Geislingen an der Steige HfWU-Absolvent erobert mit WMF den Weltmarkt

Das Gelände der WMF kennt Bernd Anton wie seine Westentasche. Der 51-Jährige hat an der HfWU in Geislingen studiert und arbeitet seit seinem ersten Job bei dem Traditionsunternehmen.
Das Gelände der WMF kennt Bernd Anton wie seine Westentasche. Der 51-Jährige hat an der HfWU in Geislingen studiert und arbeitet seit seinem ersten Job bei dem Traditionsunternehmen. © Foto: Udo Renner
Geislingen an der Steige / Udo Renner 07.06.2018
Der HfWU-Absolvent Bernd Anton leitet den internationalen Vertrieb von Kaffeemaschinen der WMF, bei der er seit Langem arbeitet.

Manches entdeckt man erst auf den zweiten Blick. Bei Bernd Anton hat dies wohl etwas mit der souveränen Zurückhaltung zu tun, die gemeinhin dem Schwaben zugeschrieben wird. Anton erzählt vom BWL-Studium an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Geislingen. Von der angenehm familiären Atmosphäre Mitte der 1990er Jahre im roten Backsteinbau an der Bahnhofstraße. Wie ihn einmal, als er einen Klausur-Termin im Wahlfach Französisch verbummelt hatte, das Sekretariat zu Hause anrief und die Kommilitonen warteten, bis er schließlich eintraf. Vom engen Kontakt zu den Professoren und davon, dass das Studium vor allem den Blick fürs Ganze und „um die Ecke zu denken“ geschult habe. Und dann in einem Nebensatz, als sei das nicht weiter erwähnenswert, dass er einer von nur 50 unter 250 Bewerbern war, die einen Studienplatz bekamen.

Beließe man es auch bezüglich seines Karrierewegs beim ersten Blick, der Eindruck wäre zumindest sehr unvollständig. Anton ist in Geislingen zur Schule gegangen, hat nach einer Banklehre in Geislingen studiert, danach bei der WMF in Geislingen seinen ersten Job angetreten. Seitdem ist er der Weltfirma treu. „Manchmal rufen Headhunter an und fragen, ob ich nicht an internationaler Erfahrung interessiert sei und an neuen Herausforderungen“, berichtet der 51-Jährige. „Ja, genau das bin ich. Und genau deswegen bin ich bei der WMF geblieben und habe es nie bereut.“ Heute verantwortet Anton deutschlandweit den Vertrieb von Kaffeemaschinen des Traditionsunternehmens und ist Chef einer 85-köpfigen Vertriebsmannschaft.

Eingestiegen ist er bei der WMF als „Länderreferent Export“. Rund zehn Jahre war er in dieser Funktion tätig. Hört man seine Erzählungen aus dieser Zeit, wandelt sich der erste Eindruck von einem, der in Geislingen sitzen geblieben ist, schnell. Mehr internationale Erfahrung ist schwer vorstellbar. „Die Stelle war für mich wie ein Sechser im Lotto. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ging es darum, neue Märkte zu erschließen – in Ländern, für die freie Märkte oft noch völliges Neuland waren“, erzählt der Manager. Polen, Russland, Aserbaidschan, die Ukraine, Naher Osten, Asien, Neuseeland –  die Liste der Länder und Regionen und damit der unterschiedlichen Mentalitäten und Kulturen, die er kennengelernt hat, ist lang.

Gefragt war nicht immer nur Verkaufsgeschick. In der Ukraine stellte der Geschäftspartner morgens um zehn wie selbstverständlich eine Flasche Wodka auf den Tisch. „Und in Saudi-Arabien die Einladung zum Shisha-Rauchen abzulehnen, geht eigentlich nicht“, erinnert sich der verheiratete Vater von zwei erwachsenen Kindern.

Die Familiengründung war es damals auch, die dann nur noch schwer zu vereinbaren war mit den langen Geschäftsreisen um den halben Globus. Es folgten Führungsaufgaben im Bereich Controlling. Seit vier Jahren leitet Anton nun den nationalen Vertrieb der WMF-Kaffeemaschinen.

Verantwortung zu übernehmen, ist dem Hobby-Motorradfahrer auch außerhalb der Arbeit ein Anliegen. An seinem Wohnort in Türkheim engagiert er sich als stellvertretender Leiter des Ortschaftsrats.

Dass der kräftige Mann mit der modischen Designer-Brille auch mal laut wird, wenn es in seiner Vertriebsmannschaft nicht rund läuft, kann man sich nicht vorstellen. Bernd Anton ist von dem Produkt, das sein Team verkauft, absolut überzeugt: „Das sind High-Tech-­Geräte made in Germany.“

Die Devise des 51-Jährigen lautet Ansporn durch Überzeugung. „Meine Mitarbeiter sind in ganz Deutschland verstreut, da würde irgendeine Art von Überwachung auch gar nicht funktionieren.“ Bernd Anton setzt es als selbstverständlich voraus, dass die Vertriebskollegen sich mit der Marke WMF und den Produkten identifizieren.

Aber was, wenn sich als angehender Kaffeemaschinenverkäufer ein passionierter Teetrinker bewirbt? „So ganz optimal wäre das nicht“, sagt der Geislinger mit der gewohnt schwäbischen Zurückhaltung. Hier beharrt Bernd Anton selbst auf den zweiten Blick.

Absolventen-Porträts zum Standort-Jubiläum

Seit 30 Jahren gibt es die Hoch­schule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Geislingen. Die GEISLINGER ZEITUNG begleitet das Jubiläum mit Porträts von Absolventen mit außergewöhnlichem beruflichem Werdegang – zusätzliche Videos gibt es auf
www.swp.de/hfwu-geislingen

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