Prozess Geiselnahme: Strafprozess gegen 28-Jährigen beginnt

Bombenalarm auf dem Sonne-Center-Parkdeck: Dort endete am Karfreitag der Einsatz der Polizei, der wegen einer Beziehungstat in Eybach begonnen hatte.
Bombenalarm auf dem Sonne-Center-Parkdeck: Dort endete am Karfreitag der Einsatz der Polizei, der wegen einer Beziehungstat in Eybach begonnen hatte. © Foto: son
Geislingen/Ulm / JOCHEN WEIS 02.10.2014
Im April wollte sich ein Mann in Eybach an seiner Ex-Lebensgefährtin für die Trennung rächen, hielt dafür sogar deren Schwester gefangen. Nun muss er sich wegen des Vorwurfs der Geiselnahme verantworten.

Es ist früh am Morgen, als am Karfreitag die Bewohner der Häuser über dem Geislinger Sonne-Center-Parkdeck aus dem Schlaf geschreckt werden: Bombenalarm. Die Polizei hat in einer Wohnung drei Kartons mit Sprengvorrichtungen entdeckt, der Gebäude-Komplex wird umgehend evakuiert, es ist 5.30 Uhr. Entschärfer stellen später fest: Die Bomben sind Attrappen, daneben findet die Polizei noch eine Schreckschuss-Pistole und eine Armbrust.

Es ist das Ende eines Einsatzes, der Polizei und Rettungskräfte stundenlang in Atem gehalten hat. Auslöser: Die Beziehungstat eines 28-Jährigen, die in Eybach ihren Anfang genommen hatte und für die sich der Mann ab heute vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts in Ulm verantworten muss. Sieben Verhandlungstage sind angesetzt, insgesamt 17 Zeugen und fünf Sachverständige sollen zu dem Fall gehört werden.

Bereits im Juli 2013 hatte sich die damalige Lebensgefährtin des Mannes nach sieben Jahren von ihm getrennt. Beide haben ein gemeinsames Kind. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft kam der Mann nicht über die Trennung hinweg, suchte weiterhin Kontakt zu der zwei Jahre jüngeren Frau - und das offenbar sehr intensiv: Das Ganze mündete darin, dass sie im Herbst 2013 ein Annäherungsverbot gegen den Mann erwirkte. Der wiederum sann ab diesem Moment - so sieht es die Staatsanwaltschaft - auf Vergeltung. Im April setzte er schließlich seine lang gehegten Rachepläne in die Tat um.

Der Tatablauf, wie ihn die Anklagevertretung schildert: Am Morgen des 15. April, einem Dienstag, steht der 28-Jährige plötzlich vor der Schwester seiner ehemaligen Lebensgefährtin. Die will sich gerade auf den Weg zur Arbeit machen, lässt sich aber von dem Mann in den Keller des Mehrfamilienhauses in Eybach locken, in dem sich ihre Wohnung befindet. Dort hält er ihr eine Schreckschuss-Pistole an den Kopf, die einer echten Waffe täuschend ähnlich sieht. Außerdem behauptet er, in seiner Jackentasche würden zwei Rollen Sprengstoff stecken.

Der 28-Jährige fesselt sein Opfer mit Handschellen, verklebt den Mund mit Klebeband. Er zwingt die Frau, mit ihm in ihre Wohnung im ersten Stock des Gebäudes zu gehen. Sein Ziel: Er will seine ehemalige Lebensgefährtin dorthin locken, um sich für die Trennung zu rächen. Dafür hat er sich Chloroform, Salz- und Schwefelsäure sowie eine Armbrust beschafft. Drei Tage lang hält er die Schwester gefangen, dann nötigt er sie, seiner Ex eine Mail zu schreiben mit der Bitte, sofort zu ihr zu kommen.

Die Frau schluckt den Köder, macht sich am frühen Morgen zur Wohnung ihrer Schwester auf. Als sie drin ist, versucht der 28-Jährige, sie zu überwältigen, zieht ihr mehrmals einen Teleskop-Schlagstock über den Kopf. Nun bemerken die Nachbarn, dass nebenan etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, rufen die Polizei. Es ist gegen 3.30 Uhr. Der 28-Jährige ergreift die Flucht, macht sich mit seinem Auto in Richtung Geislingen davon.

Nun läuft die Suche nach dem Mann an - und endet abrupt wieder: Um 5 Uhr taucht er im Geislinger Revier auf, stellt sich der Polizei - und erzählt von seinen Waffen, die er in der Wohnung beim SonneCenter-Parkdeck deponiert hat. Da ist noch nicht klar, dass die Bomben nur Attrappen sind. Zumindest die Opfer des Mannes sind da in Sicherheit, werden im Krankenhaus versorgt. Doch auf dem Parkdeck beginnt nun erst die Aufregung. . .