Wirtschaft G-Inno bietet mehr als ein paar Schreibtische

Rektor Andreas Frey (links) und OB Frank Dehmer erklären im Interview kurz vor Weihnachten, wie es mit dem G-Inno ­weitergeht.
Rektor Andreas Frey (links) und OB Frank Dehmer erklären im Interview kurz vor Weihnachten, wie es mit dem G-Inno ­weitergeht. © Foto: Markus Sontheimer
Kathrin Bulling 12.01.2018
Was sich 2018 im Geislinger Innovations- und Start-up-Center tut, erklären OB Dehmer und HfWU-Rektor Professor Dr. Frey.

Die Kick-off-Veranstaltung für das Geislinger Gründerzentrum ist fast ein Jahr her. Seitdem hat man davon nicht viel gehört. Ist das Zentrum eine Totgeburt?

Andreas Frey: Nein, das ist es nicht. Im ­Februar haben wir das Konzept vorgestellt und um Mitglieder für den Förderverein geworben – da waren wir erfolgreich. Seither haben wir einiges gemacht: das Konzept verfeinert, die Räumlichkeiten mit der WMF abgestimmt, wir sind dabei, eine Betreibergesellschaft zu gründen und haben die Stelle des Geschäftsführers ausgeschrieben, der die operativen Tätigkeiten übernimmt.

Frank Dehmer: Um das klar zu stellen: Wenn wir Gründern nur ein paar leere Räume zur Verfügung stellen wollten, hätten wir nur ein paar Schreibtische reinstellen müssen und diese vermieten können. Wir wollen aber die Innovationsprozesse und Start-up-Aktivitäten aktiv mit einem Programm begleiten.

Aber jetzt haben wir fast ein Jahr später – das ist eine ganz schön lange Zeit.

Dehmer: Beim ‚Kick off’ sind wir außer den Zusagen von Kreissparkasse, Hochschule und Stadt mit null Euro Budget dagestanden. Mittlerweile haben wir entsprechend Fördermitglieder geworben.

Wie viele haben Sie?

Dehmer: Rund 20. Wir haben übers Jahr eine Summe von zirka 200 000 Euro eingeworben und können nun starten. Wir wollen das richtig machen – damit es eben keine Totgeburt wird. Der Schritt mit dem Geschäftsführer ist richtig, denn unter den Personen, die sich bisher damit beschäftigt haben, ist niemand, der sonst nichts zu tun hätte. Auch ein Gesellschaftsvertrag musste erst ausgearbeitet werden, das kostet alles Zeit. Ich bin froh, dass wir jetzt so weit sind.

In der Kick-off-Veranstaltung hieß es, man wolle im Herbst Räume beziehen und loslegen. So weit sind Sie aber noch nicht.

Dehmer: Was die Räume angeht, unterschreiben wir jetzt den Mietvertrag für zirka 300 Quadratmeter – das sind zwei Räume im Obergeschoss beim Eingangstor 2 auf der Seite des Outlet-Eingangs.

Standen diese Räume leer oder wurden sie für Sie freigeräumt? Wie muss man sich die Raumaufteilung vorstellen?

Dehmer: Die Räume wurden bislang schwerpunktmäßig als Schulungs- und Pausenraum genutzt.

Frey: Das Ganze ist ein Open-space-­Bereich, der mit Schränken und Stellwänden weiter unterteilt werden kann.

Ab wann läuft der Vertrag?

Frey: Ab 2018, aber es muss noch etwas renoviert und eingerichtet werden.

Was bezahlen Sie?

Dehmer: Zunächst mal nichts.

Weil die WMF sagt, das ist so toll, das unterstützen wir?

Dehmer: Ja, man findet das gut und stellt uns die Räume zunächst für zwei Jahre mietfrei zur Verfügung. Wir hoffen, dass die WMF dann als Fördermitglied einsteigt.

Das ist sie bisher nicht?

Dehmer: Nein, aber die Miete, die man uns erlässt, entspricht der eines großen Fördermitgliedes.

Frey: Die Hoffnung ist natürlich, dass die WMF sich auch von Anfang an schon inhaltlich einbringt.

Dehmer: Es gibt in der Hinsicht auch schon Äußerungen. Für Herrn Dr. Lixfeld (den Geschäftsführer der WMF, Anm. d. Red.) ist das Innovations­zentrum ein Thema, denn die WMF als Marktführer mit Premiumprodukten lebt natürlich davon, den anderen ein Stück weit voraus zu sein – das setzt Innovation voraus.

Frey: Mit der Stiftungsprofessur für den Studiengang Nachhaltiges Produkt­management gibt es ja auch schon eine Zusammenarbeit mit der Hochschule.

