In einem auf 19 Verhandlungstage angesetzten Mammutprozess muss sich ab dem heutigen Donnerstag ein 40-jähriger Einzelhandelskaufmann aus Geislingen an der Steige vor der 7. Strafkammer des Landgerichts Regensburg verantworten. Mit auf der Anklagebank sitzen drei weitere Angeklagte aus dem Bundesgebiet sowie ein lettischer Staatsangehöriger. Die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg, Zentralstelle Cybercrime Bayern, legt ihnen unter anderem Bildung einer kriminellen Vereinigung in 835 Fällen, Computerbetrug in Tateinheit mit Ausspähen von Daten, unerlaubten Eingriff in technische Schutzmaßnahmen sowie Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen zur Last.

Schaden in Höhe von rund 17 Millionen Euro

Der Staatsanwaltschaft zufolge verschafften die Angeklagten bei unterschiedlicher Arbeitsteilung zwischen  Dezember 2012 und ihrer Festnahme im November 2017 insgesamt 12.899 Personen in 143.739 Bezugszeiträumen über das sogenannte Cardsharing Zugang zum Bezahlfernsehen diverser Sender. Hierdurch entstand diesen ein Schaden in Höhe von 16,87 Millionen Euro. Die Angeklagten selbst verdienten dabei rund 1,6 Millionen Euro.

Regulär müssen Kunden mit einem Pay-TV-Anbieter   einen Abo-Vertrag abschließen, der je nach Umfang der Programme  und Laufzeit zwischen 25 und 60 Euro monatlich kostet. Um den Empfang zu ermöglichen, wird ihnen ein Receiver mit zugehöriger Smartcard zur Entschlüsselung zur Verfügung gestellt. Die Kontrolle erfolgt über ein ausgeklügeltes Verschlüsselungssystem. Gemäß den Allgemeinen Geschäftsbedingungen ist ein Abonnent nicht berechtigt, Inhalte des Programmangebots öffentlich vorzuführen oder öffentlich zugänglich zu machen.

Sicherungssystem geknackt

Durch technische Manipulationen hatten die Angeklagten das Sicherungssystem geknackt und über eigens eingerichtete Internetplattformen ihre Schnäppchen angeboten. Dazu betrieben sie die aufwendige Infrastruktur über Server im In- und Ausland, die sie angemietet hatten beziehungsweise die ihnen gehörten.

Am 28. November des Vorjahres wurden die Angeklagten zeitgleich in Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg, Sachsen und Lettland festgenommen. Während sich zwei von ihnen nach wie vor in Untersuchungshaft befinden, wurden die anderen nach einem Monat gegen Auflagen wieder auf freien Fuß gesetzt. Das Urteil wird für Februar erwartet.