Geislingen an der Steige Fußgänger und Radfahrer beschweren sich über Autofahrer

Geislingen an der Steige / Isabelle Jahn 14.06.2018
Autofahrer sind zu schnell und missachten andere Verkehrsteilnehmer, beklagen Geislinger auf Facebook. Die Hauptunfallursachen liegen aber woanders.

Angst um die Kinder und um das eigene Wohl – es gibt zahlreiche Verkehrsstellen in Geislingen, an denen sich Fußgänger und Radfahrer nicht sicher fühlen. Das haben in den vergangenen Wochen die vielen Zuschriften an die GZ gezeigt, die als Reaktionen auf einen Aufruf erfolgten. Sowohl Leser der gedruckten Zeitungsausgabe als auch Nutzer der Sozialen Medien haben sich zahlreich an der Aktion beteiligt. Immer wieder kamen neue Hinweise dazu, wo es auf den Straßen gefährlich werden könnte.

So häuften sich etwa beim Thema Zebrastreifen die Beiträge auf der GZ-Facebookseite – ganz vornedran die Heidenheimer Straße mit gleich mehreren Fußgängerüberwegen, die Autofahrer offenbar ignorieren. Dazu zähle auch der Zebrastreifen an der Kreuzung Hohenstaufenstraße, schreibt Darinka Dori Kirsch auf Facebook. „Mein Hund wurde schon angefahren. Man wird leicht übersehen.“ Mehrere User pflichten ihr bei, und von Mosi Mosler kommt der Vorschlag: „Regenschirm oder Spazierstock mitnehmen und schön nach vorne halten. Wetten, dass dann gehalten wird, bevor des Kratzer gibt?“ Auch auf dem Zebrastreifen an der Kreuzung Tälesbahnstraße/Paulinenstraße fühlen sich einige Fußgänger nicht sicher.

Nicht für Fußgänger, aber für Radfahrer sei der Übergang Bruckwiesen/Filsstraße in Richtung Michelberg-Gymnasium gefährlich. „Bin selbst zu Schulzeiten des Öfteren fast überfahren worden“, schreibt Julia Rezlaw. „Die Gegenfahrbahn ist vollgeparkt, und viele Autofahrer zwingen dann einfach die entgegenkommenden Autos dazu, auf den Fahrradstreifen auszuweichen.“

Sorge um Kinder

Vor allem um Kinder sorgen sich viele der Beitragsverfasser – so wie Facebook-User John Swidecki, der die Brücke zwischen SVA-Vereinsheim und TVA-Halle kritisch beäugt: Kinder stürmten „volles Karacho“ auf die Straße und als Autofahrer sehe man sie wegen des Brückengeländers und der Kurve auch auf dem Zebrastreifen sehr spät. Selbst auf Spielstraßen fahren manche Autofahrer „wie bekloppt“, hat Olivia Kusnierz beobachtet: „Keine Rücksicht auf Kinder und Anwohner nehmen und dann noch frech werden, wenn man was sagt.“ Eine „Katastrophe“ sieht Julia Lang an der Fußgänger-Ampel in der Überkinger Straße bei der Sankt Maria Kirche. Autofahrer, die aus der Friedensstraße kommen, können ohne Ampel-Signal links auf die B 466 abbiegen, während die Fußgängerampel Grün zeigt.

Verkehrsschau Ende Juni

Auch der Leiter des Geislinger Ordnungsamts, Philipp Theiner, erhält immer wieder Hinweise zu gefährlichen Verkehrsbereichen in der Stadt. Man werde bei der Verkehrsschau Ende Juni viele solcher Stellen besprechen, die Eingriffsmöglichkeiten seien aber beschränkt: „Wir können uns nur in rechtlichen und gesetzliche Grenzen bewegen.“

Wie auch die Unfallstatistik zeige, seien die Ursachen für Verkehrsunfälle meist andere als etwa Unübersichtlichkeit. Die Zahlen, die Geislingens Polizeichef Jens Rügner jüngst im Gemeinderat vorgestellt hat (siehe Infokasten), ergeben unter anderem Alkohol und Drogen als häufigste Unfallursachen. Somit lassen sich die meisten Unfälle nicht durch Verkehrsänderungen vermeiden.

Die Verkehrsunfallstatistik 2017

Die Zahl der Unfälle in Geislingen ist 2017 im Vergleich zum Vorjahr von 881 auf 893 gestiegen. Dies berichtete Polizeichef Jens Rügner, als er jüngst  im Gemeinderat die Verkehrsunfallstatistik für das vergangenen Jahr vorstellte. Der Großteil davon waren Kleinstunfälle mit geringfügigem Schaden – davon gab es 464. Bei 107 Unfällen wurden Menschen verletzt, 20 von ihnen schwer.

Problemstellen, an denen es zu besonders vielen Unfällen kommt und die man deshalb durch bauliche Maßnahmen entschärfen sollte, gibt es laut Rügner nicht: „Die Unfälle verteilen sich auf die gesamte Stadt.“

Die Hauptursachen für schwere Unfälle seien überhöhte Geschwindigkeit, Ablenkung durch Handy und das Fahren unter Alkohol- und Drogeneinfluss.

Unfallflucht ist ein zunehmendes Problem in Geislingen. 248 Fahrer flüchteten 2017 von einer Unfallstelle – ein Anstieg um 45 Fälle.

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