Geislingen Hausmeister missbraucht Vertrauen des Arbeitgebers

Geislingen / Brigitte Scheiffele 15.02.2018
Wegen mehrfachen Diebstahls standen zwei Männer in Geislingen vor Gericht. Es war nicht das erste Verfahren für die beiden.

Großes Aufgebot im Sitzungssaal vier des Geislinger Amtsgerichts: In einem Strafverfahren vor dem Schöffengericht verhandelt Richterin Elke Wilhelm mit vier Angeklagten, vier Verteidigern, der Dolmetscherin, der Staatsanwältin und acht geladenen Zeugen über acht schwere Diebstähle sowie einen neunten, versuchten Diebstahl. Bei letzterem wurde die Truppe von der Polizei erwischt.

Tatort war in allen Fällen die Firma NOE-Schaltechnik in Süßen, bekannt für Schalungssanierungen und das speziell dafür angefertigte Zubehör. Dass seit einiger Zeit diverse Teile im Lager fehlten, und zwar von der Kaffeekasse über Altkupfer bis zu kleineren Mengen Aluminiumschrott, berichtete der Einkaufsleiter als Zeuge. 2014 habe man festgestellt, dass größere Mengen Material fehlten. Mit der Hilfe eines IT-Mitarbeiters, der ebenfalls als Zeuge vor Gericht aussagte, sei dann im Jahr darauf eine Überwachungskamera installiert worden. Diese sendete bei Bewegungen in der Lager- und Fertigungshalle ein Signal auf das Handy des IT-Mitarbeiters. Eine Einrichtung, die letztlich dafür sorgte, dass die Polizei vier Männer dabei ertappte, wie sie etwas stehlen wollten. Die Rede war von etwa 56 000 Euro für abhanden gekommene Längsträger im Jahr 2014 und weiteren 200 000 Euro „gelisteter Differenz“ im Jahr 2015. Beträge, deren Wiederbeschaffungs- oder Restwert jedoch einer anderen Rechnung bedürfen. Fakt ist: 40 Tonnen Material wurden allein 2015 aus der Firma geschleust. Der Preis pro Tonne betrage aktuell zwischen 120 und 150 Euro.

Staatsanwaltschaft und Richterin machten hauptsächlich den damaligen Hausmeister der Firma verantwortlich: Der 40-jährige Stefan K. (Namen aller Angeklagten durch die Redaktion geändert), der ein Vorstrafenregister mit 14 Einträgen vorweist und sich in der Bewährungszeit befindet, sei über seinen Zwillingsbruder Karl T. an den Kontakt von zwei aus Bulgarien stammenden Schrotthändlern gekommen. Diesen, und ebenso dem Bruder, habe er das Tor zum Firmengelände geöffnet und deren Sprinter mit Aluminium-Paletten aus dem Werk in Süßen beladen. Viermal im Jahr 2014 und weitere vier Mal im Jahr 2015 zur Osterzeit.

Laut der Richterin, die erst das Erinnerungsvermögen der Angeklagten ankurbeln musste, versuchten die Täter auf diese Weise, dauerhaft Geld zu verdienen. Und das Material, betonte Elke Wilhelm, sei keineswegs Schrott gewesen, wie die Zwillingsbrüder von der Alb behaupteten. Glaubhaft schien der Richterin hingegen die Aussage der beiden bulgarischen Schrotthändler Johan Z. und Marian Y., dass sich der Hausmeister überzeugend als Eigentümer verhalten habe. Deswegen seien sie sich beim Abholen der Ware nicht über einen Diebstahl im Klaren gewesen. Auch habe der Hausmeister sie jedes Mal angerufen, wenn wieder Schrott abzuholen war.

Stefan K. habe nach 14 Vorstrafen und einem gerade abgeschlossenen Gerichtsverfahren vor dem Amtsgericht Ulm nichts gelernt, schlussfolgerte die Richterin. Den Vertrauensvorschuss der Firma habe er erheblich missbraucht. Die Verfahren mit Bewährungsstrafen gegen die Zwillingsbrüder hätten auf beide keinen Einfluss gezeigt, es habe sich nichts geändert und sie hätten „das Ruder nicht herumgerissen.“

Die in Bulgarien lebenden und bisher polizeilich nicht auffälligen Schrotthändler sowie die Zwillingsbrüder sind einem in Langenau ansässigen Schrottunternehmen bekannt, an das sie das Diebesgut verkauften. Der Ertrag sei zwischen Johan Z., Marian Y. und den zwei Brüdern verrechnet worden. Stefan K. erwartet nun eine Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert. Sein Zwillingsbruder muss für zwei Jahre ins Gefängnis.

Für die beiden Schrotthändler aus Bulgarien wurden Haftstrafen auf Bewährung ausgesprochen: Johan Z. für ein Jahr und zehn Monate, Marian Y. für ein Jahr und acht Monate. Zudem müssen die beiden 80 Stunden gemeinnützige Arbeit in Deutschland ableisten und müssen es mitteilen, falls sie ihren Wohnsitz wechseln. „Es soll ja nicht so sein, als wäre nichts passiert“, kommentierte Richterin Elke Wilhelm.