Magdalena war die jüngste der fünf Töchter des Grafen Konrad von der Blaubeuren-Heidenheimer Linie der Grafen von Helfenstein und dessen zweiter Gemahlin Ursula von Seckendorff-Rinhofen (beide starben 1474). Sie ist bis heute nur dem Namen nach bekannt. Der Göppinger Arzt und helfensteinische Geschichtsschreiber Oswald Gabelkover (1539-1616), dem alle Urkunden des gräflichen Hauses zur Verfügung standen, und der Helfenstein-Publizist Heinrich Friedrich Kerler (1804-1849) führen sie als "jung verstorben". Das stimmt aber nicht.

Im 15. Jahrhundert standen mehrere junge Grafen von Helfenstein zeitweise im Dienst des Markgrafen Albrecht Achilles von Brandenburg-Ansbach. Der Fürst hat im Jahre 1457 durch sein diplomatisches Geschick die gräflich helfensteinische Familie von Wiesensteig vor dem gänzlichen Verlust ihrer Herrschaft gerettet und kümmerte sich ebenso um das Fortkommen der Blaubeuren-Heidenheimer Grafenfamilie. Und so verwundert es nicht, dass auch die junge Gräfin Magdalena keine Unbekannte am Ansbacher Hof war, wo der Markgraf und seine Gemahlin glanzvoll Hof hielten.

1470 avancierte Albrecht Achilles zum Kurfürsten von Brandenburg und musste deshalb nach "Cölln an der Spree" (Berlin-Neukölln) umziehen. Eine aus diesem Anlass erstellte Liste des in der Ansbacher Residenz vorhandenen Inventars vom 4. Oktober 1471 weist in den "Jungfrawen Caneren" das Bettzeug von fünf namentlich genannten Hofjungfern aus. Die "Greffin" Magdalena von Helfenstein besaß demnach 1 Bett, 1 Deckbett, 1 Polster, 1 Paar "Leilach" (Leintücher) und 1 Decke.

Noch in ihrer Ansbacher Zeit scheint die junge Gräfin dem niederadeligen Herrn Heinrich von Selbitz die Ehe versprochen zu haben. Allem Anschein nach aber stieß dieses Eheversprechen bei ihren Eltern - oder dem Markgrafenpaar - auf derartigen Widerstand, dass diese bei den kirchlichen Behörden einen Antrag auf Annullierung des Eheversprechens einreichten ...

In der Tat wurde Gräfin Magdalena in einem Schreiben vom 30. September 1471, das der päpstliche Legat und Kardinalbischof von Siena, Francesco Todeschini-Piccolomini - der spätere Papst Pius III. -, an den Propst des Kollegiatsstift Ansbach richtete, kirchenrechtlich von ihrem Eheversprechen entbunden. Die Heiratsfrage sollte zum lebenslänglichen Problem der Gräfin werden.

Am kurfürstlichen Hof in "Cölln" gehörte Magdalena in den folgenden Jahren zum "Frauenzimmer" der Markgräfin Elisabeth, einer Nichte des Kurfürsten Albrecht Achilles. Ein paar neckisch gemeinte Briefstellen aus den Jahren 1473 und 1474, in denen sich der Fürst seiner "Muhme" gegenüber auf die wohl ungewöhnlich helle Hautfarbe Magdalenas ("der Greffin ir fallwe Fotzen") bezieht, beantwortete Magdalena mit den Worten, dass sie nicht mehr "fäl, sunder von der merckischen Luft swarz worden" sei.

Nach dem Tod beider Eltern der Gräfin 1474 scheint das Problem des "Frewleins von Helfenstein, ob sie heyraten sol" den Kurfürsten stark beschäftigt zu haben, denn Magdalena vertraute ihm alle ihre Briefschaften an. Wahrscheinlich hat der Fürst die Vormundschaft über die Gräfin übernommen - Frauen hatten damals keinen eigenständigen Rechtsstatus. Er wandte sich in der Heiratsfrage gar an den in Rom weilenden Bamberger Domdechanten und kurfürstlichen Rat Dr. Hertnit von Stein mit der Frage, ob sich das geistliche Chorgericht in der Residenzstadt unter dem Vorsitz des dortigen Dompropstes mit der Sache befassen solle; hier nämlich könne man die Angelegenheit "heimlicher" regeln als am Bischofssitz in Brandenburg. Es scheint also, als habe die Gräfin Magdalena Probleme mit gewissen geistlichen Widersachern oder in ihrer unmittelbaren Umgebung gehabt.

Aus der Geschichte der Helfensteiner

Bisher erschienen:

Teil 1 - Im "Spital des Adels", Die Helfensteiner Gräfinnen Sibylla, Caecilia und Anna (am 18. Februar)

Weitere Themen:

Teil 3: Dorothea von Seckendoff

Teil 4: Gräfin Klara, die "Weiße Frau" von Burg Wolfsegg

Der Autor dieser Serie, Karlfriedrich Gruber, ist der Autor unzähliger historischer Beiträge, zum Beispiel im Jahrbuch "Hohenstaufen/Helfenstein".