Geislingen Gleichstellung: „Es gibt noch viel zu tun“

Wie arbeitet es sich als Frau in der von Männern dominierten Autobranche? Evgenija Hartmann (ganz rechts) vom Autohaus Schmid erzählt Staatssekretärin Katrin Schütz (ganz links) von ihrem Werdegang.
Wie arbeitet es sich als Frau in der von Männern dominierten Autobranche? Evgenija Hartmann (ganz rechts) vom Autohaus Schmid erzählt Staatssekretärin Katrin Schütz (ganz links) von ihrem Werdegang. © Foto: Stefanie Schmidt
Geislingen / Von Stefanie Schmidt 08.06.2018
Die Frauen-Union der CDU lud zum „Women Business Dinner“. 15 Teilnehmerinnen und Staatssekretärin Katrin Schütz kamen.

Ziel des „Women Business Dinner“ sei es, sich über Wirtschaftspolitik sowie aktuelle Themen in den unterschiedlichen Branchen auszutauschen und vor allem: Netzwerke zu bilden und zu stärken, sagte Christine Fuchs von der Frauen-Union des CDU-Kreisverbandes. Gerade im Networking hätten Frauen oft noch Nachholbedarf, meinte Staatssekretärin Katrin Schütz vom Wirtschaftsministerium des Landes. „Es ist wichtig sich gegenseitig zu unterstützen und im Austausch zu bleiben“, betonte sie.

Bevor das gemeinsame Abendessen im Hotel Krone anstand, gab es für die Teilnehmerinnen einen kurzen Einblick hinter die Kulissen des Autohaus Schmid. Manuel Auwärter berichtete vom Wandel, den die Branche in den vergangenen Jahren durchlaufen hat. Den klassischen Automechaniker etwa gebe es kaum noch, hauptsächlich „Vollblut-Elektriker“ werkeln heute an den modernen Fahrzeugen.

Evgenija Hartmann, die seit 2006 im Autohaus arbeitet, sprang kurzfristig für eine erkrankte Kollegin ein und erzählte aus ihrem Werdegang in der nach wie vor von Männern dominierten Autobranche. Während ihrer Realschulzeit machte sie ein einwöchiges Praktikum in einem Autohaus. „Da haben drei Telefone geklingelt und gleichzeitig schauten Kunden vorbei. Da wusste ich: Hier bin ich richtig“, erzählte die Kauffrau für Bürokommunikation. Dass sie hauptsächlich mit männlichen Kollegen zusammenarbeitet, ist für die 31-Jährige kein Problem. „Der Ton ist manchmal vielleicht etwas unhöflicher, dafür weiß man, woran man ist.“

Unter den Automechatroniker-Azubi seien junge Frauen noch selten, sagte Manuel Auwärter. Aber er habe in diesem Bereich durchaus schon positive Erfahrungen gemacht. „Das einzige Problem war die Vorschrift für getrennte Sanitärräume.“

Während des gemeinsamen „Dinners“ in der „Krone“ sprach Katrin Schütz in einem „Impulsreferat“ über die Situation von Frauen in Wirtschaft und Politik. Trotz gesetzlicher Gleichstellung, einem modernen Rollenverständnis und der Tatsache, dass die heutige Frauen-Generation besser ausgebildet sei als je zuvor,  seien in Führungspositionen nach wie vor weit weniger Frauen als Männer vertreten. „Ab einer bestimmten Ebene nehmen viele Frauen immer noch eine gläserne Decke wahr.“

Frauen verdienen weniger

Dabei gebe es auch in Führungspositionen Modelle wie etwa die geteilte Führung, mit denen sich Beruf und Familie vereinbaren ließen. Das Argument, dass es zum Beispiel für Posten in Aufsichtsräten keine geeigneten Frauen gäbe, lässt Schütz nicht gelten. Um Unternehmen auf Kandidatinnen für Führungspositionen aufmerksam zu machen, habe das Wirtschaftsministerium des Landes unter anderem im Internet das Projekt „Spitzenfrauen“ gestartet. Auf der Webseite ist zum Beispiel eine Datenbank mit „außergewöhnlichen Frauen“ in der Wirtschaft zu finden.

Wenn man den Gleichstellungsbericht 2017 betrachte, gebe es in der Wirtschaft generell „noch viel zu tun“. So würden Frauen nach wie vor täglich 87 Minuten mehr unbezahlte sogenannte Sorgearbeit leisten – gemeint ist damit unter anderem Arbeit im Haushalt, Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen. Außerdem falle der Stundenlohn von Frauen nach wie vor geringer aus als der von Männern. Was allerdings auch an der Berufswahl und der Unterbrechung des Berufslebens durch die Familiengründung liege.

Das Wirtschaftsministerium unterstütze die Gleichstellung mit „vielen Maßnahmen“ wie Mentoring-Programmen, der Initiative „Frauen in MINT-Berufen“ oder dem Projekt „Start-Up BW Women“ für Unternehmensgründerinnen.

Zum Schluss kam Katrin Schütz noch auf die im nächsten Jahr anstehenden Kommunalwahlen zu sprechen. Auf den Listen der CDU seien Frauen nach wie vor zu wenig repräsentiert, meint die Staatssekretärin. Wichtig sei es, rechtzeitig auf potenzielle Kandidatinnen zuzugehen und ihnen genügend Zeit für und Unterstützung bei der Vorbereitung zu geben. Denn eine Frage sei eben typisch weiblich: „Kann ich das überhaupt?“.

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