Mit drei Gesetzen zur Stärkung der Pflege wurde die Pflegeversicherung an wichtigen Stellen reformiert. Dennoch braucht es einen mutigen Blick nach vorn. Der hektische Arbeitsalltag der Pflegekräfte trifft auf Menschen, für die Ruhe und Sicherheit immer wichtiger werden. Zuhören, menschliche Nähe und Zuwendung – dafür brauchen Pflegekräfte wieder mehr Zeit. Auch sie selbst sind Leidtragende des Zeitmangels. Sie entfremden sich von ihrer täglichen Arbeit. Es fällt ihnen schwer, den Arbeitsalltag mit ihrem Verständnis von einer würdevollen Pflege in Einklang zu bringen. Darum ist es so wichtig, die Personalschlüssel in den Heimen zu verbessern und den Takt in der ambulanten Pflege zu verlängern.

Seit Jahren gibt es zu wenige Fachkräfte in der Pflege. Trotzdem steigen die Löhne hier unterdurchschnittlich. Fachkräfte in der Altenpflege verdienen rund ein Fünftel weniger als in der Krankenpflege, die Bezahlung variiert je nach Anbieter erheblich. Um Gehaltsunterschiede zu beseitigen, braucht es mehr Mut, neue Wege zu beschreiten: Der geplante einheitliche Berufsabschluss ist ein notwendiger Schritt. Ein weiterer wäre ein allgemein verbindlicher Tarifvertrag, der angesichts der anspruchsvollen Tätigkeit an den heutigen oberen Pflege-Tarifgehältern aufsetzen muss. Pflege muss gut bezahlt werden.

Um ihre Ziele zu erreichen, müssen die Fachkräfte selbstbewusst auftreten und Verbündete für ihre Belange suchen. Und Politik muss für eine bessere Vertretung in den Entscheidungsgremien sorgen. In dieser Zeit der Schnelllebigkeit und Arbeitsverdichtung ist es notwendig, der Pflegebranche mehr Raum für das zu geben, was Pflege eigentlich ausmacht: die individuelle Sorge. Nur so wird es gelingen, wieder mehr Menschen für diesen wertvollen Beruf zu begeistern.