Kreis Göppingen Gastkommentar: Cannabis ist nicht harmlos

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Kreis Göppingen / Gisela Messerschmidt 08.09.2017
Gisela Messerschmidt, die Leiterin der Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werks im Kreis Göppingen, bewertet in ihrem Gastkommentar den Drogen- und Suchtbericht 2017 der Bundesregierung.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung hat den Drogen- und Suchtbericht 2017 vorgelegt. Aus Sicht der Suchtkrankenhilfe im Landkreis Göppingen werden wichtige Aspekte angesprochen. Dass Alkohol- und Tabakkonsum weiterhin die „Gesundheitsgefährder Nummer eins“ darstellen, kann nicht oft genug betont werden.

Ein für den Landkreis immer noch nicht zufriedenstellend gelöstes Problem ist im Bericht eher unterrepräsentiert. Wir machen uns seit Jahren Sorgen um die medizinische wie auch psychosoziale Versorgung der hohen Zahl an Menschen, die im Kontext einer Opiatabhängigkeit substituiert werden. Selbst die dargestellten gesetzlichen Änderungen schließen diese Versorgungslücke nicht.

Die aktuell wieder hochkochende Debatte um einen veränderten gesetzlichen Umgang mit Cannabis darf einen Aspekt nicht ausblenden: Cannabis ist nicht harmlos. Regelmäßig erscheinen vor allem junge Menschen mit negativen Konsum­folgen an unseren Anlaufstellen.

A propos „junge Menschen“: Mit dem Satz „Wir müssen uns viel mehr als bisher um die Kinder suchtkranker Menschen kümmern“, spricht der Suchtbericht eine immer noch unterschätzte Problematik an. Kinder aus Suchtfamilien sind selber hochgradig gefährdet, eine eigene Sucht- oder psychische Erkrankung zu entwickeln. Aus unserer Erfahrung tun sich betroffenen Eltern aus Scham schwer, ihre Kinder unterstützen zu lassen. Die Versuche, Kindergruppen aufzubauen sind schwierig und langwierig. Wir beim Diakonischen Werk konnten dank Stiftungsgeldern eine Kindergruppe vorbereiten und suchen noch Teilnehmer.

Im Sinne einer gezielten ­Prävention gilt es, auf verschiedenen Ebenen gut zusammen zu arbeiten: Eltern, Schulen, Präventionsfachkräfte, angrenzende Hilfeeinrichtungen und Behörden.