Geislingen / Ruben Wolff In seinem Besitz befand sich unter anderem eine verbotene Kriegswaffe: Ein Geislinger ist deswegen am Dienstag vor dem Amtsgericht verurteilt worden.

Bei einem Einbruch fliegt alles auf

Diebe waren im Februar vergangenen Jahres in ein Geislinger Unternehmen eingedrungen und hatten mehrere Schränke gewaltsam geöffnet. In einem dieser Schränke stand ein Koffer. Die Einbrecher hatten zunächst keine Ahnung, was für eine Beute sie da gemacht hatten.

Während der Flucht gelang es den Dieben, den Koffer zu öffnen. Was sie darin entdeckten, waren mehrere Schusswaffen samt Zubehör wie Schalldämpfer und sehr viel Munition. Die Einbrecher ließen ihre Beute fallen und verschwanden vom Grundstück des Unternehmens. „Es war ihnen zu heiß“, sagte der Staatsanwalt.

Und Richterin Gabriela Stuhler betonte: „Es ist reines Glück, dass die Diebe die Waffen nicht behalten und eingesetzt haben.“

Richterin: „Hochgefährliche Waffen“

Bei den Waffen handelte es sich um eine Kriegswaffe des Typs Skorpion, eine vollautomatische Selbstladebüchse und um eine halbautomatische Pistole. Letztere beiden sind keine Kriegswaffen, doch hätten sie nicht im Besitz des ehemaligen Geschäftsführers sein dürfen, der sie in einem der Schränke in seinem Unternehmen versteckt hatte. Der Staatsanwalt sprach von einem „wahren Kriegsarsenal“, Richterin Gabriela Stuhler von „hochgefährlichen Waffen“.

Und so wurde der 67-jährige Geislinger vor einem Schöffengericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss der Verurteilte insgesamt 20.000 Euro an gemeinnützige Einrichtungen zahlen.

Staatsanwalt: „Kein Reichsbürger, kein Waffennarr“

„Er ist kein Reichsbürger und kein Waffennarr“, räumte der Staatsanwalt ein. Außerdem sei der Verurteilte vorbildlich sozial integriert. Er leitete ein Unternehmen, das er 1986 von seinem Vater übernommen, und dass er 2017 an seinen Sohn weitergegeben hatte. Noch heute arbeitet er dort in Teilzeit.

Der 67-Jährige war strafrechtlich niemals auffällig geworden, aber in seinem Besitz hatte sich eben dieser Koffer befunden. Und deswegen schütze ihn das alles nicht vor einer Strafe, machte der Staatsanwalt klar. Richterin Stuhler sah das genauso. Der Verteidiger hatte zuvor noch dafür argumentiert über eine Verurteilung in einem minder schweren Fall nachzudenken, da sein Mandant die Waffen niemals benutzt und immer gut versteckt gehalten hatte.

Jahrzehntelang ignoriert

Die Waffen waren in den 1970ern aus Jugoslawien in den Besitz seines Vaters gekommen. Von da an lagerten sie in dem Koffer, Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt. Als das Unternehmen 1997 den Standort wechselte, zog auch der Koffer mit um.

Kaum einer wusste davon, weder die Angestellten noch sein Sohn, erklärte der Angeklagte vor Gericht. Er hatte alles versteckt. Um die Entsorgung der Waffen hatte sich der 67-Jährige aber niemals gekümmert – aus Bequemlichkeit, wie der Staatsanwalt kritisierte. Der Geislinger habe bei mehreren Amnestien die Gelegenheit dazu gehabt, zuletzt 2009 und 2017. Bei einer Amnestie können illegale Waffenbesitzer ihre gefährlichen Besitztümer straffrei loswerden. Immerhin kann man auch durch Erbschaft ungewollt zu Schusswaffen kommen.

Im Fall der Kriegswaffe hätte es vielleicht dennoch eine Strafe geben können, die aber niemals so hart ausgefallen wäre, glaubte Richterin Stuhler.

Bei einem Einbruch flog alles auf

Problematisch für den Angeklagten war, dass Einbrecher sein Unternehmen schon einmal heimgesucht hatten. Das war 2015 gewesen – vor der bislang letzten Amnestie. Die Einbrecher hatten den Koffer damals nicht gefunden, der ehemalige Geschäftsführer war mit einem blauen Auge davon gekommen. Der Vorfall hätte ihn dazu bringen müssen, den brisanten Koffer abzugeben, sagte die Richterin.

Zudem warf ihm Stuhler vor, dass die Waffen in keinem hochgesicherten Schrank versteckt waren. Den Einbrechern hatte es gereicht, diesen mit gewöhnlichem Werkzeug aufzuhebeln. Andere Schränke im Unternehmen hatten sie dagegen aufflexen müssen.

Der 67-Jährige muss nun eine dreijährige Bewährungszeit durchstehen. „Wir erwarten, dass Sie sich nichts mehr zuschulde lassen kommen“, sagte Richterin Stuhler.

+++ Wir berichten ausführlich über den Fall in der Samstagsausgabe der GEISLINGER ZEITUNG (16. März).

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