespült wurden und der Graben nun ausgebaggert wird. Außerdem muss das stark erhöhte Bankett zwischen Straße und Zulauf abgezogen werden, weil es wie eine Barriere wirkt. Meier: „Das Regenwasser läuft sonst überall hin, nur nicht in die Hülbe, wo es eigentlich hin soll.“

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