Einige sagen mir, es sei das erste Mal, dass sie offen über ihre Ängste sprechen können“, sagt Varinia Popek von der Psychosozialen Krebsberatung. Die Beratungsangebote helfen Betroffenen oft, Ängste abzubauen. Varinia Popek und ihre Kollegen stehen ihren Klienten bei psycho-onkologischen und sozialrechtlichen Fragen zur Verfügung. Der Landkreis Göppingen finanziert die Außenstellen in Geislingen und Göppingen. Im Wechsel finden die Beratungen ein Mal pro Woche in den beiden Städten statt. „Allerdings werden nur die Grundkosten bezahlt“, erklärt Wolfgang Marasek vom Förderverein Psychosoziale Krebsberatung im Landkreis Göppingen. Was darüber hinausgehe, finanzierte sein Verein.

Krebsberatung in Geislingen hilft Patienten mit Entscheidungen

„Wir fragen die Menschen, die zu uns kommen, was sie belastet“, sagt die Psychologin. „Unser Ziel ist es, Menschen in die Lage zu versetzen, die jeweilige Situation zu bewältigen und Entscheidungen treffen zu können.“ Da könne beispielsweise für Patienten die Wahl sein, ob sie eine Chemotherapie anfangen sollen oder nicht. Außerdem helfen die Berater den genesenden Patienten bei der Wiedereingliederung in die Arbeit, die meist stufenweise empfohlen wird. Dabei gibt das Team um Varinia Popek rechtliche Tipps, wie etwa bei der Arbeit einen Behindertenbeauftragten oder den Betriebsrat anzusprechen, um Rat zu bekommen.

„Oft gehen mit der Krankheit Ängste einher, die die Patienten belasten“, erzählt Popek. „Einige haben Angst davor, dass die Krankheit wieder auftritt.“ Vielen Menschen macht eine Identitätsveränderung zu schaffen, wenn etwa bei Brustkrebs eine Brust abgenommen wird oder die Potenz durch die Behandlung eingeschränkt sei. Bei den Betroffenen führe das oft zu Scham und Unsicherheit. Nicht selten haben Betroffene auch psychische Begleiterkrankungen und brauchen in dieser Hinsicht Hilfe. Außerdem kämen oft partnerschaftliche Themen zur Sprache, da es durch den Krankenstand häufig Rollenverschiebungen in Beziehungen gibt. „Ein wichtiges Thema ist, wie man mit Kindern umgeht“, sagt Popek. Kinder seien oft nicht gut über die Krankheit informiert, weil Erwachsene sie schützen wollen. Aus diesen Gründen werden auch Paar- und Familiensprechstunden angeboten.

Treffen betroffener Familien geplant

Die Krebsberatungsstelle hat für kommendes Jahr ein Familienwochenende geplant. An diesem Wochenende sollen betroffene Familien mit ähnlichen Erfahrungen zusammenkommen: „Wir wollen mit dem Vorhaben einen Rahmen schaffen, bei dem sich Krebspatienten und ihre Angehörigen über schwierige Themen austauschen können“ sagt Popek. „Wenn Menschen in der Gruppe zusammensitzen, wird das Bedürfnis nach Austausch spürbar“, erzählt Popek. Die Gespräche seien für die Beteiligten „eher unterstützend als belastend“. Dabei wird Erfahrungswissen vermittelt, das die professionellen Berater gar nicht haben können, da sie nicht selbst von der Situation betroffen sind, ist die Psychologin überzeugt.

Um dies Krebspatienten und ihren Angehörigen zu ermöglichen, ist der Förderverein Psychosoziale Krebsberatung Projektpartner der diesjährigen GZ-Aktion.

Info Die Beratungen finden in Geislingen im Altenstädter Rathaus statt und in Göppingen im Gesundheitsamt im Wilhelm-Busch-Weg. Allerdings ist eine vorherige Terminvereinbarung mit der Psychosozialen Krebsberatung in Ulm nötig. Die ist telefonisch erreichbar unter 0731 88016-520 oder per Mail: kbs.ulm@uniklinik-ulm.de