Geislingen Geislinger Metzger in der vierten Generation

Der 53-jährige Chef Eugen Reichart (links) und sein 83-jähriger Vater, der denselben Vornamen trägt und nach wie vor überall fleißig mit anpackt.
Der 53-jährige Chef Eugen Reichart (links) und sein 83-jähriger Vater, der denselben Vornamen trägt und nach wie vor überall fleißig mit anpackt. © Foto: Claudia Burst
Geislingen / Claudia Burst 05.10.2018
Die Reicharts betreiben seit 121 Jahren ihre Geislinger Metzgerei. Der 83-jährige Eugen Reichart senior hilft bis heute mit in der Wurstküche.

Der Name Reichart ist in Geislingen eng mit dem Metzgerhandwerk verbunden. Seit vier Generationen verarbeitet die Familie Fleisch. Firmenchef ist der 53-jährige Eugen Reichart junior, doch sein Vater, der denselben Vornamen trägt, arbeitet trotz seiner 83 Jahre immer noch fleißig mit, wo er gebraucht wird. „Wir sind Vollblut-Metzger. Alle“, sagt sein Sohn.

Eugen Reichart senior kam automatisch zum Beruf: Nach der Schule wusste er nicht, was er werden wollte, die Eltern ließen ihn erstmal eine Lehre machen. Zum Glück, wie der Senior meint: „Ich war gerade 18, als mein Vater starb und ich den Betrieb übernehmen musste.“ Das war 1953. Eine Wahl hatte der junge Metzger dann nicht mehr, „aber der Beruf hat mir gefallen.“

Verändert hat sich im Handwerk viel, erzählen Vater und Sohn. So fing der Betriebsgründer Christoph Reichart vor 121 Jahren noch mit einem 16 Quadratmeter großen Verkaufsraum an – heute sind es 80 Quadratmeter. Während in den 1970er und 80er Jahren Geld mit der Belieferung großer Firmen mit Fleisch und Wurst verdient wurde, sei dies heute gar kein Markt mehr. Die Reicharts haben in Gingen eine Filiale, in der Geislinger Fußgängerzone gibt es einen Franchise-Partner.

Kauften die Kunden früher vor allem am Wochenende Braten für den Sonntag, so sei heute Kurzgebratenes gefragt, erzählt Rei­chart junior: „Am besten fertig gewürzt oder mariniert.“

Die Vielfalt, die ein Metzger vorweisen müsse, habe sich potenziert, sagt sein Vater: „Früher gab es einen Schinken oder eine Sorte Haussalami – heute gibt es allein bei diesen beiden Wurstsorten gefühlt 100erlei Variationen.“ Dazu komme die Auswahl an Käse und Fertiggerichten sowie die warmen Speisen vor allem zur Mittagszeit.

Nicht alle Metzger überlebten die vielen Veränderungen im Lauf der Jahrzehnte. Reichart senior erinnert sich: „Nach dem Krieg, als ich in dem Beruf angefangen habe, gab es noch 28 Metzgereien in Geislingen und Eybach. Heute sind wir noch zwei.“

Was vergangen war, kommt manchmal aber auch wieder. Wie das heute so populäre wie teure „dry-aged-Rind“, trockengereiftes Fleisch. Früher sei das ganz normal gewesen, erzählt Reichart junior: „Das hat mein Opa schon so gemacht.“

Der Firmenchef weiß ganz genau, was ihm am Metzgerhandwerk gefällt: Es ist der Umgang mit den Kunden, aber auch der enge Kontakt zu den Landwirten. Von einigen erhalten die Geislinger Metzger bereits seit Jahrzehnten ihr Fleisch – etwa von Ernst Buck aus Holzkirch und Jürgen Simon aus Reutti. Das sei eine Sache der Qualität, betont der 53-Jährige.

Ihm ist wichtig, dass seine Lieferanten seine Einstellung zu einer sorgsamen Tierhaltung teilen und zum Beispiel selbst angebautes Getreide verfüttern. Das schmecke man, ist er sich sicher. Über die Qualität könne er noch mit den Billiganbietern konkurrieren – auch in der heutigen Zeit, in der Lebensmittel „in manchen Köpfen zum Ramsch-Artikel degradiert werden“, wie er es formuliert. Das Metzgerhandwerk habe viel mit Tradition zu tun. Aber es sei auch eine kreative Arbeit, in die jeder Metzger seine eigenen Ideen einbringe. Bei Eugen Reichart heißt das beispielsweise, dass er zwar italienische Salsiccia herstellt, dabei den traditionell verwendeten Fenchel aber weglässt, weil er ihn nicht mag.

Familienbetrieb in vierter Generation

Christoph Reichart gründete die Metzgerei 1897. Er hatte drei Söhne, die alle in seine Fußstapfen traten, der mittlere starb allerdings im Ersten Weltkrieg. Der älteste Sohn Christoph übernahm die damals „neue“ Metzgerei im Seebach, der jüngste namens Eugen die väterliche Metzgerei in der Stuttgarter Straße. Sein Sohn Eugen ist heute als 83-Jähriger noch aktiv. Chef ist wiederum dessen 53-jähriger Sohn, der ebenfalls Eugen heißt.

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