Ausbildung Geflogen wurde jeden Tag

Geislingen / Helmut Kölle 01.09.2018

Insgesamt 14 Jungs und ein Mädchen – die Jugendlichen alle im Alter zwischen 15 und 25 Jahren – reisten am 17. August, aus dem ganzen Ländle nach Berneck an. Die Geislinger Segelflieger veranstalteten dort traditionell ein Ausbildungslager für Jungflieger aus ganz Baden-Württemberg. Freiburg, Heidelberg, aber auch aus der näheren Umgebung wie Dettingen waren die Heimatorte der Jungflieger. Nach dem Aufbau der Zelte lief sofort das Einweisungsprogramm durch die Geislinger Fluglehrer an. Vor dem Abendessen wurde die Theorie vermittelt, danach erfolgte ein Rundgang über das Bernecker Segelfluggelände.

Bernd Skuras und Helmut Kölle erklärten den jungen Leuten ganz exakt die notwendigen Verfahren, um auf diesem rauen Albflugplatz sicher starten und landen zu können. Danach war gemütliches Kennenlernen angesagt.

Geflogen wurde jeden Tag bis einschließlich Samstag, 26. August. Nach dem Wecken um 7 Uhr wurde eine halbe Stunde später gefrühstückt. Das Briefing zum Wetter und Tagesprogramm erfolgte jeden Morgen um 8 Uhr. Die Segelflugzeuge wurden eine halbe Stunde später aus der Halle geholt. Nur so konnte nach den notwendigen Checks der Maschinen gegen 9.30 Uhr mit dem eigentlichen Startbetrieb begonnen werden.

Wie hoch der Aufwand und die Verantwortung des Veranstalters einer solchen Maßnahme ist, lässt sich daran ablesen, dass die Fliegergruppe Geislingen nicht weniger als fünf Fluglehrer aufbieten muss, um einen sicheren Ausbildungsbetrieb zu gewährleisten. Peter Jachmann, Christoph Inger und Joachim Bühlmeier wechselten sich mit Bernd Skuras und Helmut Kölle am Doppelsteuer der Doppelsitzer und in der Betreuung der Flugschüler am Boden ab. Eine schweißtreibende Aufgabe, bei Temperaturen von 30 Grad und mehr, die in der vergangenen Woche tagsüber geherrscht haben. Das Gute an dem heißen Wetter war, dass fast jeden Tag die Thermik, also die Aufwinde, die solch ein motorloses Flugzeug braucht, um länger in der Luft bleiben zu können, sehr gut war. Jedes Mal, wenn so ein Aufwind erwischt wurde, konnte sich der Pilot darauf freuen, bald im Kühlen zu sitzen. Die Temperaturen verringern sich mit zunehmender Höhe. In 2500 Metern Höhe herrschen durchschnittlich 15 bis 18 Grad weniger als am Boden. Das war durchaus erfrischend in der vorvergangenen  Woche. Schon aus diesem Grund wollten viele gar nicht mehr landen.

Dank dieser guten Thermik konnten viele längere Flüge durch die Fluganfänger durchgeführt werden. Manchmal vergingen mehr als dreieinhalb Stunden, bis das Rad des Seglers auf der Piste 33 in Berneck wieder den Boden berührte. Die Geislinger Segelflieger stellen den Teilnehmern ihren kompletten Flugzeugpark zur Verfügung. Auch das ist keine Selbstverständlichkeit.

Da dieses Jahr alle Teilnehmer noch Flugschüler waren, also noch keiner einen Luftfahrerschein besaß, durften sie die einsitzigen Flugzeuge nur im näheren Umkreis des Flugplatzes bewegen. Im Doppelsitzer mit Fluglehrer fanden Überland­flug­­ein­-
weisungen statt. Diese führten bei den guten Bedingungen bis in den Schwarzwald oder das Nördlinger Ries.

In die Luft kommt man in Berneck ausschließlich mit der vereinseigenen Seilwinde. Um einen sicheren, zügigen Windenbetrieb zu gewährleisten, sind nochmal weitere drei Mitglieder der Geislinger Gruppe wechselweise im Einsatz. Mindestens eine Person muss sich ständig um die Technik kümmern, da immer mal wieder ein Reifen schlapp macht oder ein Verschleißteil an der Winde gewechselt werden muss.

Eine Neuerung gab’s dieses Jahr bei der Verpflegung. Da sich heuer keiner gefunden hat, der die Teilnehmer und Betreuer die ganzen Tage hätte bekochen können, wurde diese Aufgabe diesmal unter den Mitgliedern aufgeteilt. Hüttenwart Thomas Seybold erstellte einen detaillierten Plan, der alle Mahlzeiten über die zehn Tage erfasste. Die nicht am Lagerleben beteiligten konnten sich so eine dieser Mahlzeiten herauspicken und für die 25 hungrigen Mäuler, die alle paar Stunden nach Nahrung verlangten, kochen. Das klappte so gut, dass die Verantwortlichen überlegen, dieses Verfahren jedes Jahr so zu planen.

In den acht Flugtagen wurden insgesamt 250 Starts und Landungen von den Teilnehmern durchgeführt. Dabei waren sie zusammen knapp 100 Flugstunden in der Luft. Dies stellt einen neuen Rekord dar, der dem heißen Wetter und dem durchaus vorhandenen fliegerischen Können der jungen Leute geschuldet ist.

Während des Lagers wurden zwei junge Flugschüler zum ersten Alleinflug gebracht. Es fanden 34 Umschulungen auf neue Flugzeugtypen statt. Auch die immer mal wieder notwendigen Außenlandungen mit Segelflugzeugen wurden trainiert. Allerdings verzichtet man normalerweise darauf, mit dem Flugschüler hier tatsächlich in einer Wiese oder einem Acker zu landen. Man kann das Ganze mit dem Motorsegler üben, indem man irgendwo im Gelände eine solche Außenlandung simuliert.

Am Ende des Lagers schlug das Wetter um, die Flieger hatten mit Wind und Regen zu kämpfen. Mehrmaliges Ein- und Aushallen am Tag waren notwendig.

Nach einer Abschlussparty am Samstagabend traten die jungen Leute am Sonntag nach dem Frühstück und Abbauen der Zelte wieder die Heimreise an. „Wir sehen uns wieder“, war der einhellige Tenor, „vielleicht schon im nächsten Jahr“.

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