Sind Sie zufrieden mit den Räumen, die Sie bekommen haben?

Dehmer: Ja.

Frey: Letztendlich ist ja die Frage: Wie belebt man sie, wie sieht die Möblierung, das Raumkonzept aus? Das macht einen großen Teil aus.

Wird demnächst ein großes Schild auf das G-Inno hinweisen?

Dehmer (lacht): Ob das ein großes sein wird, wissen wir nicht. Unsere Vorstellung ist, dass sich das Zentrum so ent­wickelt wie das Gründerzentrum Startfeld in St. Gallen, für dessen Besuch wir uns im August einen Tag rausgeschnitten haben: dass man nicht nur Räume zu bieten hat, sondern ein Programm, das dahinter steht. In St. Gallen ist das ­Gründerzentrum die Keimzelle, die nach und nach gewachsen ist und in der die Gründer immer mal wieder zusammenkommen. Das Zentrum ruft aber Gründungsaktivitäten im ganzen Kanton hervor.

Frey: In St. Gallen ist das Zentrum auch an der Hochschule angesiedelt und sehr ähnlich dem, was wir planen. Das hat uns in dem bestätigt, was wir tun.

Herr Dehmer, Sie haben gerade gesagt, dass Sie sich die Zeit für St. Gallen herausgeschnitten haben. Ist das nicht ein Fehler, wenn Personen das Thema bei sich liegen haben, die ganz andere Aufgaben und viele andere Dinge zu erledigen haben, anstatt sich früher Leute zu holen, die sich vorrangig um das Gründerzentrum kümmern?

Dehmer: Das sind schon unsere Aufgaben.

Frey: Wissens- und Technologietransfer ist als Aufgabe der Hochschulen im Landeshochschulgesetz niedergeschrieben. Im nun vorliegenden Änderungsentwurf ist zudem explizit die Förderung von ­Unternehmensgründungen aufgeführt.

Aber das ist doch nicht Ihre einzige Aufgabe.

Frey: Aber eine der wichtigen. Ich sehe das als eine der wichtigen Aufgaben, die künftig auf die Hochschulen zukommen. Deshalb muss ich mich da einbringen.

Dehmer: Ähnlich ist es bei mir. Es heißt nicht umsonst: Wirtschaftsförderung ist Chefsache. Für mich ist das nichts anderes als Wirtschaftsförderung für Geis­lingen, für die Region. Wenn man so eine Idee hat und davon überzeugt ist, nimmt man sich auch die Zeit. Es wäre mir zu wenig gewesen, wenn mir ein Mitarbeiter ab und zu darüber berichtet hätte. Wir waren uns aber alle einig, dass es bald jemanden geben muss, der das betreibt.

Einen Geschäftsführer.

Dehmer: Genau. Die Stellenanzeige dafür ist natürlich nicht vom Himmel gefallen. Wir hätten gerne jemanden, der mit dem Thema schon in Kontakt war, der möglichst selbst gegründet hat. Der einen entsprechenden Hochschulabschluss und ein Netzwerk hat – oder dazu in der Lage ist, schnell eines zu schaffen.

Wie viele haben sich beworben?

Dehmer: Knapp 20 aus der Republik mit sehr unterschiedlichen Biografien.

Frey: Es braucht jemanden, der nicht nur einen Job machen will, sondern darauf brennt, so ein Zentrum voranzubringen.

Das wünscht man sich aber doch von jedem Mitarbeiter.

Frey: Ja, aber es ist wichtig, dass man jemanden hat, der das als sein Kind ansieht, das er zum Erfolg bringen möchte.

Dehmer: Man darf nicht vergessen: Das G-Inno ist selbst ein Start-up. Es muss also jemand sein, der auch eine Niederlage wegstecken kann, der engagiert und flexibel ist. Wir haben ein gutes Konzept, aber das wird man an der einen oder anderen Stelle sicher noch anpassen müssen. Da braucht man jemanden mit einem Gespür dafür, was erfolgreich sein kann. Derjenige muss auch die passende Denke mitbringen, denn Gründer haben ganz andere Vorstellungen als in traditionellen Firmen: Wenn ihr Start-up einigermaßen erfolgreich ist, trennen sie sich auch wieder relativ schmerzfrei von ihrem Baby und gehen was Neues an. Da geht es nicht mehr darum, ein Unternehmen aufzubauen, das man bis zur Rente führt und dann an den Sohn übergibt.

Der Geschäftsführer wird kein Einzelkämpfer sein?

Frey: Er wird nicht alleine sein, um ihn oder sie herum soll ein Team entstehen. Das sind Prozesse, die Zeit benötigen.

