Geislingen an der Steige Gesund einkaufen mit einer Ernährungsberaterin

Ernährungsberaterin Ulla Bachfischer (rechts) greift bei frisch geernteten Karotten auf dem Wochenmarkt in der Geislinger Fußgängerzone zu. Waltraud Schätzle bietet Obst und Gemüse aus eigenem Anbau in Wißgoldingen an.
Ernährungsberaterin Ulla Bachfischer (rechts) greift bei frisch geernteten Karotten auf dem Wochenmarkt in der Geislinger Fußgängerzone zu. Waltraud Schätzle bietet Obst und Gemüse aus eigenem Anbau in Wißgoldingen an. © Foto: Markus Sontheimer
Geislingen an der Steige / KATHARINA GOTTSCHALK 20.04.2016
Am Mittwoch belebt der Wochenmarkt die Geislinger Fuzo. Regionale Händler bieten Obst, Gemüse, Fleisch und Gebäck an. Ernährungsberaterin Ulla Bachfischer zeigt, wie man gesund und nachhaltig einkauft.

. Wer gesund essen möchte, muss schon beim Einkaufen damit anfangen. Ist es da eine gute Gelegenheit, Einkäufe auf dem Wochenmarkt zu erledigen? Ulla Bachfischer, promovierte Ernährungswissenschaftlerin aus Geislingen, kann das nur bejahen. "Auf jeden Fall. Man sollte als Verbraucher immer so nah wie möglich einkaufen." Das heißt: Am besten direkt beim Bauern im nächsten Dorf.

Für Landwirte, die keinen eigenen Hofverkauf haben, ist der Wochenmarkt eine Möglichkeit, ihre selbst angebauten Produkte zu verkaufen. Bei der Bezeichnung "regional" rät Bachfischer, sich genauer zu informieren. "Da muss man sehr gut aufpassen. Das Wort regional ist nicht auf einen Kilometer-Umkreis begrenzt. Das bedeutet, dass eine Gurke aus regionalem Anbau auch aus Hamburg kommen kann." In einem Einkauf auf dem Markt sieht Bachfischer einen großen Vorteil:

"Man kann den Verkäufer direkt fragen, wo er seine Ware bezieht, ob er sie selbst anbaut oder wie alt die Ware schon ist." In Supermärkten habe man hingegen keine Möglichkeit herauszufinden, wie alt ein Produkt ist und wie es angebaut wurde.

Wo kann denn der Markteinkäufer aktuell zugreifen, welches Gemüse ist saisonal und gesund? Ulla Bachfischer zählt einige auf: "Frisches Frühjahrs- und Wintergemüse gibt es zu jeder Saison. Ab April kommt junger Spinat auf den Markt. Er enthält hochwertiges Eiweiß, ist reich an Beta-Carotin, Folsäure und den Vitaminen C und E." Kurz darauf folgen Mangold, welcher die Leber bei der Fettverdauung entlastet, Frühkartoffeln, die viel Vitamin C enthalten, Karotten mit Beta-Carotin und verschiedene Blattsalate. Chicoree zum Beispiel regt die Verdauung und den Stoffwechsel an und ist reich an B-Vitaminen und Vitamin C. Die Anbieter auf dem Wochenmarkt haben außerdem meist sehr kurze Transportwege, was wiederum die Umwelt und die Ware schont. Auch das ist gesund.

Johannes und Birgit Schmid haben einen Hof in Kuchen. Dieser ist seit 1750 in Familienhand und die nächste Generation steht schon in den Startlöchern. Eier, Nudeln, Honig, Obst und Kartoffeln bauen die Schmids selbst an, brennen eigenen Schnaps und verkaufen die Waren mittwochs und samstags auf den Wochenmärkten in der Geislinger Fußgängerzone und in Altenstadt. "Ich bin stark dafür, dass Verbraucher saisonal einkaufen. Das mache ich selbst nicht anders. Klar lachen mich die Erdbeeren am Stand drüben schon an, aber die werden erst gekauft, wenn die Erdbeersaison anfängt", erzählt Birgit Schmid.

Ihre Äpfel sind alle von der Ernte im vergangenen Herbst. "Im August sind die ersten Äpfel reif, aber die halten nicht lange. Die richtige Ernte ist im September und Oktober", erklärt Schmid. "Die Verbraucher wollen auch im Frühjahr frische Äpfel haben. Also bekommen sie die." Eine frisch geerntete, gesunde Gemüse-Vitaminbombe ist laut Ernährungsexpertin Bachfischer Weißkohl: Er enthält Kalium fürs Herz, Kalzium für die Knochen, Eisen fürs Blut, viele B-Vitamine, Folsäure und reichlich Vitamin C.

Der Markt in der Fuzo ist zwar nicht groß, aber dafür die Auswahl. Es gibt eine Landmetzgerei, einen Anbieter mit Bratwürsten, Fisch, Backwaren, Blumen, mehrere Gemüse- und Obststände, Käse, Oliven und türkische Spezialitäten. Es sind meist kleine Betriebe, die auf dem Markt ihre Waren anbieten. Das findet Ulla Bachfischer gut: "Wenn man die kleinen Leute unterstützt, ist das eine gute Sache. So beschert man nicht immer nur den großen Konzernen Umsatz."

Die Ernährungsberaterin sieht noch einen Vorteil, wenn man auf dem hiesigen Markt einkauft: Es verdient nur der Erzeuger oder Bauer an der Ware, Lieferant und Supermarkt sind außen vor. So verdient der Bauer am Ende mehr daran, was dann auch die Region stärkt.

Beim Thema Bio ist Ulla Bachfischer etwas zwiegespalten: "Kleine Betriebe können sich Bio oft nicht leisten, weil die Auflagen zu hoch sind. Trotzdem ist es möglich, dass die Tiere artgerecht gehalten werden und nicht unnötig gedüngt wird." Die Ernährungsberaterin empfiehlt nachzufragen, wo die Ware herkommt, wie sie erzeugt wird oder wie die Tiere gehalten werden. "Bio muss nicht sein. Aber bewusst einkaufen", meint Bachfischer. In verarbeiteten Lebensmitteln mit dem europäischen Bio-Siegel dürfen noch bis zu 47 Zusatzstoffe enthalten sein. Anders sieht es bei Demeter aus: Hier dürfen nur maximal 13 Zusatzstoffe zugesetzt werden. Die Ernährungsexpertin gibt noch einen Tipp: "Schauen Sie lieber bei Fleisch und Käse nach der Herkunft. Denn Zusatzstoffe, die das Tier über das Futter aufgenommen hat, essen wir mit - sie landen am Ende in unserem Stoffwechsel."

Zwei Märkte in der Woche

Zweimal in der Woche bieten Händler in Geislingen Obst, Fleisch, Käse und andere Leckereien auf dem Wochenmarkt an. Mittwochs stehen die Stände von 7 bis 13 Uhr in der Fußgängerzone, samstags zur selben Uhrzeit in Altenstadt. Auch in den Landgemeinden gibt es Märkte, in Bad Ditzenbach auf dem Parkplatz der Vinzenz-Therme jeden Mittwoch von 14 bis 18 Uhr, in Böhmenkirch freitags von 7 bis 12 Uhr und in Hausen donnerstags von 8 bis 12 Uhr.

SWP

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