Ärger HfWU-Studenten machen ihren Nachbarn Ärger

Alkohol und gute Laune – in einer Studenten-WG wie auf diesem Symbolbild wird oft gefeiert. In einem Haus in der Hohenstaufenstraße ist die Party jedoch so eskaliert, dass Nachbarn die Polizei riefen.
Alkohol und gute Laune – in einer Studenten-WG wie auf diesem Symbolbild wird oft gefeiert. In einem Haus in der Hohenstaufenstraße ist die Party jedoch so eskaliert, dass Nachbarn die Polizei riefen. © Foto: Fotolia
Geislingen / Isabelle Jahn 01.02.2018
Nachbarn von Geislinger Studenten beschweren sich über deren rücksichtsloses Verhalten. Eine Party beendete die Polizei.

Ich hab die Schnauze voll“, schimpft eine Anwohnerin der Hohenstaufenstraße in Geislingen, die nicht mit Namen genannt werden will. Der Grund für ihren Ärger: Studenten, die offenbar keine Rücksicht auf ihre Nachbarn nehmen. Immer wieder müsse sie nachts um Ruhe bitten, wenn nebenan und auch vor ihrem eigenen Haus lautstark gefeiert werde, berichtet die 40-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Ob zum Vorglühen vor einer Semesterparty oder für spontane Privatfeiern – das Haus werde als allgemeiner Treffpunkt genutzt. Wenn vor Mitternacht Schluss wäre, könne sie gut damit leben, sagt die Berufstätige. „Aber manche Feste gehen bis zum Frühstück.“

Kurz vor Weihnachten dann eskalierte die Situation: An die 130 junge Menschen versammelten sich an einem Wochentag spät­abends in dem privat vermieteten Studentenhaus und draußen auf der Straße. „Die mussten sich
regelrecht stapeln“, beschreibt die Anwohnerin. Vom besoffenen Gröhlen über leere Bierflaschen und Zigarettenstummel auf der Straße bis hin zum Erbrochenen in der Einfahrt zum Nachbarhaus – von Rücksichtnahme offenbar keine Spur: „Mahnende Nachbarn wurden ignoriert oder ausgelacht“, schreibt eine andere Anwohnerin der Hohenstaufenstraße in einer E-Mail an unsere Redaktion.

Da wussten sich die Nachbarn nicht mehr anders zu helfen und riefen die Polizei, die nach einer ersten Ermahnung ein zweites Mal anrückte, um Platzverweise zu erteilen und die Party damit aufzulösen. Doch damit kehrte noch keine Ruhe ein: „Die ganze Nacht war Highlife“, erzählt die Nachbarin. Jede halbe Stunde sei jemand zurück gekommen und habe vor dem Nachbarhaus geschrien, man lasse sich nichts verbieten. „Von Jahr zu Jahr werden die Studenten respektloser“, sagt die Frau, die seit Jahrzehnten in der Hohenstaufenstraße wohnt. Jedes Semester fange sie erneut damit an, ihre neuen Nachbarn „zu erziehen“. Auch beim Vermieter hat sich die 40-Jährige beklagt, woraufhin dieser nach ihrer Aussage eine Abmahnung gegenüber einem der Studenten ausgesprochen hat – seitdem sei es immerhin ruhiger geworden.

„Das wirft ein schlechtes Licht auf die Studenten“, sagt Julian Urban, Vorsitzender der Verfassten Studierendenschaft (VS). Der 20-jährige Eybacher bedauert es, wenn unter solchen Auseinandersetzungen auch der Ruf der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) leidet. „Dafür habe ich kein Verständnis.“ Zwar sei in Geislingen abgesehen von den Semesterpartys nicht viel geboten, weswegen viele seiner Kommilitonen dann bei sich zu Hause feiern. Wer solche Privatparties veranstalte, müsse aber „vorausdenken und Verantwortung an den Tag legen“, betont Urban, der in Geislingen Wirtschaftsrecht studiert. Außerdem könne man zum Feiern auch einfach nach Stuttgart oder Ulm fahren.

Der „Hilferuf aus der Nachbarschaft“ habe ihn erreicht, sagt HfWU-Rektor Andreas Frey. Zwar könne er keinen Einfluss darauf nehmen, was die Studenten in dem Privathaus treiben. Ein rücksichtsloses Verhalten heiße er jedoch bei Niemandem gut – „die Regeln des guten Miteinanders gelten für alle“. Dieser Appell sei auch stets Teil seiner Begrüßung der Erstsemester an der HfWU. Der Hochschulrektor findet, dass Feiern zum Studium dazugehört, aber nicht ohne Veranwortungsbewusstsein: „Die Studenten sind alle erwachsen, da gilt keine Narrenfreiheit.“

Nicht nur Studenten stören

Ob Studenten, Jugendliche im Stadtpark oder getunte Autos – für die Geislinger Polizei sind Ruhestörungen täglich Brot, wie Revierleiter Jens Rügner berichtet. Das sei aber kein studentisches Problem: „Dort, wo sich viele junge Menschen auf kleinem Raum aufhalten, gibt es oft Beschwerden.“ Wenn dann noch Alkohol mitspiele, würden viele Personen übermütig oder gar gewalttätig.

Rückt die Polizei wegen Ruhestörung an, reicht laut dem Polizeichef oft eine Verwarnung aus, um den Lärm zu unterbinden. Manchmal – so wie im Fall der Hohenstaufenstraße – müssen die Beamten der Veranstaltung aber einen Riegel vorschieben. Es komme auch vor, dass man Gegenstände wie zum Beispiel Stereoanlagen beschlagnahme, Bußgelder verhänge und Personen festnehme, erklärt Rügner.

Der Revierleiter stellt klar: „Nicht überall, wo wir eine Ruhestörung gemeldet bekommen, liegt auch tatsächlich eine vor.“ So könne etwa ein schwelender Nachbarschaftsstreit dahinter stecken. Nicht so in der Hohenstaufenstraße: Eigentlich verstehe man sich gut, auch mit den Studenten, sagen die Nachbarinnen. Wenn es wie in den vergangenen Wochen weiterhin gesittet zugeht, kann dies auch so bleiben.

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