Mitten im Streit um die angekündigte Verlagerung der Kochtopf-Fertigung vom Geislinger Stammsitz ins Ausland hat die WMF ihr neues Betriebsrestaurant eröffnet. Angesiedelt ist es im sogenannten Millionenbau, einem ehemaligen Produktionsgebäude aus dem Jahr 1914, im hinteren Teil des WMF-Geländes. Das Unternehmen investiere in den Umbau des Millionenbaus einen zweistelligen Millionenbetrag, erklärt Pressesprecher ­Stefan Kellerer; eine genaue Summe nennt er nicht.

Kellerer: „Wir sind gewillt, diesen Standort zu sichern“

Den Rest des Gebäudes soll die Verwaltung beziehen, die Umbau- und Umzugsarbeiten sollen bis 2021 abgeschlossen sein, so Kellerer: „Die Investition in ein neues Betriebsrestaurant bedeutet zum einen einen echten Mehrwert für unsere Mitarbeiter und zum anderen aber auch ein Zeichen dafür, dass wir gewillt sind, diesen Standort zu sichern.“

Betriebsrat und Gewerkschaft zweifeln

WMF-Betriebsrat und Gewerkschaft IG Metall stellen eben diese Behauptung – zumindest langfristig – infrage. Sie befürchten, dass die Marke WMF durch die Schließung der Kochtopf-Fertigung und den Verlust des „Made in Germany“-Siegels ihren Wert verlieren wird und dass der französische Mutterkonzern Groupe SEB schlussendlich nur am Filetstück des Geislinger Traditionsunternehmens, der profitablen Fertigung professioneller Kaffeemaschinen, interessiert sein wird. Die Unternehmensleitung der WMF bestreitet negative Auswirkungen auf die Marke und verweist auf Investitionen am Geislinger Standort sowie am Logistik-Zentrum in Dornstadt, wo auch neue Stellen entstehen sollen.

Studenten und Mitarbeiter anderer Firmen dürfen Kantine besuchen

Das neue 3000 Quadratmeter große Betriebsrestaurant bietet Platz für 500 Gäste; im Durchschnitt essen dort werktags rund 1300 Personen – nicht nur WMF-Mitarbeiter, sondern auch Beschäftigte anderer Firmen sowie von Einrichtungen in Geislingen wie der benachbarten Hochschule. Im neuen Restaurant habe man besonders auf Schallschutz, ein praktisches Wegekonzept, viel Licht und ein gutes Raumklima geachtet, so Kellerer. Pflanzen und Lampen beispielsweise aus Kochtopf-Rohlingen ergänzen die Einrichtung. Eine große Scheibe hinter der Theke erlaubt den Blick in die Betriebsküche; wer möchte, kann sich in den Außenbereich setzen, dessen Grünanlagen noch dieses Jahr fertiggestellt werden sollen.

Betreiber wollen weitere Läden ins City-Outlet holen

Die bisherige WMF-Kantine vorne an der B 10 geht im City-­Outlet auf – die Betreiber wollen nach den letzten bekannten Informationen weitere Läden und ein Café eröffnen. WMF-Sprecher Stefan Kellerer sagte auf Nachfrage der GZ, dass er zum aktuellen Stand keine Angaben machen könne.

Info: Dieser Artikel erschien zunächst im ePaper und in der gedruckten GZ am 31. August, im Internet erstmals am 4. September 2019.

Essen auch für Externe und Kinder


Im neuen Betriebsrestaurant ist Platz für 500 Gäste. Im Durchschnitt essen dort jeden Werktag rund 1300 Mitarbeiter und Gäste von außerhalb.

Sieben Geislinger Kindergärten und Schulen mit 650 Kindern werden von der WMF-Küche beliefert: Linden-, Uhland- und Tegelbergschule, Einstein- und Bodelschwinghschule sowie Kita Einsteinschule, die Kinder­gärten Lindenhof, Tegelberg und Siedlungsstrolche (dort auch die Krippe).

Regional und nachhaltig – darauf legt Küchenmeister Markus Jüngert nach eigener Aussage besonderen Wert. Das Betriebsrestaurant wurde 2018 bei Focus online auf Platz 5 in Deutsch­land gewählt, bei „Verantwortung und Nachhaltigkeit“ auf Platz 1.

Info über Ende der Geislinger Kochtopf-Fertigung löste im Juli großen Protest aus


Schock, Frustration und Unverständnis löste die Ankündigung der WMF Group Anfang Juli aus, bis Ende 2020 die Kochtopf-Fertigung in Geislingen schließen und nach Frankreich und Italien verlagern zu wollen. Davon sollen etwa 150 Mitarbeiter im Geislinger Stammwerk des Unternehmens betroffen sein.
Rund 400 Arbeitsplätze sollen insgesamt weltweit gestrichen werden. Im Gegensatz zum unprofitablen Kochgeschirr-Bereich laufe die Produktion professioneller Kaffeemaschinen sehr gut, diese wolle man deshalb durch Investitionen stärken, teilte die Unternehmensleitung mit – auch neue Arbeitsplätze würden geschaffen. Personell ausgebaut werden soll auch das Logistikzentrum in Dornstadt.

Betriebsrat, IG Metall und unter anderem Lokalpolitiker kündigten an, für den Verbleib der Kochgeschirr-Fertigung in Geislingen kämpfen zu werden. Sie werfen dem französischen Mutterkonzern SEB reines Gewinnstreben vor – die Befürchtung ist groß, dass die WMF ohne „Made in Germany“ ihre Marken­bedeutung verlieren wird.

Mitte September ­
sollen die Gespräche
des ­Betriebsrates mit der ­Geschäftsleitung über
die Pläne beginnen. kat