Biologischen Soja in Deutschland unter optimalen Bedingungen anbauen – darum geht es bei der Initiative „1000 Gärten – Das Soja-Experiment“, an dem sich auch der Gemeinschaftsgarten in Geislingen beteiligt. „Soja ist ein Wachstumsmarkt in Deutschland“, erzählt Eckhardt Klein, der gemeinsam mit seiner Frau Elke Bühler und anderen Naturliebhabern den Gemeinschaftsgarten betreut. Die Initiative ist ein Gemeinschaftsprojekt der Taifun-Tofu GmbH, die Soja-Produkte in Biomärkten verkauft, mit der Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim. Nach dem ersten Versuch im Jahr 2016 wird die zweite Auflage auch vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt.

Zwölf Sorten Soja wuchsen bis vor Kurzem noch in sechs Hochbeeten entlang des Radweges am Tälesbahnhof; Mitte September waren die Bohnen reif für die Ernte. Erst auf den zweiten Blick sind die Unterschiede zwischen den Pflanzen zu erkennen – auch die Vielfalt der Bohnen wird erst sichtbar, wenn sie aus ihrer weichen, pelzigen Hülle entfernt wurden. Mal sind die kleinen Perlen grün, mal sind sie rötlich-braun oder fast schwarz; in jedem Fall sind sie aber noch nicht essbar, wie eine vorsichtige Bissprobe zeigt: viel zu hart. „Bevor die Sojabohnen verarbeitet werden, müssen sie über Nacht in Wasser eingeweicht werden“, erklärt Elke Bühler.

Im April säten die 57-Jährige und ihre fünf Kollegen in den Hochbeeten des Gemeinschaftsgartens das Saatgut aus. „Dazu muss die Bodentemperatur stabil zehn Grad haben – andernorts ist das schon Ende März der Fall, bei uns war es dieses Jahr erst später.“ Nun war es an der Zeit, die Bohnen zu ernten und wichtige Daten zu erfassen, die die Uni Hohenheim auswertet.

Das Projekt soll dabei helfen, die optimale Anbauregion für einzelne Sojasorten zu finden, und biologisch angebauten Soja in Deutschland heimisch zu machen. Größter Sojalieferant für die Herstellung von Tierfutter* ist Südamerika – dort werden riesige Flächen Urwald gerodet und dadurch Eingeborenen der Lebensraum weggenommen, erklärt Bühler.

Eckhardt Klein und einige Mitstreiter haben die Höhe der Pflanzen gemessen und die Daten aufgeschrieben. Auch, wie viele Stängel pro Sorte wachsen, wie gelb die Blätter sind, ob die Pflanzen sich neigen oder gerade in die Höhe wachsen, wurde notiert. „Wenn man einen Stängel leicht schüttelt und die Bohnen in den Schoten klappern, sind sie reif“, erklärt Bühler. So erkennt man, ob man den Soja ernten kann.

Daten werden ausgewertet

Trotz der Trockenheit im Sommer und der begrenzten Wassermenge im Gemeinschaftsgarten sind die Sojapflanzen gediehen. Nachdem die handvoll Bohnen händisch aus ihren Hüllen befreit wurden, werden sie getrocknet und machen sich dann auf den Weg nach Hohenheim. „An der Universität wird geprüft, wie viel Protein die einzelnen Sorten enthalten, und ob die Nährwerte stabil sind“, erklärt Bühler. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, wie gut sich die Sorten für die Tofu-Herstellung eignen. „Ich denke, wir können nächstes Frühjahr mit einer Antwort rechnen.“

Wenn in Hohenheim alle Daten ausgewertet wurden, können deutsche Landwirte sich informieren, welche Sorte Soja für ihre Felder am besten geeignet ist. „Das Saatgut soll später auch patentfrei und frei verfügbar sein, sodass Landwirte sich nicht an Großkonzerne binden müssen“, erklärt die 57-Jährige.

  Die Hochbeete, in denen der Soja stand, können gut weiterverwendet werden: „Soja ist eine Schmetterlingsblüte und sammelt Stickstoff im Boden. Nächstes Jahr können wir dort Pflanzen einsetzen, die den Stickstoff brauchen, zum Beispiel Tomaten“, erklärt Bühler mit Freude. Mit Blick aufs kommende Jahr hofft sie, dass sich neue Helfer für den Gemeinschaftsgarten finden, denn die werden dringend gebraucht. Positiv sei, dass die Ernte insgesamt nicht schlecht war, sagt sie: „Weniger Pflanzen als im vergangenen Jahr wurden von Spaziergängern kaputt gemacht, und es gab recht hohe Kürbis-, Zucchini-, Himbeeren- und Rote Beete-Erträge.“

*In einer älteren Version hatten wir berichtet, dass die Sojabohnen aus Südamerika hauptsächlich für die Herstellung von Tofu verwendet werden. Das ist nicht korrekt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.