Weltmusik Halbsbrecherische Rhythmen aus Orient und Balkan

Geislingen / Stefanie Schmidt 10.10.2016

„Bei Dikanda kann man eigentlich nicht sitzen bleiben“, kündigt Rätsche-Chefin Brigitte Aurbach bei der Vorstellung der polnischen Band aus Stettin an.

Vorsorglich war der Geislinger Schlachthof denn auch nur halb bestuhlt: Die hintere Hälfte des Saals war zur Tanzfläche umfunktioniert und für die Zuhörer reserviert, die es bei der wilden Weltmusik des virtuosen Septetts nicht auf den Stühlen hält.  „Habt eine schöne Zeit, ob ihr sitzt, tanzt oder auf dem Boden schlaft“, rufen Dikanda  dem Publikum zur Begrüßung zu.

Für die Band ist Geislingen die letzte Station vor einer längeren Tourpause: „Wir nehmen eure Atmosphäre hier mit nach Hause.“ Die Zuhörer in Geislingen enttäuschen nicht: Mit einem Mix aus halbsbrecherisch schnellen Melodien und Rhythmen aus Orient und Balkan locken sie die Schwaben schnell aus der Reserve. Violinist Andrzej Jarzabek Fis lässt eine ätherische Melodie durch den Raum wehen, langsam bauen Percussionist Daniel Kaczmarczyk und Grzegorz Kolbrecki am Stehbass den Rhythmus auf. „Muzyka! Muzyka!“, ruft Sängerin und Akkordeonistin  Anna Witczak-Czerniawska – und es gibt kein Halten mehr.

Die Musiker  beschwören einen musikalischen Wirbelsturm herauf. Die Geige flirrt wie der Flügelschlag eines Kolibris, Gitarrist Piotr Rejdak wechselt zwischen Flamenco, Gypsy-Jazz und elektrisch verstärktem Dröhnen und die Trompete von Szymon Bobrowski setzt kristallklare Akzente. Immer im Mittelpunkt: Frontfrau Anna Witczak-Czerniawska, deren Stimme singt, schreit und schmeichelt. Immer wieder hält sie die dicken Schlägel, mit denen sie eine afrikanische Trommel bearbeitet hoch über den Kopf, gibt den Takt vor, peitscht das Publikum zu den komplexen Rhythmen. Mit Sängerin Katarzyna Bogusz liefert sie sich halsbrecherisch schnelle Sprechgesang-Duelle. Sind die prasselnden Silben polnisch oder eher „dikandisch“? Egal, Dikandas Musik braucht keine Sprache, um verstanden zu werden. Stefanie Schmidt

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