Geislingen Studenten aus aller Welt in Geislingen

Sie kommen aus fernen Ländern und studieren in Geislingen: Motaz Omarien aus Syrien, Tarena Sanaei aus dem Iran, Ying-Wei Lee aus Taiwan, Boniface Awuor aus Kenia und Taiwo Oladeji aus Nigeria.
Sie kommen aus fernen Ländern und studieren in Geislingen: Motaz Omarien aus Syrien, Tarena Sanaei aus dem Iran, Ying-Wei Lee aus Taiwan, Boniface Awuor aus Kenia und Taiwo Oladeji aus Nigeria. © Foto: Angelina Neuwirth
Geislingen / Angelina Neuwirth 05.07.2018
Der Master „Sustainable Mobilities“ an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Geislingen zieht internationale Bachelor-Absolventen an.

Seit März 2017 bietet die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU)  in Geislingen den Master-Studiengang Sustainable Mobilities (Nachhaltige Mobilitäten) komplett auf Englisch an. Studenten aus Ländern der ganzen Welt können sich dafür bewerben. Für das kommende Studienjahr gibt es bereits rund 80 Bewerber, berichtet Gisela Zimmermann vom International Office in Geislingen. „Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt sie. „Mir ist es auch wichtig, dass die Studenten an der Hochschule und in der Stadt integriert werden“, fügt Zimmermann hinzu. Der Studiengang ist wegen seines Schwerpunkts auf der Forschung einmalig in Deutschland. Vier Fächer werden mit ausländischen Lehrbeauftragten besetzt, die aus Dänemark, Spanien und England kommen.

Taiwo Oladeji studiert Sustainable Mobilities im ersten Semester. Er kommt aus Lagos in Nigeria, hat seinen Bachelor in Geografie gemacht und ist an die HfWU gekommen, weil die Inhalte des Master-Studiengangs gut zum Vorstudium passen, sagt der 27-Jährige. Zusammen mit einem Kommilitonen wohnt er in Geislingen in einem Haus der Geislinger Siedlungs- und Wohnungsbau GmbH. Oladeji findet das soziale Leben in Geislingen „ziemlich langweilig“ – es sei schwer, etwas zu unternehmen. „Das Klima an der Hochschule gefällt mir aber, und es macht Spaß, dort zu studieren“, erzählt er. Später einmal will er in Nigeria in die Politik gehen oder als Umweltberater tätig werden.

Sein Kommilitone Motaz Omarien kommt gebürtig aus der syrischen Hauptstadt Damaskus. Der 35-Jährige hat in Finnland Sustainable Coastal Management (Nachhaltigkeit in Küstenregionen) studiert und will später dabei helfen, Syrien wieder aufzubauen. Er lebt bei einer älteren Dame in Geislingen die einen Garten hat, in dem er Früchte aus dem Mittleren Osten anbaut. „Mir gefällt die Elefanten-Statue am Forellenbrunnen in der Fußgängerzone und die schön ausgeschilderten Wanderwege rund um Geislingen“, sagt er. An der HfWU mag er, dass es einige internationale Dozenten gibt und wünscht sich, dass mehr Deutsche den internationalen Master-Studiengang für sich entdecken.

Die 27-jährige Tarena Sanaei aus Karadsch im Iran hat ihren Bachelor in Urban Development Engineering (Ingenieurwesen/Stadtentwicklung) gemacht und ist vor allem deshalb nach Deutschland gekommen, „weil das Bildungssystem hier im Vergleich zu anderen europäischen Ländern viel besser ist“, sagt sie.

Die Studentin lebt in einer Wohngemeinschaft in Geislingen und will bald in ein Studentenwohnheim oder eine eigene Wohnung ziehen – damit sie ihren Hund zu sich holen kann, der momentan bei einer Freundin wohnt. „Ich verstehe mich gut mit meinen Kommilitonen und habe auch außerhalb der Hochschule viele Freunde, weil es mir leichtfällt, Kontakte zu knüpfen“, erzählt die Iranerin. Sie will im Berufsleben etwas machen, bei dem sie die Inhalte ihres Studiengangs anwenden kann.

Ying-Wei Lee aus Yunlin in Taiwan hat einen Bachelor in Rechnungswesen und war bereits dafür ein Jahr lang in Deutschland. „Ich mache meinen Master hier, weil die Studiengebühren niedriger sind als in anderen Ländern und ich mich hier schon ein bisschen auskenne“, sagt die 25-Jährige. Sie findet es gut, dass die Dozenten durch die geringe Studentenanzahl auf jeden Einzelnen eingehen können.

Probleme in der Heimat im Fokus

Lee wohnt in einer eigenen Wohnung und hat in Geislingen Anschluss gefunden: Sie macht bei Sportangeboten der Hochschule mit und hat über ihren Nachbarn schon einige Leute kennengelernt. „Was mir nicht gefällt ist, dass meine Freunde am Wochenende immer heimfahren“, sagt sie.  Die 25-Jährige weiß noch nicht, was sie beruflich machen will, „aber ich möchte gerne in Deutschland bleiben“, erzählt sie.

Boniface Awuor aus Kenias Hauptstadt Nairobi hat zwei Bachelor-Abschlüsse: Einen in Rechnungswesen und einen in Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt Entwicklungsstudien. Der 39-Jährige findet die Einzigartigkeit des Geislinger Studiengangs beeindruckend und will die Inhalte später auf Problemstellungen in seiner Heimatstadt beziehen. „Ich möchte in Deutschland mein Studium komplett abschließen und auch noch einen Doktortitel machen“, erklärt er. Zusammen mit seiner Familie wohnt er in Esslingen.

Awuor hat einen Draht zu den Menschen, geht in die Kirche und trainiert im Fitnessstudio. Für seinen Sozialwissenschafts-Bachelor hat er bereits ein Auslandssemester in Kanada gemacht, hat sich aber für das Masterstudium in Deutschland entschieden – weil der Bildungsstandard hoch sei. „Geislingen gefällt mir auch, weil es ziemlich still ist und die Umweltverschmutzung nicht so hoch wie in größeren Städten ist“, erzählt der Kenianer. Der 39-Jährige will nach dem Studium wieder bei einer von der Regierung unabhängigen Organisation in Nairobi arbeiten, diesmal als studierter Forscher.

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