Wirtschaft Heidelberger wollen noch mehr sparen

Amstetten / Von Thomas Hehn 16.06.2018

Über ein Jahrzehnt lang haben die Beschäftigten mit Lohnsenkungen, unbezahlten Überstunden und weiteren Zugeständnissen dazu beigetragen, dass sich der Weltmarktführer bei Druckmaschinen über Wasser halten konnte. Jetzt schreiben die Heidelberger Druckmaschinen wieder schwarze Zahlen – und kündigen das nächste Sparprogramm an: Die 840 Beschäftigten bei der „Heidelberg Manufacturing Deutschland“ (HMD) am Standort Amstetten sollen unter anderem über die im Tarifvertrag geltende 35-Stunden-Woche hinaus weitere vier Stunden pro Woche mehr arbeiten – unbezahlt. Darüber hinaus will die Geschäftsführung, dass an acht Samstagen im Jahr ohne die im Betrieb üblichen Zuschläge gearbeitet wird.

In der Belegschaft kommt der erneute Vorstoß der Geschäftsführung zur Kostensenkung nicht gut an. Bei einer Betriebsversammlung am 18. April stießen die Vorschläge von Geschäftsführer Thorsten Kirchmayer jedenfalls auf wenig Gegenliebe. Als
IG Metall und Betriebsrat dafür plädierten, zumindest zu verhandeln, erlitten auch die Arbeitnehmervertreter eine empfindliche Niederlage: Bei der direkt an die Betriebsversammlung anschließenden Mitgliederversammlung der gewerkschaftlich organisierten Beschäftigen (das sind gut zwei Drittel der Produktion in Amstetten) lehnte es die überwältigende Mehrheit ab, dass der Betriebsrat überhaupt in Verhandlungen mit der Geschäftsführung geht. Die Belegschaft habe schon genug Opfer für das Unternehmen gebracht. Man dürfe den Tarifvertrag nicht noch weiter aufweichen, argumentierten die Mitglieder (siehe Info).

Die Antwort der Geschäftsleitung kam fünf Wochen später: Wenn  der Betriebsrat nicht verhandle, prüfe man den Austritt aus dem Arbeitgeberverband (und sei damit auch nicht mehr an Tarifverträge gebunden). Außerdem stünden ein Einstellungsstopp, die Streichung der Altersteilzeitverträge, die Schließung der betrieblichen Ausbildung sowie die Kündigung aller freiwilligen Leistungen der Firma zur Disposition, ließ Kirchmayer über eine Rundmail im Betrieb verkünden.

„Um hinsichtlich unserer Industriekunden auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben zu können, müssen die Personalkosten sinken“, verteidigt Kirchmayer seinen Vorstoß gegenüber der GZ und verweist dabei unter anderem auf die im neuen Tarifvertrag vereinbarte Lohnsteigerung um 4,3 Prozent. Das Maßnahmenbündel seien allerdings „nur Vorschläge, über die man reden kann. Wir wollen das Thema positiv voranbringen“, gibt sich Kirchmayer kompromissbereit.

„Die Entscheidung der Mitgliederversammlung in Bezug auf den Tarifvertrag ist für uns verbindlich“, sagt Martin Purschke, Erster Bevollmächtigter der IG-Metall Göppingen-Geislingen. Wenn man in weitere Verhandlungen gehe, „werden wir vorher mit den Mitgliedern reden“, betont  Purschke.

Der Betriebsrat der Heidelberger will sich auf der einen Seite „nicht drohen lassen“, wie er in einem Aushang am Schwarzen Brett versichert. Andererseits wolle man sich auch „nicht verweigern, wenn es um Gespräche zur Gestaltung der Zukunft des Standortes Amstetten geht.“ Mit der Hilfe eines Wirtschaftssachverständigen will die Arbeitnehmervertretung nun eigene Ideen entwickeln, „die nicht nur mit dem Anteil der Belegschaft bezahlt werden müssen“.

Weniger Lohn und geschenkte Überstunden

Auf dem Höhepunkt der Krise bei den Heidelbergern im Jahr 2009, als Massenentlassungen drohten und allein in Amstetten 157 der damals noch 1225 Arbeitsplätze auf der Kippe standen, vereinbarte der Betriebsrat mit der Geschäftsführung eine Reduzierung der Arbeitszeit auf 31,5 Stunden in der Woche mit entsprechenden Lohnabschlägen.

Außerdem wurden die Arbeitszeitkonten auf minus 400 gestellt. Mehrarbeit wurde erst wieder ab der 175. Überstunde gezahlt. Damit wurden rund 100 Jobs gerettet.

Trotz des Vertrages zur Zukunftssicherung ist die Zahl der Mitarbeiter in Amstetten in den vergangenen zehn Jahren auf mittlerweile 840 gesunken.  

Seit 1. April gilt zwar auch in Amstetten wieder die 35-Stunden-Woche. Die übrigen Vereinbarungen des Kostensenkungsprogramms sind aber weiterhin in Kraft.

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