Geislingen Geislinger Bündnis gegen Rassismus wächst

Beim zweiten Treffen des Geislinger Bündnisses gegen Rassismus geht’s vorrangig um die Kundgebung, die am Samstag in der Geislinger Fußgängerzone stattfindet. Mit dabei sind unter anderem Sevgi Aslanboga vom Kulturverein Genclik, Wolfgang Nordmann vom Arbeitskreis Asyl und Hansjörg Reinhardt, der sich unter anderem am interreligiösen Dialog beteiligt (von links).
Beim zweiten Treffen des Geislinger Bündnisses gegen Rassismus geht’s vorrangig um die Kundgebung, die am Samstag in der Geislinger Fußgängerzone stattfindet. Mit dabei sind unter anderem Sevgi Aslanboga vom Kulturverein Genclik, Wolfgang Nordmann vom Arbeitskreis Asyl und Hansjörg Reinhardt, der sich unter anderem am interreligiösen Dialog beteiligt (von links). © Foto: Isabelle Jahn
Geislingen / Isabelle Jahn 04.10.2018
Das Geislinger Bündnis gegen Rassismus bekommt immer mehr Unterstützer. Die Kundgebung am Samstag unterstreicht kulturelle Vielfalt.

„Unser gutes gesellschaftliches Zusammenleben lassen wir uns durch diese Dumpfbacken nicht kaputt machen“, sagte Martin Purschke, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Göppingen-Geislingen. Auch die IG Metall und viele weitere Vereine und Institutionen haben sich dem neu gegründeten Geislinger Bündnis gegen Rassismus angeschlossen, das am Montagabend sein zweites Treffen veranstaltete.

An dem großen Tisch im Interkulturellen Kreativ-Café in der Schubartstraße ging es um die Organisation der Kundgebung, die am Samstag ab 11 Uhr in der Geislinger Fußgängerzone stattfindet, und auch um den Inhalt der geplanten Reden. Es gab einige Fragen, die rege diskutiert wurden, zum Beispiel: Gibt es in Geislingen eine rechte Szene? Wie viel Gewicht sollte man speziell den zwei mutmaßlichen Brandstiftungen mit fremdenfeindlichem Hintergrund in Geislingen und Bad Überkingen verleihen? „Man sollte die Vorgänge nicht zu hoch hängen, sondern vielmehr die Angst, Unsicherheit und Spaltung, die diese in der Bevölkerung hervorrufen“, sagte Herbert Eckhoff, der sich in der Flüchtlingshilfe engagiert und ebenfalls Mitglied im Bündnis gegen Rassismus ist.

Sevgi Aslanboga wies auf vergangene Aktivitäten rechtsextremer Gruppen in Göppingen hin. „Die Leute waren nicht alle aus Göppingen“, sagte die Vorsitzende des Sport- und Kulturvereins Genclik, der das Bündnis mit initiierte. „Ob als Mitläufer oder Aktive“, es gebe überall Personen, die rechtes Gedankengut verbreiteten.

Bei dem Treffen wurde die Beunruhigung darüber deutlich, dass sich Extremisten zunehmend trauten, ihr Weltbild öffentlich kundzutun: „Der Hemmschuh ist weg“, sagte Thomas Reiff, SPD-Ortsvereinsvorsitzender und -Fraktionsvorsitzender in Geislingen. Wolfgang Nordmann vom Arbeitskreis Asyl meint, durch die Kundgebung zeige man Menschen mit rechter Gesinnung: „Wir haben euch auf dem Kieker.“

Beim Treffen des Bündnisses mit mittlerweile mehr als 20 beteiligten Vereinen und Institutionen waren sich die Teilnehmer einig, dass sie sich nicht nur gegen Rassismus aussprechen wollen, sondern vor allem auch für ein kulturelles Miteinander und demokratische Tugenden. „Wenn wir die Mehrheit sind, haben wir die Chance, etwas zu verändern“, motivierte Aslanboga das Team.

Damit möglichst viele Menschen an der Kundgebung mit dem Titel „Geislingen ist und bleibt bunt“ mitwirken, werden in der Stadt Flyer verteilt und auch über Soziale Medien Werbung gemacht. Auch Geislinger Geschäfte sollen sich beteiligen, zum Beispiel indem sie die Bereiche vor ihren Geschäften auffällig bunt dekorieren.

Um am Samstag schon von Weitem gehört zu werden und Passanten anzulocken, soll es auch Live-Musik geben.* Regionale Musiker tun sich zusammen: Werner Dannemann (Gitarre und Gesang), Andy Kemmer (Bass), Thomas Göhringer (Schlagzeug) und Wolfgang Schiller (Mundharmonika). Möglicherweise spielt Tahmineh Oraki, die in Bad Überkingen wohnt, Musik aus dem Iran.

Wie bei dem Treffen am Montag deutlich wurde, will das Bündnis auch über die Kundgebung hinaus tätig bleiben. Es sei wichtig, dass man sich weiterhin für ein friedliches Zusammenleben in Geislingen stark mache, sagte Sevgi Aslanboga zu ihren Mitstreitern: „Wir haben noch vieles zu besprechen, es geht weiter.“

*In einer älteren Version des Artikels haben wir berichtet, dass die Band „Strom und Wasser“ spielen wird, die sich mit ihren Liedern klar gegen Rassismus positioniert. Die Band tritt jedoch nicht auf. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Brandanschläge sind der Anlass für die Kundgebung

Das Geislinger Bündnis gegen Rassismus haben Vertreter des Geislinger Sport- und Kulturvereins Genclik, des AK Asyl, von „Kreis Göppingen nazifrei“ und des Ulmer „Bündnis gegen Rechts“ ins Leben gerufen. Seit dem ersten Treffen vergangene Woche haben sich weitere Vereine und Institutionen aus dem Raum Geislingen angeschlossen, mittlerweile sind es mehr als 20 Unterstützer.

Bei einer Kundgebung am kommenden Samstag, 6. Oktober, von 11 bis etwa 13 Uhr in der Geislinger Fußgängerzone (rund um den Forellenbrunnen) positionieren sich die Initiatoren und Partner gegen Rassismus. „Geislingen ist und bleibt bunt“ lautet der Titel der Veranstaltung, bei der auch die Geschäfte in der Fuzo zur Beteiligung aufgerufen sind. Es gibt Musik, voraussichtlich von mehreren Künstlern.

Anlass für die Kundgebung sind zwei Brandstiftungen in Geislingen und Bad Überkingen (wir berichteten). Eine 32-Jährige zündete eine Holztür einer Asylunterkunft in Überkingen sowie die gelben Säcke vor einem türkischen Lebensmittelladen in Geislingen an. Die Polizei geht von einem rassistischen Motiv aus und prüft derzeit, wer für den Hausbrand in der Uhlandstraße verantwortlich ist.

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