Geschäftsaufgabe Geislinger Bekleidungshaus Hoch schließt

Willy Müller, Inhaber des Geislinger Bekleidungshauses Hoch, hinter der Kassentheke: Dieses Bild gibt es nicht mehr lange. Der 60-Jährige schließt sein Geschäft zum 17. April. „Mir war es wichtig, mit dieser Arbeit aufzuhören, so lange ich noch gesund bin“, sagt er.
Willy Müller, Inhaber des Geislinger Bekleidungshauses Hoch, hinter der Kassentheke: Dieses Bild gibt es nicht mehr lange. Der 60-Jährige schließt sein Geschäft zum 17. April. „Mir war es wichtig, mit dieser Arbeit aufzuhören, so lange ich noch gesund bin“, sagt er. © Foto: Claudia Burst
Geislingen / Claudia Burst 06.04.2018

Seit dem 13. März prankt großflächige Werbung mit speziellen Angeboten auf den großen Schaufenstern des Geislinger Bekleidungshauses „Hoch“ in der Geislinger Karlstraße. Sie sagt genau das aus, worum es geht: Räumungsverkauf. Wegen Geschäftsaufgabe.

Und das, nachdem es den Traditionsbetrieb bereits seit 1895 in Geislingen gibt und er für alle Geislinger einfach zum Stadtbild dazugehört. „Ja, es ist schon emotional für mich“, bekennt auch Willy Müller, der Eigentümer und Inhaber des Geschäfts. Immerhin ist er im Laden aufgewachsen, hat dort vor seinem Studium zur Bekleidungstechnik eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann absolviert und bedient seit 1986 an jedem Werktag die fast 80 Jahre alte hölzerne Ladenkasse mit den schwarzen Tasten und der Kurbel an der Seite.

Dennoch, es sei ein freiwilliger Beschluss, betont der 60-Jährige. „Mir war es wichtig, mit dieser Arbeit aufzuhören, so lange ich noch gesund bin. Der Räumungsverkauf ist jetzt doch sehr anstrengend.“

Es waren vor allem langjährige Stammkunden, die dem Bekleidungshaus und Willy Müller die Treue gehalten haben. „Aber es reichte nie, um mir einen Angestellten leisten zu können. Auf die Stunde umgerechnet, war einfach zu wenig verdient. Und immer kommt das Risiko dazu, dass man beim Wareneinkauf – ein halbes Jahr vor Beginn der neuen Saison – falsch wählt und auf der Ware sitzen bleibt.“

Noch bis zum 17. April hat Willy Müller geöffnet und bis dahin versucht er, so viel wie möglich von der Ware des „modernen Hoch“ – also Sportbekleidung mit dem Schwerpunkt auf Merino-Wolle sowie Outdoor-Funktionsbekleidung – als auch die Restbestände des „traditionellen Hoch“ los zu werden. Mit „traditionell“ beschreibt Willy Müller die Herren-Spezial-Bekleidung wie Dehnbund-Jeans, Herrenhosen für untersetzte Größen, Sakkos oder Anzüge. „Es gibt schon noch einiges. Und ich werde bis ganz zum Schluss immer weiter reduzieren“, kündigt Müller an.

Wie es mit dem Laden nach dem Ende des Bekleidungshauses weitergeht, steht noch nicht fest. Fotografin Janina Pulvermüller, die ihr Atelier im Haus hat, wird vorerst die Räumlichkeiten nutzen, um ihre Bilder auszustellen. Irgendwann will Willy Müller Boden und Heizung renovieren lassen. Er selber wohnt mit seiner Familie in Weiler. So gut wie jeden Tag ist er in den letzten Jahrzehnten immer zu Fuß ins Geschäft marschiert.

„Ich bin ein Wandervogel“, bezeichnet er sich lachend und denkt zufrieden an eine dreiwöchige Wanderung von Büsum bis Sylt entlang der Nordseeküste zurück, die er mit Rucksack und Zelt auf dem Rücken vor elf Jahren unternommen hat.

Mehr Zeit – das ist das, worauf sich Willy Müller jetzt am meisten freut. Draußen sein, den Kopf freikriegen. Für Juni plant er mit seiner Frau einen Wander- und Bade-Urlaub auf Korsika, im August dann eine Bildungsreise nach Kreta.

Dass mit dem Ende des Bekleidungshauses Hoch auch eine Ära zu Ende geht, das empfindet nicht nur er selber so. „Viele Kunden haben regelrecht entsetzt reagiert“, erzählt er, die einen mit „Das geht ja gar nicht“, andere mit „Vielen Dank für die vielen Jahre, die Sie das gemacht haben.“

Aber Müller ist sich auch darüber im Klaren: „Handel ist Wandel, das ist nun mal so.“

Infokasten