Traditionsbetriebe Generation Vier wirbelt

Vor dem Ofen in der Bäckerei Bopp in Türkheim: Während Thorsten (links) und Markus (Mitte) die vierte Generation bilden, ist Vater Jörg Bopp (rechts) der Vertreter der dritten Generation.
Vor dem Ofen in der Bäckerei Bopp in Türkheim: Während Thorsten (links) und Markus (Mitte) die vierte Generation bilden, ist Vater Jörg Bopp (rechts) der Vertreter der dritten Generation. © Foto: Bäckerei Bopp
Geislingen / SWP 14.08.2018
Seit 1906 gibt es die Bäckerei Bopp. Die vierte Generation bringt sich bereits ins Familienunternehmen ein und sprudelt vor Innovationsfreude.

Thorsten Bopp ist 28. Gelernt hat er sowohl Konditor als auch Bäcker, in beiden Handwerken ist der junge Mann Meister seines Fachs und hat berufliche Erfahrung auswärts gesammelt. Seit vier Jahren bringt Thorsten Bopp sein Wissen, aber vor allem seine Begeisterung für den Bäckerberuf im elterlichen Betrieb in Türkheim mit ein.

Hat er dort bis vor Kurzem vorwiegend die Backstube gemanagt – und damit seinem Vater Jörg Bopp entsprechende Freiräume für Marketingaufgaben verschafft – ist an dieser Stelle inzwischen Markus Bopp vorwiegend verantwortlich. Markus ist mit 23 Jahren der dritte in der Reihe der vier Bopp-Sprösslinge von Jörg Bopp. Er ist ebenfalls Bäckermeister und seit einem Jahr mit im elterlichen Betrieb.

Thorsten beschäftigt sich jetzt intensiver mit der Personalverwaltung und der Filialbetreuung, womit er seine Mutter Susanne Bopp sehr entlastet. Darüber hinaus bringt er neue Ideen ein oder setzt Vorschläge seines Vaters um. „Irgendwie bin ich grad Mädchen für alles – und das macht riesig Spaß“, sagt er grinsend.

Thorsten und Markus gehören zur vierten Generation des Geislinger Traditionsbetriebs Bopp. Gegründet wurde die Bäckerei von ihrem Ur-Opa Karl Bopp, der in der Uhlandstraße in Geislingen im Jahr 1906 ein Geschäftshaus mit Backstube und Laden eröffnete. Den übernahm sein Sohn Erich mit seiner Frau Martha nach dem Zweiten Weltkrieg, also 40 Jahre später.

Weil Jörg Bopp der Nachzügler in der Kinderschar dieser beiden Bopps war, dauerte es bis 1986, dass er mit seiner Frau Susanne das Geschäft übernahm. Davor war es einige Jahre verpachtet gewesen. „Wir investierten als Erstes in einen Holzbackofen – die Leute waren begeistert“, erinnert sich Susanne Bopp an die eigenen Anfänge.

Schon früh habe ihr Mann jedoch erkannt, dass „Bopp“ als kleine Bäckerei keine Zukunft haben würde. Die Familie entschied sich, nach Türkheim zu ziehen und dort die Chance zu nutzen, zum einen eine große Produktionshalle zu bauen, zum anderen, dort gleich nebenan zu wohnen.

Es war – laut heutiger Einschätzung der Familie – die richtige Entscheidung. „Uns ist und war Qualität schon immer das wichtigste Kriterium“, erklärt Thorsten Bopp und macht deutlich, dass es für ein mittelständisches Unternehmen – zum Betrieb gehören inzwischen 85 Mitarbeiter inklusive Aushilfen – einfacher sei, Teige frisch und ohne Fertigzusätze herzustellen, „weil es sich in großen Mengen einfach lohnt, eigenen Sauerteig anzusetzen oder Kornmischungen herzustellen. Wir verarbeiten immerhin 400 Tonnen Mehl im Jahr, also mehr als eine Tonne am Tag“.

Zu dieser Qualitäts-Philosophie gehöre vor allem die Nachhaltigkeit. „Wir lassen jetzt spezielles ‚BoppKorn‘ produzieren.“ Dahinter stecke die Zusammenarbeit mit zwölf Landwirten aus der Türkheimer Umgebung, die nach genauen Vorgaben das Getreide nur für die Bäckerei Bopp anbauen. „Dass wir genau dieses Korn erhalten, dafür sorgt zum einen der Müller Christian Straub, zum anderen lassen wir das im Labor kontrollieren“, erzählt Thorsten Bopp. Das Ergebnis sei, dass es „garantiert keine Teiglinge aus Polen oder sonst woher gibt. Wir produzieren zu 100 Prozent alle Teige selber“.

Nachhaltig sei auch das durchdachte Management mit den neun Filialen. „Wir liefern die Waren dorthin auf Kerntemperatur gebacken, dann gekühlt oder tiefgefroren. Die Filialen backen in kleinen Mengen auf, was sie tatsächlich benötigen. Das Unterbruch-Backen erhöht die Qualität und das Ausbacken vor Ort nach Bedarf reduziert die Retouren erheblich.“

Thorsten Bopp übernimmt auch die Verantwortung für die Mitarbeiterzufriedenheit. Er versucht, mindestens einmal pro Woche in jeder Filiale aufzutauchen und ansprechbar zu sein. „Wir haben auch einiges in der Produktion umstrukturiert“, informiert er nicht ohne Stolz. Dadurch, dass den Teigen jetzt viele Stunden Zeit für die Reifung ohne Zusatzmittel gegeben würde, würden diese tagsüber hergestellt und in ausgeklügelten Gärräumen genau dann fertig, um nachts nur noch ausgebacken werden zu müssen. „Das heißt, von den 25 Mitarbeitern in der Produktion arbeiten nur noch vier Leute nachts – inklusive Kommissionierer und Snack-Belegung. Alle anderen haben Tagschichten. Was arbeiten ohne Zeitdruck bedeutet. Und mehr Lebensqualität.“

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