wahlkreis:Geislingen (10) Geislinger Eckhart Klein will als "Visionär und Realist" in den Landtag

Eckhart Klein fordert einen Ausbau des Geislinger Bahnhofs zum barrierefreien Mobilitätsknoten für Bürger.
Eckhart Klein fordert einen Ausbau des Geislinger Bahnhofs zum barrierefreien Mobilitätsknoten für Bürger. © Foto: Markus Sontheimer
Geislingen an der Steige / KATHRIN BULLING 17.02.2016
Eckhart Klein will seine grünen Überzeugungen in den Landtag einbringen. Dem Geislinger liegt eine nachhaltige Wirtschafts- und Verkehrspolitik besonders am Herzen. Er sagt: "Ich bin Visionär und Realist."

Grüner sein, das ist für Eckhart Klein nicht nur eine politische Richtung, sondern eine Lebenseinstellung. Der Geislinger ist seit über 20 Jahren Vegetarier, fährt leidenschaftlich gern Rad, setzt sich als Begründer des Bündnisses Barrierefreier Bahnhof Geislingen für mehr Mobilität ein und hat im vergangenen Jahr den Geislinger Gemeinschaftsgarten mit ins Leben gerufen. Nachhaltig zu leben mit allen Facetten - Wohnen, Wirtschaft, Infrastruktur - liegt ihm privat am Herzen. Als Landtagsabgeordneter für die Grünen will sich der Ingenieur um diese Themen auch auf politischer Ebene kümmern.

Klein findet es schade, dass im Landtag kein Grüner aus dem Wahlkreis Geislingen ist. "Ich denke, es wäre gut, wenn wir eine grüne Stimme aus dem letzten Zipfel der Region in Stuttgart sitzen hätten. Wenn es klappt, werde ich mich bemühen, etwas für den Kreis und fürs Land zu bewegen - dass unsere Zukunft grüner wird." Dies am liebsten mit seinem wirtschaftlichen und technischen Sachverstand. Klein leitet als Selbstständiger mit seiner Frau Elke Bühler eine Firma für technische Dokumentationen. Vieles sei Projektarbeit, deshalb ließe sich das Landtagsmandat problemlos mit seiner Arbeit vereinbaren, sagt er.

Während im Wahlkreis Göppingen der interne Streit um die Landtagskandidatur öffentliche Wellen schlug, entschieden sich die Geislinger unaufgeregt für Klein als ihren Mann. Das mag vermutlich auch daran liegen, dass die Parteimitglieder ihren Vorsitzenden als einen Schaffer schätzen, der neue Ideen flugs umsetzt und Akzente setzt. Etwa mit den Veranstaltungen des Ortsverbands zu Gesundheit, Mobilität, Wirtschaft oder Ernährung, "die wir unabhängig von Wahlkampfzeiten veranstalten und mit denen wir zur politischen Bildung beitragen", wie Klein stolz erklärt.

Seine soziale Prägung erhielt Klein von frühester Kindheit an: Die ersten Lebensjahre verbrachte er in Japan, sein Vater arbeitete dort in der kirchlichen Entwicklungshilfe. Seine Mutter engagierte sich in der Nachbarschafts- und Flüchtlingshilfe. "Ich habe dort am eigenen Leib erlebt, wie es gelingen kann, in einer multikulturellen Gesellschaft aufzuwachsen - ohne Intoleranz und Ablehnung."

Den grünen Idealen fühlt sich der 51-Jährige schon seit seiner Jugend verbunden. Er engagierte sich in der Umwelt- und Friedensbewegung, marschierte in Bonn mit. Die Bundestagswahl 1990, die den Grünen eine empfindliche Niederlage beibrachte, war für Klein die Initialzündung. Zwar habe die Partei damals mit ihrer Konzentration auf Umweltthemen im ersten Wahlkampf des vereinten Deutschlands die Tagesaktualität verpasst, "aber ich dachte mir, das ist doch blöd, wenn grüne Themen so untergehen", erzählt Klein. Zwei Wochen nach der Wahl trat er den Grünen bei. Nach wie vor ist er sich sicher: "Die grüne Politik hat den besseren Politikansatz. Wir haben die Nachhaltigkeit erfunden, als sich noch keiner für das Thema interessiert hat." Der Spruch der 1980er Jahre - "Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geborgt" - sei so aktuell wie damals schon.

Eine grünere Zukunft, dazu gehören für Klein die Energiewende und der Ausbau nachhaltiger Mobilität, Wirtschafts- und Verkehrspolitik - so fordert der Geislinger gerade mit Blick auf seinen Wahlkreis eine bessere Anbindung an die Schiene, einen ausgeweiteten ÖPNV-Takt und Rufbusse auf dem Land. Auch als Verfechter ökologischer Themen ist er der Ansicht, dass der Weiterbau der B 10 unabdingbar ist. "Wir können und wollen nicht überall neue Straßen bauen, aber als wirtschaftsstarkes Land braucht man funktionierende Hauptverkehrsachsen." Als Landtagskandidat wolle er ein Auge darauf haben, dass es für den Weiterbau der B 10 Ausgleichsmaßnahmen im Raum Geislingen gebe. Der Ausbau der Gemeinschaftsschulen - eine von den Eltern "sehr geschätzte Schulform" - ist ihm ein weiteres wichtiges Anliegen. Ebenso wie ein menschlicher Umgang mit den Flüchtlingen. Klein sieht in ihnen eine große Chance für Deutschland, in demografischer Hinsicht ebenso wie als neue Konsumenten. Sofern man sich um eine gute Integration bemühe, die natürlich Geld koste - das dürfe man nicht verschweigen.

Visionär und Realist: Das steht auf Kleins Wahlplakaten. Klein sagt dazu: "Ich finde es enorm wichtig, dass man eine langfristige Vorstellung von Zielen hat - wie man sich eine Welt erträumt, die ideal wäre. Die Realität ist zwar eine andere, aber als Richtschnur bei jedem kleinen Schritt, den man in der Tagesaktualität tut, halte ich das für wichtig."

Lesetipp Werfen Sie einen Blick in unser Dossier zur Landtagswahl: www.swp.de/landtagswahl_2016./


Wir stellen in einer Serie die Landtagskandidaten vor:

Montag, 15.02. Nicole Razavi CDU
Dienstag, 16.02. Sascha Binder SPD
Mittwoch, 17.02. Eckhart Klein Grüne
Donnerstag, 18.02. Armin Koch FDP
Freitag, 19.02. René Niess Linke
Montag, 23.02. Willy Kotzbauer AfD
Dienstag, 24.02. Herbert Krüger ALFA

Zur Person: Eckhart Klein

Geboren: 1964 in Kyoto/Japan

Wohnt in: Geislingen

Schule: Abitur am Otto-Hahn-Gymnasium in Ostfildern/Nellingen

Studium: Luft- und Raumfahrttechnik, Spezialisierung Neue Technologien, an der Universität Stuttgart

Stationen: seit 1992 selbstständig mit einem EDV-Unternehmen.

Politik: seit Anfang der 1980er Jahre aktiv in der Umwelt- und Friedensbewegung, 1990 Beitritt zu den Grünen (Ortsverband Geislingen), 1994 Eintritt zur Grün-Alternativen-Liste Geislingens mit diversen Funktionen, 2012 Gründung des interkommunalen Ortsverbands Helfensteiner Land, seither Vorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Helfensteiner Land.

Privat: verheiratet, ein Sohn, engagiert im Gemeinschaftsgarten Geislingen, Bündnis Barrierefreier Bahnhof Geislingen, Mitglied im BUND und DMB.

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