Geislingen an der Steige / Isabelle Jahn Immer häufiger beschlagnahmt die Polizei gefährliche Hunde. Der Geislinger Tierschutzverein will die Halter von Kampfhunden unterstützen, um dies zu verhindern.

Ein Kind gebissen und einen Austräger angefallen – die Vorfälle, in denen Hunde gefährlich werden, häufen sich in Geislingen. Und auch über die Fünftälerstadt hinaus, wie erst diese Woche in Stetten am kalten Markt, wo eine 72-Jährige an den Hundebissen starb.

„Wir können nicht jeden Hund, der beißt, beschlagnahmen“, sagt Philipp Theiner, der Leiter des Geislinger Ordnungsamts. Nach solchen Vorfällen werden Gespräche mit dem Halter geführt, der sein Tier dann nur noch an der Leine und mit Maulkorb führen darf, erklärt Theiner. Dasselbe gilt für sogenannte Listenhunde, die wegen ihrer Rasse als gefährlich gelten, wenn diese den verpflichtenden Wesenstest nicht bestehen oder diesen unentschuldigt versäumen. Auch eine Strafzahlung wird für den Halter fällig, wenn dessen Hund jemanden verletzt hat. „Man muss seinen Hund so halten, dass keine Gefahr für Leib und Leben anderer besteht“, betont Theiner.

Wenn das Tier nochmal gefährlich wird, kann dieses beschlagnahmt werden. Je nach Verhalten des Tiers muss die Polizei mit Fangschlingen und Schutzhandschuhen vorgehen, erklärt Theiner. Der Hund wird auf Kosten des Halters im Heim untergebracht. Erklärt das Gericht die Einziehung für rechtskräftig, gehört der Hund der Gemeinde und das Tierheim kann ihn weiter vermitteln.

Das sei jedoch vor allem bei Listenhunden so gut wie unmöglich, sagt Hans-Georg Hoffmann, der Vorsitzende des Geislinger Tierschutzvereins, der fürs Tierheim in Türkheim zuständig ist. Dort ist derzeit ein Listenhund untergebracht. „Es besteht kein Bedarf, diese Hunde aufzunehmen“, sagt Hoffmann. Grund dafür seien zum einen die Auflagen der Stadt wie zum Beispiel eingezäunte Gelände für das Tier sowie die hohen Kosten: 900 Euro Steuer im Jahr zahlen Besitzer der als gefährlich geltenden Hunderassen, ein normaler Hund kostet nur 120 Euro. Die Folge: „Bei uns würde das Tier bis zum Lebensende bleiben“, sagt Hoffmann.

Listenhunde belasten Tierheime

Das bedeutet für den ohnehin finanziell gebeutelten Tierschutzverein zusätzlichen Aufwand: Um die Listenhunde dürfen sich nur die angestellten Mitarbeiter und keine Ehrenamtlichen kümmern, erklärt der Vereinsvorsitzende. „Das belastet uns organisatorisch und von den Kosten her enorm.“ Das Tierheim ist verpflichtet, auch diese Hunde aufzunehmen. Die, die nicht vermittelt werden können, versucht der Verein langfristig an Einrichtungen in anderen Landkreisen abzugeben, die sich auf die besonderen Rassen spezialisiert haben.

Zwar gehe man mit Listenhunden vorsichtiger um, sagt Hoffmann. Beim Tier selbst liege aber nicht das Problem: „Der Fehler liegt beim Halter.“ Einer der Hunde habe abgeschottet in der Wohnung leben müssen, wodurch ihm äußere Reize gefehlt hätten. Einem anderen habe die Bindung zu seinem Halter gefehlt.

Sind die Hunde im Tierheim angekommen, erlebt Hoffmann sie nicht als aggressiv: „Ich konnte bei jedem der Listenhunde in den Zwinger gehen, ihn streicheln und kraulen.“ Künftig will der Tierschutzverein Halter von Listenhunden frühzeitig unterstützen: Geplant sind Info-Veranstaltungen zur Tierhaltung im Herbst und – je nach Interesse – auch praktische Kurse, in denen die Halter ihre Tiere zusammen mit Hundetrainern auf den Wesenstest vorbereiten können. „Wir wollen die Hundebesitzer unterstützen, aber das meiste müssen sie selbst tun“, sagt Hoffmann.