Geislingen Helfenstein-Klinik bekommt neue OPs

Geislingen / Stefanie Schmidt 21.09.2018
Über 33 Millionen Euro wollen die Alb-Fils-Klinken in den nächsten Jahren in die Helfenstein-Klinik investieren.

Für Ingo Hüttner und Wolfgang Schmid, die Geschäftsführer der Alb-Fils-­Kliniken (AFK), markierte die Gesprächsrunde mit Sascha Binder in der Helfenstein-Klinik  das  Ende eines langen Tages. Begonnen hatte dieser Donnerstag mit einer Pressekonferenz zu den beiden Todesfällen in der Göppinger Klinik am Eichert. Kurz erläuterte Hüttner den gut 40 Zuhörern am Beginn der Veranstaltung nochmals die Hintergründe  (wir berichteten). „Die gesamte Belegschaft ist tief erschüttert“ –  so fasste er die aktuelle Stimmungslage im Göppinger Krankenhaus zusammen.

Gegenwind vom Land

Dann ging man zu den weiteren Themen des Abends über: dem geplanten Neubau der Klinik am Eichert und der Zukunft der Geislinger Helfenstein-Klinik. Insgesamt knapp 342 Millionen Euro werde das gesamte Neubauprojekt kosten, informierte Schmid. Die Kosten tragen die AFK (118,6 Millionen), das Land (153,5 Millionen) und der Landkreis (110 Millionen). Die Kindertagesstätte, die Personalwohnungen und das neue Parkhaus sind bereits fertig. Der Bau der Klinik solle im nächsten März beginnen und bis Ende 2023 dauern. Zuvor müssten Aufsichtsrat und Kreisrat allerdings noch den Baubeschluss fassen. Die Helfenstein-Klinik werde wegen des Neubaus aber nicht vernachlässigt, versprach Schmid. 33,6 Millionen Euro würden die AFK in den nächsten Jahren in Geislingen investieren: unter anderem für die Sanierung der Pflegegeschosse, der IT-Infrastruktur und des Brandschutzes. Als erstes stehe im nächsten Jahr jedoch die Sanierung des OP-Bereichs an. Während die Arbeiten laufen, sollen die OP-Räume in Container ausgelagert werden.

Mit diesen Investitionen setzten die AFK ein „Signal“ dafür, dass die Helfenstein-Klinik langfristig erhalten werden  solle, meinte Sascha Binder. Schmid bekräftigte: „Unsere Strategie setzt auf beide Standorte.“ Mit dem Plan, beide Krankenhäuser im Kreis zu erhalten, sei man im Landkreistag durchaus auf Gegenwind gestoßen, merkte Landrat Edgar Wolff an, der sich unter den Zuhörern befand. Der Trend gehe landesweit dazu, kleinere Kliniken zu schließen, bestätigte Sascha Binder. Das Land wolle die stationäre Krankenversorgung in Baden-Württemberg weiter zentralisieren, ist sein Eindruck: „Aber den Schwarzen Peter für die Schließung kleiner Krankenhäuser will das Land nicht haben.“  Deshalb gebe es auch keine konkrete Krankenhaus-Planung, die die Anzahl der Kliniken im Ländle beschränkt.

Auf aktuelle Entwicklungen in der Helfenstein-Klinik ging Ingo Hüttner ein. Die Neustrukturierung der Zentralen Notaufnahme (ZNA) werde weitergeführt, berichtete er. Bisher sei die ZNA, die jeden Tag 24 Stunden besetzt ist, die personelle „Achillesferse“ des Hauses gewesen. Anfang des Jahres hätten deswegen sogar Ärzte aus der Anästhesie einspringen müssen.  Inzwischen habe sich die Personalsituation jedoch „stabilisiert“. Außerdem sei man im Moment dabei, die Abläufe in der ZNA neu zu strukturieren sowie die Notfall- und Sprechstundenpatienten räumlich und personell besser zu trennen.

Gute Nachrichten gebe es vom Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ), so Hüttner weiter: Sowohl ein Gastroenterologe als auch eine ambulante Kardiologie haben sich seit Sommer in den Räumen der Helfenstein-Klinik angesiedelt. Und auch für eine Kinderarztpraxis in der Rheinlandstraße konnte das MVZ eine Nachfolgerin gewinnen – was alles andere als einfach gewesen sei.

„Es fehlt vorne und hinten“

Bei dem anschließenden Gespräch mit den Zuhörern nahm das Stichwort „Fachkräftemangel“ viel Raum ein. Im Pflegebereich fehle es auch in Geislingen und Göppingen „vorne und hinten,“ sagte Rudi Duschek, stellvertretender Vorsitzender des Betriebsrats der AFK: „Wie in allen Kliniken.“ Die Fachkräfte seien rar auf dem Arbeitsmarkt und der Tarifvertrag „nicht ganz oben im Spektrum“ angesiedelt: „Man rennt uns nicht die Türen ein.“ Gleichzeitig gebe es aber auch ein Vergütungsproblem: „Wir können die Leute nicht bezahlen.“

Nicht nur im Pflegebereich sei der Fachkräftemangel zu spüren, merkte Hüttner an. Auch Röntgenkräfte und OP-Techniker seien nicht leicht zu bekommen. Daran werde auch der Gesetzesentwurf von Gesundheitsminister Jens Spahn nichts ändern, betonte er: „Die Geschäftsführung steht nicht auf der Bremse. Wir können nicht einfach mit den Fingern schnippen und die Fachkräfte sind da.“

Einen Kommentar zu dem Thema finden Sie in der Samstagsausgabe der GZ (22. September)

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