Geislingen an der Steige / KARSTEN DYBA Gemeinderat und Kreistag wollen die neue B10 bis Geislingen Ost im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans sehen. Darauf legten sich die Interessenvertreter der Region am Montag im Rathaus fest.

Dass in Gingen jetzt die Bagger rollen und eine Trasse für die neue B10 planieren, davon hätte Hermann Färber vor zwei Jahren nicht zu träumen gewagt. Möglich wurde es, weil die Pläne fertig in der Schublade lagen, als plötzlich Geld aus Berlin kam. Darauf setzt der CDU-Bundestagsabgeordnete aus Böhmenkirch auch beim Weiterbau. Geht es nach Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), soll der nächste Abschnitt im vordringlichen Bedarf des neuen Bundesverkehrswegeplans stehen.

Das verbucht der Raum Geislingen schon mal als Erfolg. Doch die Geislinger wollen mehr: Für den Abschnitt bis Geislingen Ost durch den Schildwachttunnel muss mindestens ein Planungsrecht drin sein. Besser noch: Die Einstufung in den "vordringlichen Bedarf".

Darauf einigten sich die Interessenvertreter aus Stadt, Kreis und vom Verband Region Stuttgart sowie die Parlamentsabgeordneten und Vertreter der Bürgerinitiativen auf Einladung von Oberbürgermeister Frank Dehmer bei einem Abstimmungsgespräch im Geislinger Rathaus. Inzwischen haben die Kreisräte per E-Mail ihre Stellungnahme zum Bundesverkehrswegeplan abgestimmt. Eine ebensolche Stellungnahme des Geislinger Gemeinderats steht noch aus.

Der Tenor ist beides Mal der gleiche: Die B10-neu bis Geislingen Ost muss in den vordringlichen Bedarf. "Der Grund ist klar", sagt Jörg-Michael Wienecke vom Landratsamt. "Der Plan gilt bis 2030", und Staatssekretär Barthle habe beim Ortstermin in Geislingen ganz klar gesagt, dass bis dahin kein Projekt finanziert werde, das nicht im vordringlichen Bedarf stehe. Die im Entwurf des Ministeriums vorgesehene Einstufung in den weiteren Bedarf lehnen Landrat Edgar Wolff und sein Verkehrsexperte Wienecke ab: "Das ist uns zu wenig." Die SPD-Fraktion in der Regionalverbandsversammlung unterstützte am Mittwoch die Geislinger Forderungen. "Die bisherigen Vorstellungen sind für uns nicht zufriedenstellend", sagte der Fraktionssprecher Jürgen Lämmle (SPD). Es gehe jetzt darum, dem Berliner Verkehrsministerium beizubringen, dass der Abschnitt bis Geislingen Ost ebenso wichtig ist, betont die Göppinger SPD-Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens.

Hoffnung keimte Mittwochabend in Stuttgart auf. Er sei richtig zufrieden, berichtete der Sprecher der Bürgeraktion B10-neu, Hans-Peter Maichle. Mit dem stellvertretenden Oberbürgermeister Holger Scheible sprach er im Regierungspräsidium vor. Mit dabei: Ministerialdirektor Dr. Uwe Lahl und der Staatssekretär im Berliner Verkehrsministerium, Norbert Barthle (CDU). Beide seien sich einig, dass die neue B10 bis Geislingen Ost an einem Stück durchgeplant werden müsse. Was das für die Einstufung in den Bundesverkehrswegeplan bedeutet, ist noch nicht klar. Hermann Färber betont die jüngsten Erfolge: "Vor zwei Jahren hat sich niemand getraut, den Abschnitt Geislingen Mitte bis Geislingen Ost überhaupt anzusprechen."

Nun werde bis Gingen Ost gebaut, der nächste Abschnitt stehe mit höchster Priorität im vordringlichen Bedarf. Und der Schildwachttunnel? "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das Planungsrecht reinbekommen - mehr brauchen wir auch nicht." Es komme letztlich nur darauf an, wie schnell die Pläne fertig sind. Hat Berlin dann unerwartet Geld übrig, könne in Geislingen gebaut werden. Dem widerspricht Wienecke: "Dann bräuchte es den vordringlichen Bedarf nicht." Er meint, dass in einem solchen Fall dringlich eingestufte Projekte bevorzugt würden. Also müsse für Geislingen beim Bundesverkehrswegeplan mehr drin sein: "Dass das ein riesiger Kampf ist und die Konkurrenz bundesweit groß ist, ist uns auch klar."

Bürgerbeteiligung im Internet

Entwurf Im Verkehrswegeplan soll der B10-Abschnitt bis Geislingen Mitte in den vordringlichen Bedarf. Wegen seines guten Kosten-Nutzen-Faktors von 10,4 genießt er hohe Priorität.

Forderung Der Abschnitt bis Geislingen Ost soll ebenfalls in den vordringlichen Bedarf. Bislang stand er im weiteren Bedarf und genoss im alten Plan zumindest ein Planungsrecht.

Beteiligung Das Anhörungsverfahren läuft noch bis 2. Mai. Bürger können sich im Internet beteiligen: www.bmvi.de und www.bvwp-projekte.de

SWP