Klinik Gegenrechnung zum Klinikneubau

RODERICH SCHMAUZ 28.11.2012
Das 30 Jahre alte Ulmer Bundeswehrkrankenhaus wird derzeit für 150 Millionen Euro saniert - und nicht abgerissen, wie mit der Klinik am Eichert in Göppingen geplant. Darauf machen die Architekten und Neubaukritiker Friesch und Flume aufmerksam.

Am Freitag trifft der Kreistag in Göppingen seinen Grundsatzbeschluss, das Gremium wird sich vermutlich mit überwältigender Mehrheit für einen Klinikneubau am Eichert in Göppingen in zwei Phasen und den späteren Abriss der alten Klinik stimmen. Das treibt Lutz Friesch aus Kirchheim und Hans-Joachim Flume aus Bad Überkingen um. Die Architekten waren am Bau der Klinik am Eichert beteiligt, die vor 33 Jahren in Betrieb ging. Friesch und Flume sind zutiefst überzeugt, dass man die bisherige Klinik modernisieren kann - und zwar zu einem weitaus günstigeren Preis als 420 Millionen Euro; diese Summe errechnete das Gutachterbüro HWP in seiner jüngsten, internen Expertise für die Klinikleitung.

Jetzt ließen Friesch und Flume den Kreisräten noch Unterlagen der Architekten zukommen, die seit 2003 bis 2015 in sieben Bauabschnitten das Bundeswehrkrankenhaus Ulm komplett sanieren und modernisieren. Dieses Haus sei, wenn auch etwas größer, doch vergleichbar mit der Klinik am Eichert. Die Ulmer Architekten: "Da sich Diagnose- und Therapieformen und der Auftrag der Bundeswehr in den letzten 30 Jahren stark verändert haben, war eine Anpassung des Raum- und Funktionsprogramms, eine Techniksanierung und eine Überarbeitung des Brandschutz- und Sicherheitskonzepts nötig."

Schlussfolgerung dieser Architekten: Die Unterteilung der Baumasse in ein Bettenhochhaus, Flachbauten mit Ambulanz, OP und Notfallaufnahme sowie Versorgungsgebäuden ermögliche die Sanierung "im bestehenden Gebäudevolumen bei laufendem Betrieb". Teil drei der auf zwölf Jahre angesetzten Modernisierung ist laut Friesch im Gang - Gesamtkosten: 150 Millionen Euro und das bei einem Rückbau auf den Rohbau. Am Ulmer Haus bleibt auch die Fassade erhalten - obwohl sie (natürlich) nicht der neuen Energieeinsparverordnung entspricht.

Schon vor knapp drei Wochen hat Flume dem Aufsichtsrat und der Geschäftsführung der Alb Fils Kliniken eine zusammen mit Friesch erarbeitete zehnseitige Grobkostenschätzung übergeben.

Die Modernisierung schlüsselt Flume in ihre Hauptpositionen und -abschnitte auf. Für wesentliche Bereiche geht er von 30 Prozent Landesförderung aus. Für die Modernisierung von 340 Patientenzimmern á 40 000 Euro setzt er also 13,6 Millionen Euro an; für den Umbau der Operationssäle und der Intensivstation 60 Millionen, für Erweiterungsbauten im Erd- und Untergeschossbereich 35 Millionen. Flume prognostiziert Kosten für Auslagerungen während des Umbaus von 19 Millionen; diese schlüsselt er weiter auf: So setzt er zum Beispiel 4,5 Millionen für OPs in Containern an, wobei er auch deren Monatsmieten als Basis seiner Kalkulation offenlegt.

Unterm Strich kommt Flume bei seiner Plausibilitätsprüfung für die Klinikmodernisierung auf 215 Millionen Euro, von denen Landkreis und Klinik 153 Millionen selber tragen müssten. HWP gibt die Modernisierungskosten hingegen mit 420 Millionen Euro an.

Flume wiederum erscheinen die von HWP angegebenen Neubaukosten von 350 Millionen schöngerechnet. In Flumes alternative Grobkalkulation fließen die größeren Flächen des angedachten Neubaus ein, der Abriss der 266 Schwesternwohnungen und deren Neubau sowie neue Versorgungseinrichtungen. Bei den medizinischen Hauptbauwerken setzt er 45 Prozent Landesförderung an.

Flume kommt auf Gesamtkosten für Bauabschnitt eins von 234 Millionen, beim zweiten Abschnitt von170 Millionen. Macht 404 Millionen Euro - HWP errechnete 350 Millionen. Laut Flume läge der Eigenanteil von Klinik und Kreis bei 246 Millionen (HWP: 170 Millionen).

Flumes Schlussfolgerung: Eine Modernisierung kommt um 190 Millionen Euro günstiger als ein Neubau (laut HWP um 70 Millionen teurer), der Eigenanteil von Klinik und Kreis wäre 92 Millionen niedriger.