In Sachen Breitband passiere in den Stadtbezirken nichts, habe er auf Facebook gelesen, sagte Geislingens Oberbürgermeister Frank Dehmer in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch. Das sei aber nicht der Fall: Man schaffe eine passive Infrastruktur.

Die genauen Pläne hierfür und damit für die künftige Breitbandversorgung in Aufhausen und Waldhausen stellte dann Ulrich Weingart, der Leiter des städtischen Tiefbauamts, den Räten vor. Beide Stadtbezirke sollen mit einem Glasfaserkabel an das Backbone-Netz der Netcom Baden-Württemberg, also die schnellen Hauptleitungen, angeschlossen werden. Das Tochterunternehmen der ENBW mit Sitz in Ellwangen stelle – anders als etwa die Telekom – Netzbetreibern einen diskriminierungsfreien Zugang, also einen Zugang für alle Anbieter, zur Verfügung, erklärte Weingart. „Wir gehen von einem Wettbewerb aus.“ Vier Anbieter könnten das Vierfach-Leerrohr verwenden.

Mit hoher Übertragungsrate werden die Signale vom Hochgeschwindigkeitsnetz Multifunktionsgehäuse eingespeist, die vom Netzbetreiber technisch ausgestattet werden. Von dort gelangen die Signale über bestehende Kupferleitungen zu den Gebäuden. In Aufhausen, wo man derzeit noch mit weniger als 1 MBit/s im Internet surfe, werde das Signal auf 50 MBit/s verstärkt, sagte Weingart. In dem Stadtbezirk werden zwei Kabelverzweiger zu Multifunktionsgehäusen umgerüstet: an der Einmündung zum Aufhausener Weg und in der Theodor-Heuss-Straße. Als im Herbst 2016 die Gehwege entlang der Ortsdurchfahrt in Aufhausen saniert wurden, wurde bereits die Breitbandinfrastruktur verlegt und die Mikro-Rohre in die Grundstücke entlang der Ortsdurchfahrt mit verlegt. Von den Multifunktionsgehäusen in der Ortsmitte führen Mikro-Rohre bis in die Böhmerwaldstraße. Vom Ausbauende der Ditzenbacher Straße werden im Rahmen der Tiefbauarbeiten nun noch Leerrohre bis zum Anschlusspunkt der Netcom BW-Trasse beim Flugplatz Berneck verlegt.

In Waldhausen müssen die Leerrohrverbände erst noch verlegt werden. Von einem Multifunktionsgehäuse in der Dorfmitte wird es zwei Kabelzweige bis zur Einmündung Baugebiet Rosshülbe und zum Ortseingang, Baugebiet Bahnhöfle geben. Zusätzlich verlegte Mikro-Rohre sollen es möglich machen, dort eines Tages auch Glasfaserkabel für eine noch schnellere Datenverbindung einzublasen, ohne erneut Gehwege aufgraben zu müssen, erklärte der Tiefbauamtsleiter.

Sperrvermerk für zwei Projekte

Nachdem im Juni oder Juli die Tiefbauarbeiten und die technische Ausrüstung für die Breitbandversorgung vergeben werden sollen, rechnet Weingart mit einem Baubeginn im August. So könne die passive Infrastruktur in beiden Stadtbezirken bis Dezember hergestellt werden.

Die Verbesserung der Breitbandinfrastruktur in Aufhausen und Waldhausen fördert die Landesregierung mit rund 310 000 Euro, weitere Mittel sind im Haushalt der Stadt Geislingen bereitgestellt. Um die geschätzten Gesamtkosten des Breitbandausbaus in Höhe von rund 850 000 Euro gänzlich abzudecken, müssen jedoch zwei andere Projekte zurückstecken: Die 125 000 Euro, die für eine Deckensanierung der Parkstraße vorgesehen waren, werden nun gebraucht.

Auch der letzte Bauabschnitt des Tälesbahn-Radwegs, für den die Stadt 140 000 Euro eingeplant hatte, wird zurückgestellt, um die Breitbandversorgung in den Stadtbezirken finanzieren zu können. Wegen Interventionen der Deutschen Bahn hinsichtlich der Trasse würde sich der Ausbau ohnehin verzögern, betonte Frank Dehmer. Der Ausbau werde später fortgeführt – „aber  dieses Jahr nicht, zumindest nicht mit der vollen Summe“.

An dem Ausbau des Radwegs dranzubleiben, darum bat Bernhard Lehle von der GAL-Fraktion. Auch wenn er diesen Ruhezustand bedauere, sei es dennoch wichtig, die Infrastruktur für die schnelle Internetverbindung zu schaffen. Die anderen Stadträte schlossen sich der Meinung an und stimmten alle der Ausschreibung für die Tiefbauarbeiten zu.

Ludwig Kraus, Stadtrat und Ortsvorsteher von Aufhausen, freut sich über den Fortschritt in Sachen Breitbandausbau: „Seit 2010 kämpfe ich dafür“, sagte er im Gespräch mit der GZ. „Für Aufhausen ist das ein Quantensprung.“ Derzeit brauche man Stunden, um etwa ein paar Dokumente herunterzuladen, und erst recht um kurze Videos auf Youtube anzuschauen. Kraus hofft, dass sich parallel zu den Tiefbauarbeiten Internetbetreiber für die Stadtbezirke finden, damit das ewige Warten bald ein Ende hat.