Geislingen an der Steige Für EU im Auslands-Einsatz

Geislingen an der Steige / KATHRIN BULLING 19.06.2013
Zwei Wochen lang hat das Geislinger DRK-Mitglied Raimund Matosic eine Katastrophenschutzübung im Kosovo mit organisiert. Das Pilotprojekt der Europäischen Kommission war für ihn ein voller Erfolg.

Drei Wochen ist es jetzt her, dass Raimund Matosic von seinem Einsatz im Kosovo ins Filstal zurückgekehrt ist. Doch wenn er von seinen Erlebnissen im Projekt "Volunteers in Capacity Building" (VinCaB) erzählt, glänzen seine Augen vor Begeisterung: "Es war einfach super", sagt der Leiter der Geislinger DRK-Bereitschaft.

In der Stadt Peja organisierte der Kuchener zusammen mit 14 anderen Freiwilligen aus sieben europäischen Ländern sowie dem örtlichen Roten Kreuz eine Katastrophenschutzübung (wir berichteten vorab). Die Helfer mussten mit den Folgen einer Überschwemmung fertig werden und Verletzte und Bedürftige versorgen. Das Ziel: Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und die Freiwilligen vor Ort fit zu machen, damit sie alleine mit solchen Einsätzen zurechtkommen. Die Erfahrungen des "VinCaB"-Teams fließen in den Aufbau des neuen EU-Freiwilligenkorps ein. Matosic war der einzige Teilnehmer des DRK-Landesverbandes Baden-Württemberg.

Was im DRK-Ortsverein Geislingen fester Bestandteil der Bereitschaft ist, war für die Kosovaren ganz neu, berichtet Matosic: "Wir haben zwar ganz viele junge und motivierte Freiwillige getroffen, aber es gibt dort keinerlei Qualifizierungsarbeit. Dort macht man einen Erste-Hilfe-Kurs und ist dann halt Rotkreuz-Helfer. Fortbildungsmöglichkeiten oder regelmäßige Übungen gibt es bisher nicht."

Das war eine Überraschung für das Team. Um die Kosovaren nicht zu überfordern, warfen Matosic und die anderen die Inhalte ihrer in Deutschland vorbereiteten Workshops kurzerhand um. "Das hat aber dann gut funktioniert, alle haben sehr motiviert mitgemacht."

Dreieinhalb Tage lang schulte das "VinCaB"-Team die rund 35 Teilnehmer für die Übung in Erster Hilfe, Rettung und Transport, Betreuung und Versorgung sowie Notfalldarstellung - also dem Schminken und Darstellen von Verletzungen. Das größte Problem sei die Sprachbarriere gewesen, sagt Matosic, nicht alle könnten englisch. Mit seinen kroatischen Wurzeln wurde dem Kuchener eine wichtige Dolmetscherrolle zuteil. Er habe sich oft in einem Gespräch auf Deutsch, Englisch und Kroatisch unterhalten, "das war eine interessante Erfahrung", sagt er lachend.

Beim praktischen Teil auf dem Marktplatz von Peja versorgte Matosic mit den Kosovaren die Verletzten, die die anderen mithilfe der Feuerwehr aus dem Katastrophengebiet gerettet hatten. Dabei hatte der IT-Berater wohl so viele Zuschauer wie noch nie: Zwölf Radiostationen und vier Fernsehsender berichteten über die Übung, dazu kamen rund 40 Vertreter von Ministerien, der Armee, des Roten Kreuzes und der Internationalen Föderation, der deutsche Botschafter sowie viele interessierte Bewohner aus Peja. Ständig beobachtet wurden die Projektteilnehmer von einem Konsortium des DRK und des THW, die das EU-Projekt betreuen.

Die einheimischen Rotkreuz-Helfer erlebte Matosic als sehr herzlich und gastfreundlich - "sie waren sehr stolz, dass wir zu ihnen gekommen sind". Gemeinsam spielten sie Tischtennis und Badminton - mit ihnen wie mit seinen Team-Kameraden hält Matosic weiterhin Kontakt über soziale Netzwerke. Auch sonst fühlte sich der Kuchener überall freundlich aufgenommen. Das Team übernachtete in der Feuerwache - dort wurden die Besucher nach ihrer Heimreise bald schmerzlich vermisst, wie Matosic übers Internet erfuhr.

Das Land sei immer noch gezeichnet vom Kosovokrieg, sagt er: zerfallene Häuser, schlechte Straßen und ein verstörendes Nebeneinander von krasser Armut und protzigem Reichtum.

Über ein halbes Jahr drehte sich in Matosics Freizeit fast alles um das Projekt, nun ist alles vorbei. Bei der Europäischen Kommission liegt eine 50-seitige Projektbeschreibung - was daraus folgt, weiß der Kuchener nicht. Die Empfehlung seines Teams lautet, im kosovarischen Roten Kreuz ein Qualifizierungssystem zu installieren und Multiplikatoren zu finden, damit das Ganze nicht verpufft. "Wir haben nur die Samenkörner ausgestreut."

Für ihn hat sich die Anstrengung auf jeden Fall gelohnt: "Es war eine tolle Zeit, die mir gezeigt hat, dass wir alle dieselbe Sprache sprechen, wenn es ums Helfen geht. Das ist eine sehr schöne Erfahrung."