Urteil Dieb muss ins Gefängnis

Der Angeklagte wurde aus der JVA Ulm zur Verhandlung nach Geislingen gebracht.
Der Angeklagte wurde aus der JVA Ulm zur Verhandlung nach Geislingen gebracht. © Foto: Brigitte Scheiffele
Brigitte Scheiffele 12.01.2018
Freiheitsstrafe für einen 32-Jährigen: Er hatte mehrere Diebstähle begangen, darunter in der Donzdorfer Stadthalle.

Wegen Diebstahls in sieben Fällen und Widerstand gegen einen Vollstreckungsbeamten hat das Schöffengericht am Geislinger Amtsgericht einen 32-jährigen Donzdorfer zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre und acht Monate gefordert, die Verteidigung nach einem Teilgeständnis des Angeklagten für eine Haftstrafe von lediglich einem Jahr und zwei Monaten plädiert.

Der 32-jährige Bojan K. (Name von der Redaktion geändert) verbüßt bereits wegen diverser Vorstrafen seit April 2017 in der Ulmer Justizvollzugsanstalt Ulm einige Ersatzfreiheitsstrafen für nicht gezahlte Bußgelder sowie eine Erzwingungshaft wegen diverser nicht beglichener Ordnungswidrigkeiten.

Die Staatsanwaltschaft hatte Bojan K. vorgeworfen, in sechs Fällen Technikmaterial aus der Donzdorfer Stadthalle  gestohlen zu haben, darunter hochwertige Handmikrofone, ein Keyboard, ein Mischpult, Boxen, Musikgeräte und Taschensender. Einige dieser Geräte gehörten dem Südwestrundfunk (SWR). Außerdem waren ihm mehrere Diebstähle in einem Fahrradgeschäft und im Media-Markt nachgewiesen worden. Gesamtsumme des Diebesguts: rund 60 000 Euro. Die Diebstahlserie hatte sich auf den Zeitraum von Oktober 2016 bis April 2017 erstreckt.

Außerdem hatte Bojan K. bei seiner Festnahme einen Polizeibeamten verletzt und konnte so für kurze Zeit flüchten. Weshalb auch noch Widerstand gegen einen Vollstreckungsbeamten Bestandteil der Anklage wurde.

Der in Serbiens Hauptstadt Belgrad geborene Angeklagte hat aus zwei gescheiterten Beziehungen insgesamt acht Kinder. Vor vier Jahren kam er mit seiner damaligen Lebensgefährtin und den Kindern nach Deutschland. Die fünf Kinder aus seiner ersten Beziehung leben bei ihrer Mutter in Düsseldorf, die anderen bei der zweiten Lebensgefährtin in Donzdorf. Für alle ist er unterhaltspflichtig. Bojan K., der in Serbien eine Lehre zum Verkehrstechniker abgebrochen hatte, lebt von Sozialhilfe. Seit geraumer Zeit ist er mit einer Frau zusammen, mit der er wiederum ein gemeinsames Kind hat. Die Wohnung zahlt das Sozialamt.

Bojan K. ist in Deutschland lediglich geduldet, diese Duldung ist aber seit 27. September abgelaufen. Zuletzt hatte er sich überwiegend bei einer Freundin in einer Asylunterkunft aufgehalten. Diese lebte dort mit Stiefvater, Mutter und Bruder. In ihrem Zimmer hatten Polizeibeamte nach Observierungen das Diebesgut entdeckt. Nach Aussage eines Beamten hatte der Angeklagte den Diebstahl zugegeben, wobei eine Videosequenz aus der Stadthalle zum Beweis hinzugezogen wurde. Lediglich bei einem gestohlenen Gegenstand wies er die Schuld von sich.

Strittig war nun in der Verhandlung, ob es sich um die alleinige Beute des Angeklagten gehandelt hatte oder aber auch um Hehlerstücke des Stiefvaters der Freundin. Sie hatte ihn als Zeugin entsprechend beschuldigt: Bojan K. habe beim Stiefvater laut Verteidiger ein Handy gegen ein Funkmikro und einen Empfänger eingetauscht, diese seien jedoch nicht kompatibel gewesen.

Zeugin belastet Stiefvater

Darum habe er das Handy wiederhaben wollen, das aber sei bereits verkauft gewesen. Das notwendige technische Gerät könne er sich in der Donzdorfer Stadthalle beschaffen, weil dort alle Räume offen stünden, habe es geheißen – weswegen er dort die fehlenden Teile stahl. Belastendes Material fand sich zudem auf Facebook, wo der Angeklagte die Beute zum Verkauf anbot.

Der beschuldigte Stiefvater konnte nicht vorgeladen werden, weil er sich offenbar in Serbien aufhält. Dort, so ließ Bojan K. via Dolmetscherin erklären, könne man für 100 Euro einen neuen Namen beantragen. Ein Aufenthalt lasse sich so nicht herausfinden.

In vier Fällen zeigte sich der Angeklagte geständig, in fünf bestritt er in der Verhandlung den Vorwurf des Diebstahls. Zur Sprache kamen dabei auch die offenen Türen in der Stadthalle, die einer Einladung zur Selbstbedienung gleichgekommen seien, schlechte Sprachkenntnisse und fehlende Einbruchspuren. K.s Verteidiger wiesen darauf hin, dass es keine konkreten Beweise gebe. Das von ihrem Mandanten unterschriebene Geständnis bei der Polizei habe dieser möglicherweise falsch verstanden. Außerdem habe sich das Diebesgut bei der Freundin befunden, Fingerabdrücke seien nicht überprüft worden.

Staatsanwaltschaft und Richterin Elke Wilhelm betonten jedoch, dass der Angeklagte ein sehr detailliertes Geständnis abgelegt habe mit allem was er gestohlen oder nicht gestohlen habe. Das beweise, dass er sehr wohl verstanden habe, was in dem Geständnis stand.