Rentiere galoppieren über die Schneelandschaft, aus der Lokomotive des Weihnachtszügleins dampft es und von Weitem leuchtet der Weihnachtsstern – so oder ähnlich romantisch sollte die Projektion auf dem Alten Rathaus aussehen. Animierte Bilder mit Weihnachtsmotiven, die zur Adventszeit passen. Wie konventionell! Es geht viel moderner, wie sich gestern Abend in der Fußgängerzone zeigte: An der frisch sanierten Rathaus-
Fassade prangte das Windows-
Symbol und daneben Zahlen und andere computer-spezifische Merkmale. Dass die Stadt Geislingen mit der Beleuchtung des 1422 errichteten Gebäudes etwas Neues wagen will, war hinlänglich bekannt. Der Gemeinderat hat aus drei Varianten eine ausgewählt, Rentiere, Zügchen und so weiter – eigentlich. Dann wurden aber kurzerhand avantgardistische Wege eingeschlagen. Vor allem Digital Natives dürften die beliebten Windows-Farben & Co. das Funkeln in die Augen treiben. Hätte die Beleuchtung doch nur schon am Wochenende zum Weihnachtsmarkt funktioniert! Mit der fulminanten Vorführung wollte man aber zurecht auf ausgewähltes Publikum warten. Es geht ja schließlich um den ersten Teil des neuen Beleuchtungskonzepts für die Fußgängerzone, dessen weitere Schritte in Planung sind. Man darf also gespannt sein, was 2019 mit sich bringt: Ein abgebissener Apfel auf der Fassade des Alten Zolls? Oder der bunte Google-Schriftzug auf dem Sonne-Center? Die Werbung für solch namhafte Unternehmen spült dann sogar noch Geld in die Stadtkasse – das kann die Stadtverwaltung für ein anderes Sanierungsprojekt, fernab der Fußgängerzone, gut gebrauchen. Der „Geislinger Verschönerungsverein“, der das Alte Rathaus im 19. Jahrhundert im Renaissance-Stil gestaltete, wäre mit Sicherheit stolz auf die Leistung seiner heutigen Nachfolger.