Geislingen an der Steige / SWP  Uhr
Am Mittwoch sollte im Geislinger Gemeinderat eine Sperrzeitverlängerung beim Hock beschlossen werden. Die Kneipen sollten ausgerechnet am Festwochenende nicht wie üblich bis 5 Uhr offen bleiben dürfen, sondern bereits um 3 Uhr schließen müssen.

Der Hockverein und die Polizei hofften damit Probleme rund um übermäßigen Alkoholgenuss und Vandalismus besser in den Griff zu kriegen. Aber niemand hat das Patentrezept für alle. Und der Gemeinderat hat es in angemessener Form diskutiert und entschieden.

Der Aufreger des Tages war aber anscheinend, dass ich genau diese Frage am Vorabend in der Sitzung der Facebook-Gruppe Geislingen gestellt hatte: "Alte Regelung beibehalten", "Kneipen früher zu" oder "mir egal"? Für die, die sich nicht so auskennen: Die Facebook-Gruppe Geislingen hat aktuell 3100 Mitglieder, von denen gut 2000 echte Geislinger sein dürften, der Rest sind Ex-Geislinger, an Geislingen Interessierte, aber auch Einwohner der benachbarten Gemeinden. Es ist eine Art virtueller Stammtisch, erweiterter Bürgersteig, Veranstaltungskalender, gepostet werden Bilder der Fünftälerstadt aus allen Perspektiven und vor allem Tratsch über beinahe alles was man sich vorstellen kann. Nicht immer druckreif was dort geschrieben wird, aber es ist Bürgerkommunikation mit einer beachtlichen Reichweite und einem sehr breiten Spektrum. Natürlich ist die Gruppe nicht repräsentativ, aber das ist eine Umfrage in der Fuzo auch nicht. Und man sollte sich nicht täuschen: Der durchschnittliche Facebook-Nutzer ist mittlerweile knapp 40 Jahre alt, nur die Ü60-Fraktion ist bei den Erwachsenen deutlich unterrepräsentiert.

Jedenfalls war die Beteiligung an der Abstimmung überwältigend. Innerhalb von knapp 20 Stunden haben weit über 200 Mitglieder über die Sperrzeitverkürzung beim Hock abgestimmt, von denen über 90 Prozent für eine Beibehaltung der alten Regelung waren.

Ich finde es gut, wenn sich OB Dehmer und der eine oder andere Gemeinderat ab und zu in die Online-Diskussion einklinken, mitdiskutieren, für Positionen werben und Entscheidungen erklären. Denn eine zeitgemäße Politik der Transparenz und des Gehörtwerdens findet da statt, wo die Bürger sind. Und die trifft man heutzutage eben auch in den Internetforen. Es ist gelebte Demokratie und kann ein Kommunikationsweg sein für den direkten Draht zwischen Bürgern, Verwaltung und Mandatsträgern.

Eckhart Klein, Geislingen Ortsvorsitzender B'90/Die Grünen im Helfensteiner Land
 



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