Geislingen Grundschüler basteln nachhaltig

Delia, Tina und Nina (von rechts) basteln an ihren kleinen Projekten: Aus Einweckgläsern werden bunt beklebte Vasen und Stiftehalter, aus Wolle entsteht der zottelige Glücksbringer „Wuschel“.
Delia, Tina und Nina (von rechts) basteln an ihren kleinen Projekten: Aus Einweckgläsern werden bunt beklebte Vasen und Stiftehalter, aus Wolle entsteht der zottelige Glücksbringer „Wuschel“. © Foto: Markus Sontheimer
Geislingen / Isabelle Jahn 13.02.2018
Beim Betreuungsangebot „Ferien in der Schule“ basteln Geislinger Grundschüler mit Material, das oft weggeworfen wird.

Nur, weil Marmelade, Senf oder Essiggurken aufgegessen sind, muss die Verpackung nicht gleich in den Altglascontainer – das weiß die neunjährige Tina schon ganz genau. Sie beklebt ihr Einweckglas viel lieber mit bunten Servietten und steckt ihren selbst gemachten „Wuschel“ aus Wolle darauf. Die anderen Kinder, die ihre Faschingsferien ebenfalls in der Lindenschule verbringen, benutzen ihr aufgehübschtes Glas für Süßigkeiten, Stifte oder andere Dinge.

Die Ferienbetreuung, die die Geislinger Stadtverwaltung für berufstätige Eltern von Grundschülern anbietet, steht diesmal unter dem Motto „Neues aus der Tonne“. Die Kinder sollen spielerisch erfahren, was Nachhaltigkeit bedeutet – ganz ohne Zwang, betont Ute Nonnenmacher, die die Schüler ehrenamtlich beaufsichtigt. „Manche Kinder sind so kreativ, dass sie aus allem etwas machen können“, erzählt sie. Andere toben lieber draußen herum, hangeln sich am Klettergerüst entlang oder sammeln Zweige und Stecken. Das Motto soll ein Leitthema sein, die Ferien sollen sich aber nicht wie die Schule – mit festem Stundenplan– anfühlen, erklärt Nonnenmacher.

Auch im Turnraum zeigt sich, wie viel Spaß Ferien in der Schule machen können. Die Mädchen und Jungen sausen und hüpfen von einer Zimmerecke zur anderen, verstecken sich in dem großen Piratenschiff aus Holz und schmieden Pläne. Luis und Felix haben sich oben auf dem Klettergerüst ein „Lägerle“ aus Kissen gebaut und bewachen es wie ihren Augapfel. Am meisten fürchten sie die kleine Piratin – die siebenjährige Nina hat ihr Faschingskostüm angezogen und ihr Spiel-Schwert bereits erhoben.

Der zehnjährige Felix geht zwar schon aufs Michelberg-Gymnasium, begleitet aber seinen sieben Jahre alten Bruder Luis zur Ferienbetreuung. Bei „Ferien in der Schule“ sind auch Geschwister von Grundschülern willkommen – damit sie nicht alleine zu Hause bleiben müssen, erklärt Ute Nonnenmacher.

Jüngere lernen von Älteren

Dass Kinder unterschiedlichen Alters sowie Neuzugänge und „Alteingesessene“ aufeinandertreffen, findet Michael Scheu praktisch: Die Teilnehmer lernen voneinander, erklärt der Schulsozialarbeiter, der auch zum Beaufsichtigungs-Team gehört. Für die Eltern sei das Betreuungsangebot eine Entlastung: „Es gibt so viele Schulferien, da kann man nicht immer frei nehmen“, erklärt der 48-Jährige. Manche der 16 angemeldeten Kinder kämen nur an einzelnen Tagen, andere über die ganzen Faschingsferien.

Morgens essen alle gemeinsam ihr selbst mitgebrachtes Frühstück; Mittagessen wird nur angeboten, wenn es mindestens zehn Anmeldungen für die Ganztagsbetreuung gibt, erklärt Ute Nonnenmacher. Diesmal war das nicht der Fall, deshalb bleiben die Kinder von 7.30 Uhr bis 13 Uhr da.

Während im Bastelraum die bunt beklebten Gläser zum Trocknen aufgestellt sind, wollen einige Mädchen genauso bunt werden. Zusammen mit Nelly Czotscher, die im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres als Betreuerin mit hilft, sitzen die Grundschülerinnen rings um einen Tisch mit Malfarben, Pinseln und kleinen Spiegeln. Ihre Haare haben die Mädchen schon mit allerlei Farben besprüht, jetzt ist das Gesicht an der Reihe. Emily sitzt vor dem Spiegel und pinselt mit schwarzer Farbe einen großen Kreis um ihr rechtes Auge. Dann malt sie rote Striche auf die Wangen. „Ich bin ein Zombie“, sagt sie, und die anderen Mädels bewundern ihre Malkünste. So will sie anschließend auch auf den Kinderfasching gehen, kündigt die Siebenjährige an.

In den nächsten Tagen wollen die Kinder mit Eierkartons, Korken und Tetrapacks basteln. Auch daraus lassen sich viele praktische Sachen machen – viel zu schade für den Müll.