Dehmer: Jetzt wissen Sie, warum es so ­lange gedauert hat.

Hätte man nicht im Sommer schon einen ­Geschäftsführer suchen können, damit das alles etwas schneller geht?

Dehmer: Ich kann schlecht einen Geschäftsführer einstellen, wenn ich noch nicht weiß, ob ich ihn bezahlen kann. Zu einer Zeit auszuschreiben, in der ich noch keine Fördermittel habe – das geht nicht. Vieles kristallisiert sich erst nach und nach raus. Ich hätte mir schon gewünscht, dass es an der einen oder anderen Stelle schneller geht. (Frey wirft ein: Natürlich.) Aber manchmal geht es auch einen oder zwei Schritte zurück.

Das heißt, Sie sind selbst mit dem Zeit­verlauf nicht zufrieden?

Dehmer: Wir hätten uns schon gefreut, wenn wir im Oktober hätten eröffnen können.

Frey: Es waren aber Rahmenbedingungen wie Finanzierung und Räumlichkeiten, die ihre Zeit gebraucht haben.

Die Kick-off-Veranstaltung haben Sie noch unter dem Namen GIGZ veranstaltet und danach den Namen geändert. Ist so etwas aus Marketingsicht nicht problematisch?

Dehmer: Der Name ‚GIGZ’, Geislinger ­Innovations- und Gründerzentrum, war unser Arbeitstitel, weil wir dem Baby ja einen Namen geben mussten, um an die Öffentlichkeit gehen zu können. Das Fraunhofer Institut hat aber angeregt, das Wort ‚Innovation’ im Namen deutlicher zu nennen – deshalb G-Inno.

Hätte man darauf nicht schon früher ­kommen können?

Dehmer: Ich bin niemand, der im Nachhinein denkt, das wäre anders besser ­gewesen. Manchmal sind Dinge halt so, wie sie sich entwickeln.

Wie sieht das Konzept des G-Inno aus?

Frey: Es wird Akzeleratorenprogramme über zehn Wochen geben. Wir sprechen ebenso Personen an, die ein Start-up in die Welt setzen wollen, wie jene, die schon gegründet haben, denen aber vielleicht noch der Schub fehlt, um ihr ­Produkt an den Markt zu bringen. Start-ups können sich um einen Platz bewerben, die Sieger bekommen dann Räume zur Verfügung gestellt, Kontakte zu ­Unternehmen vermittelt, und jede ­Woche gibt es zwei Veranstaltungen zu Themen wie: Wie stelle ich einen Businessplan auf, wie stelle ich Mitarbeiter ein, welche Fördermittel kann ich wie beantragen?

Dehmer: Gründer, aber auch Unternehmen kommen oft irgendwann an den Punkt, wo ihnen Know-how fehlt. Das Programm soll Leitplanken bieten, die dabei helfen, dass man nicht aufgibt – und das ganz individuell, weil jeder ja an einem anderen Punkt steht.

Wie ist das Ganze finanziert?

Dehmer: Das setzt sich aus Fördermitteln des Gründerzentrums, aber auch aus staatlichen Fördermitteln zusammen. Wichtig ist: Wir wollen kein Geld damit verdienen. Das G-Inno soll sich tragen und möglichst erfolgreiche Gründungen oder Innovationen in Firmen hervorbringen. Der Wunsch ist natürlich, dass ­Firmen, die entsprechende Förderungen genossen haben, das über eine Fördermitgliedschaft zurückzahlen, so dass das Zentrum wachsen kann.

Wer wird das Know-how vermitteln?

Frey: Wir haben Kollegen aus unterschiedlichen Studiengängen, die schon Interesse signalisiert haben, sich einzubringen. Es wird Aufgabe des Geschäftsführers sein, Referenten zu akquirieren – das können und werden natürlich auch Externe sein.

Wie sieht der Zeitplan für dieses Jahr aus?

Frey: Wir werden in den nächsten ­Wochen ein Innovationsforum für die Förder­mit­glieder auf den Weg bringen, eine Weiterbildung im Bereich des Innovationsmanagements. Da geht es darum, wie man Trends erkennt, die Kreativität der Mitarbeiter im Unternehmen fördert und Innovationen schlussendlich umsetzt. Langfristig könnte daraus ein Selbst­läufer werden, unterfüttert mit einer Werkstatt, in die Unternehmen ihre Mitarbeiter schicken.

Dehmer: Mein Ziel ist, dass wir im ersten Quartal die GZ zur Eröffnung der ­Räume einladen dürfen, bei der der neue ­Geschäftsführer vorgestellt wird und vielleicht auch eine Ministerin anwesend ist. Und, dass dann die ersten Programme starten.