Geislingen an der Steige Geislinger Arbeitskreis Kurzzeitpflege für Jüngere deckt Versorgungslücke auf

Wie lässt sich eine Kurzzeitpflege für Jüngere umsetzen? Monika Zeisler brütet zu diesem Thema über Akten.
Wie lässt sich eine Kurzzeitpflege für Jüngere umsetzen? Monika Zeisler brütet zu diesem Thema über Akten. © Foto: Claudia Burst
Geislingen an der Steige / CLAUDIA BURST 24.09.2015
Wie lässt sich Kurzzeitpflege für jüngere Menschen stemmen, die in Pflegeheimen - oft der einzige Anbieter - fehl am Platze sind? Ein Geislinger Arbeitskreis sucht nach Lösungen. Das Problem: die Finanzierung.

Eigentlich wollte Monika Zeisler, langjährige Vorsitzende des Stadtseniorenrates Geislingen, langsam tun und sich nicht mehr für irgendwelche zeitintensiven Projekte engagieren. Bis ihre Tochter - sie ist Single und lebt mehr als 100 Kilometer entfernt - wegen eines Oberschenkelhalsbruchs operiert und nach zehn Tagen wegen der Fallpauschale aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Da war die 54-Jährige noch nicht rehafähig.

Das Krankenhaus organisierte einen Kurzzeitpflegeplatz in einem Pflegeheim - mangels anderer Angebote. "Für meine Tochter war das das Schlimmste, was ihr je passiert ist", erzählt Monika Zeisler. Sie schildert den Gestank im Zimmer, weil die demente Mitbewohnerin unter Inkontinenz litt, erzählt von deren lautem Fernseher, weil sie schwerhörig war und von der Schnabeltasse, die auch Zeislers Tochter bekam. "Außerdem sind Aufenthaltsräume nach draußen in Pflegeheimen fast immer abgeschlossen", zählt Monika Zeisler weiter auf.

Für die 77-Jährige war dies der Anlass sich umzuhören - und festzustellen, dass es für Jüngere so gut wie keine Alternativen gibt. "Meine Tochter musste sechs Wochen dort bleiben. Das ist - abgesehen von den hohen Kosten, die man meist privat zahlen muss - eine extreme psychische Belastung", findet sie. Es gehe doch darum, den Allgemeinzustand der Betroffenen so schnell wie möglich wieder zu stabilisieren.

Kurzerhand ergriff Monika Zeisler die Initiative und gründete einen Arbeitskreis unter dem Namen "Kurzzeitpflege für Jüngere zwischen 18 und 65 Jahren" unter dem Dach des Mehrgenerationenhauses Geislingen. Dem Kreis haben sich inzwischen Menschen angeschlossen, die aus meist beruflichen Gründen um Dringlichkeit und Bedeutung dieser Angelegenheit wissen. Sie kommen unter anderem aus den Bereichen Medizin, Pflege, Sozialstation, Stadtverwaltung und so weiter.

Der Arbeitskreis wandte sich an Heime und Institutionen, an Entscheidungsträger im sozialen Bereich und Politik. "Das Problem liegt wie bei allem in der Finanzierung", hat die Eybacherin erfahren. Damit sich die Belegung von Räumen in Pflegeeinrichtungen finanziell rechnet, müssen diese zu 96,5 Prozent belegt sein - und spontane Kurzzeitpflege ist eben nicht finanziell kalkulierbar.

Sie bekam Antworten zum Beispiel von Sozialministerin Katrin Altpeter, Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz, Professor Dr. Eberhard Trumpp vom Landkreistag, Sozialdezernent Hans-Peter Gramlich sowie Isolde Engler von der Altenhilfe-Fachberatung. Und schon mehrmals von der SPD-Bundestagsabgeordneten Heike Baehrens, die als Mitglied im Gesundheitsausschuss besonders an der Thematik interessiert ist und sich bereits persönlich mit Mitgliedern des AK Kurzzeitpflege traf (wir berichteten). Das Geislinger Anliegen ist Teil des Themas "Überleitungspflege", über das die Bundestagsfraktionen im Rahmen des Krankenhausstrukturgesetzes schon seit Monaten diskutieren. Die Frage: Wer kommt für eine häusliche Überleitungspflege auf? Krankenkassen oder Rentenversicherung? "Die Parteien wissen, dass eine Lücke besteht, und versuchen, Lösungen zu finden, in welcher Form Versicherungsträger, die infrage kommen diese Lücke füllen können", weiß Monika Zeisler.

Sie war auch schon bei den Diskussionen der Enquetekommission "Pflege" in Stuttgart und einer entsprechenden Diskussionsrunde der CDU in Göppingen. "Der Verantwortliche Thaddäus Kunzmann sowie Jutta Schiller, beide Landtagsabgeordnete, haben sich sehr für unsere Anregungen interessiert. Sie waren sich der Problematik - die anderen Anwesenden aus dem Krankenhaus- und Pflegebereich bestätigt haben - vorher nicht bewusst."

Das ist es, was Monika Zeisler und ihre Mitstreiter im Arbeitskreis "Kurzzeitpflege für Jüngere" erreichen wollen: Menschen und vor allem Politiker und Entscheidungsträger für die Problematik zu sensibilisieren. "Auf keinen Fall haben wir die Absicht, gegen Pflegeeinrichtungen Stimmung zu machen", betont sie, "deren Fokus liegt naturgemäß auf der Pflege älterer Menschen und das machen sie gut!"

Aber um den Politikern, die sich für die Überleitungspflege stark machen, Fakten und damit Diskussions- und Argumentationsgrundlagen liefern zu können, ruft Monika Zeisler Betroffene zwischen 18 und 65 Jahren oder deren Angehörige dazu auf, sich bei ihr zu melden und von ihren Erfahrungen in Bezug auf Kurzzeitpflege zu berichten. Sie gibt die Berichte anonymisiert weiter an die entsprechenden politischen Ansprechpartner.

Info Kontakt zu Monika Zeisler unter Telefon: (07331) 6 07 27.

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