Leihkräfte Geislinger Feuerwehr wirbt um Frauen

Jugendliche Feuerwehrleute bei der der 24-Stunden-Übung der Geislinger Rettungsorganisationen: Die Jugendfeuerwehr mit ihren 37 Mitgliedern ist das Rückgrat der Nachwuchsgewinnung für die Geislinger Feuerwehr-Abteilungen. Die meisten von ihnen stammen aus Feuerwehrfamilien.
Jugendliche Feuerwehrleute bei der der 24-Stunden-Übung der Geislinger Rettungsorganisationen: Die Jugendfeuerwehr mit ihren 37 Mitgliedern ist das Rückgrat der Nachwuchsgewinnung für die Geislinger Feuerwehr-Abteilungen. Die meisten von ihnen stammen aus Feuerwehrfamilien. © Foto: Rainer Lauschke
Geislingen / KARSTEN DYBA/ISABELLE JAHN 21.04.2016
Die Geislinger Feuerwehr präsentiert sich am Samstag beim Tag der offenen Tür – eine Gelegenheit, um sich für potenziellen Nachwuchs interessant zu machen. Denn diesen zu gewinnen wird schwieriger.

Wird tagsüber die Feuerwehr alarmiert, stellt sich ein Kommandant nicht selten die bange Frage: Habe ich genug Leute für den Einsatz? Die Stützpunktwehr in Geislingen (Stadt) hat zwar 71 aktive Mitglieder. „Die Leute können aber nicht immer von der Arbeit wegspringen“, sagt Kommandant Jörg Wagner. 22 Positionen muss er besetzen, damit seine Wehr mit zwei Löschfahrzeugen und der Drehleiter ausrücken kann.

Um das zu erreichen, gehen die Geislinger seit einiger Zeit neue Wege. Tagsüber zählt der Löschzug derzeit sechs Gast-Feuerwehrleute, die ihren Dienst in Böhmenkirch, Süßen oder Donzdorf leisten, tagsüber aber in Geislingen arbeiten und sich bei Alarm der dortigen Feuerwehr als Verstärkung zur Verfügung stellen. Ein siebter Leih-Feuerwehrmann aus Gingen macht derzeit seine Grundausbildung.

In den Stadtbezirken ist die Tagesbereitschaft noch schwieriger zu stemmen. „Die Jugend ist am Tag auswärts, weil es hier keine Arbeitsplätze gibt“, sagt der Aufhausener Löschzugführer Joachim Schrag. Mit sechs bis acht Feuerwehrleuten, die Schrag tagsüber zusammentrommeln kann, seien kleine Einsätze noch zu meistern. „Aber, wenn es um Menschenleben geht, wird’s eng.“ Die ersten zehn Minuten seien sehr wichtig, weshalb man oft nicht auf Hilfe aus Geislingen warten könne. Der Feuerwehrbedarfsplan sieht vor, den Abteilungen zusätzliche Aufgaben zuzuweisen. Das macht den Dienst in den Dörfern attraktiver. So übernimmt beispielsweise der Löschzug Weiler die Rettung aus geringer Höhe – was er am Samstag beim Tag der offenen Tür demonstrieren wird.

Rückgrat der Nachwuchsgewinnung ist und bleibt die Jugendfeuerwehr. In Geislingen sind derzeit 37 Jugendliche aktiv, nicht wenige davon aus den Stadtbezirken. Drei bis vier können pro Jahr in die aktiven Abteilungen übernommen werden. So gelingt es der Wehr derzeit noch, die Zahl der Mitglieder konstant zu halten. Doch auch das ist nicht leicht: Andere Vereine werben auch um Nachwuchs, und die Schule wird mit ihren Leistungsanforderungen zunehmend zur Konkurrenz.

Schrag setzt auf weibliche Verstärkung: „Man muss den Bann brechen und das andere Geschlecht aufnehmen.“ Vor allem Frauen, die wegen der Kinder zu Hause bleiben, seien vor Ort und schnell verfügbar. Andere Wehren organisieren dafür sogar eine Kinderbetreuung. Die 18-jährige Tochter des Aufhausener Vize-Kommandanten macht gerade die Grundausbildung: „Die Kameraden nehmen sie gut auf“, sagt Schrag. Nun plant der Löschzugführer eine Informationsveranstaltung im Sommer. Besucher dürfen dann auch selbst den Spreizer in die Hand nehmen und die Atemschutzmaske aufziehen.

Warum aber ausländische Einwanderer nicht zu gewinnen sind, bleibt ein Rätsel. Versucht hat es Wagner – „mit sehr mäßigem Erfolg“. Woran das liegt, könne keiner sagen. Die Geislinger vermuten, dass die Institution Feuerwehr anderswo nicht einen solchen Stellenwert hat wie die Freiwilligen hierzulande. „Viele Feuerwehren im Ausland sind militärisch organisiert.“

Tag der offenen Tür

Programm: Zum Tag der offenen Tür lädt die Geislinger Feuerwehr am Samstag, ab 11 Uhr in die Hauptfeuerwache an der B 10 ein. Um 14.30 Uhr und 15.30 Uhr beginnen die Schauübungen.

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