Show Geislinger Studenten zeigen Kunst vor Publikum

Geislingen / Isabelle Jahn 21.12.2017

Die Glöckchen an den Fußgelenken der Tänzerinnen klingeln im Takt. Dazu stampfen die drei jungen Frauen aus Sri Lanka auf den Boden. Sie tragen weder Schuhe noch Socken, ansonsten aber sind sie aufwendig bekleidet. Das vierteilige Outfit gehört zu dem südindischen Tanz, der die Zuschauer für ein paar Minuten aus Geislingen in die Ferne entführt. Mit dem Ende der indischen Musik beginnt lauter Applaus für die Tänzerinnen, die einen Höhepunkt der Talent-Show an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) setzen.

Die Choreografie für den tamilischen Tanz sei sehr aufwendig, erzählt Thuvaraga Jeyarasaa nach dem Auftritt. Die 22-Jährige, die in Geislingen Gesundheits- und Tourismusmanagement studiert, ist zwar in ihrer mehr als zehn Jahre langen Tanzlaufbahn schon oft vor Publikum aufgetreten. „Aber ich habe immer noch Lampenfieber“, sagt die Studentin.

So geht es auch vielen anderen Teilnehmern an dem Abend. Nicole Janitzek ist gleich an der Reihe und spielt sich im Treppenhaus des Hochschulgebäudes in der Parkstraße schon mal mit der Gitarre ein. Die 24-Jährige schreibt und komponiert Lieder, erzählt sie. „Läuft!“ steht auf ihrem Pullover und zugleich für ihren Auftritt. Mit Gefühl singt „Nio“, wie sie sich nennt, eines ihrer Lieder auf Deutsch und begleitet sich auf der Gitarre.

Musik steht an dem Abend neben Hip-Hop und Breakdance im Vordergrund. Auch der Flügel kommt zum Einsatz, als Theophy Toppar afrikanische Musik präsentiert. So locker wie die jazzigen Klänge wirkt auch der 30-Jährige, der Wurzeln in Ghana hat, auf der Bühne. „Musik ist nicht nur mein Hobby, sondern auch mein Beruf“, verrät Toppar backstage. Davon überzeugt der Gast aus Ludwigsburg auch mit seinem Gospel-Gesang zum Gitarrenspiel, bei denen das Publikum im Takt klatscht.

In einer Ansprache weist der Musiker auf das Elend in manchen Ländern hin – Hunger, Krankheit, Armut. „Gebt, wieviel ihr könnt“, ruft er zum Spenden auf. Denn auch das ist der Zweck der Veranstaltung: Geld, das die Organisatoren – die studentischen Vereine von Energie- und Ressourecenmanagement und Nachhaltiges Produktmanagement (NPM) – beim Verkauf von Glühwein und Waffeln einnehmen, spenden sie für die gute Sache. Zum einen unterstützen sie die Kinder-Kultur-Karawane, bei der sich Kinder und Jugendliche aus unterschiedlichen Kulturen begegnen und zusammen Kunst ausleben; zum anderen das Projekt „Stop India“, das sich in Indien gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel stellt.

Poesie regt zum Nachdenken an

„Sag mal, wann hast du deinen Mut gezeigt?“ Die zu der Veranstaltung passende Frage stellt Yasin Yalcin in den Raum. Für seinen Auftritt braucht er nur ein Blatt Papier. Der 24-Jährige ist Poetry-Slammer und geht in selbst verfassten Texten gesellschaftlichen Themen auf den Grund. Anstatt sich über wichtige Ereignisse zu unterhalten, reden Menschen über Gerüchte und Fernsehsendungen, kritisiert Yalcin. „Es ist dein Leben – meister was, um was zu erzählen“, appelliert der Geislinger Student an seine Kommilitonen.

Mut beweisen auch die „Schimpanskis“, die Improvisations-Theatergruppe der HfWU. Zwar trifft sie sich jede Woche in Geislingen zum Üben, aber die Dialoge und Handlungen entstehen spontan. Eine Rolle zu finden und lustige Szenen zu gestalten sei gar nicht so einfach, erklärt Harald Groß, der die Gruppe leitet.

Das Training hat sich gelohnt: Die Zuschauer lachen laut, als einer der Improvisateure sich in ein Handy verwandelt, ein anderer sich als „Apple“ ausgibt und der dritte zur Birne wird. Geistreiche Assoziationen sind auch beim „Blind Date“ im imaginären Geislinger Stadtpark gefragt, das die „Schimpanskis“ mit einer jungen Dame aus dem Publikum inszenieren. Die Zuschauer geben Eigenschaften vor, die die drei Akteure verkörpern müssen. Der gespielte Tick eines Date-Partners, der sich ständig unter den Achseln kratzen muss, treibt so manchem ein paar Lachtränen in die Augen.

Nach dem Auftritt der Impro-Gruppe darf das Publikum selbst Spontaneität zeigen: Die Bühne öffnet sich für alle. Diejenigen, die sich nicht für eine Jam-Session um den Flügel versammeln, lassen sich bei einem Glas Glühwein noch eine Weile von den Talenten unterhalten.

Mit der Veranstaltung wollen die Organisatoren am Hochschulstandort Geislingen eine Lücke füllen: „Bisher gab es hier nichts Musikalisches und Kulturelles“, sagt Rachel Höss aus dem Vorstand des NPM-Vereins. Das Ganze verbinde man dann durch die Spenden-Aktion noch mit dem sozialen Aspekt. Die Studentin freut sich, dass sich so viele Kommilitonen und Gäste beteiligt haben und behält die Veranstaltung auch für kommende Semester auf dem Plan.

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