Geislingen an der Steige Frisierte Gutachten? Stadtrat schimpft, OB widerspricht

Hinterfragt den Umgang mit der Wahrheit: Stadtrat Jörg Bopp (Freie Wähler) aus Türkheim.
Hinterfragt den Umgang mit der Wahrheit: Stadtrat Jörg Bopp (Freie Wähler) aus Türkheim. © Foto:  
DYK 29.04.2016
Unbequeme Wahrheiten haben Marketingexperten zusammengetragen. Dem Gemeinderat ist nun wohl ein geschönter Bericht vorgelegt worden.

Der Freie-Wähler-Stadtrat Jörg Bopp ist außer sich: "Wenn man diese Vorgehensweise duldet, dann sind wir hier alle nur ein Marionettentheater." Denn die Stadträte haben offensichtlich eine zweite, geschönte Fassung einer Analyse zur Lektüre erhalten. Auf 240 Seiten hatte der von der Stadt engagierte Experte Alexander Doderer analysiert, welche Schwächen die Stadt bei ihrer Außenwirkung hat. Darunter viele unbequeme Wahrheiten, die die Stadträte nicht zu lesen bekommen sollten, erklärt Bopp in der Gemeinderatssitzung. Er vermisst Themen, die er aber in der öffentlichen Sitzung nicht ansprechen darf. "Streng vertraulich - aber frisiert", sei das Papier, schlussfolgerte Bopp und bat den Oberbürgermeister um Stellungnahme.

Offensichtlich war den Stadträten eine geschönte Zweitfassung vorgelegt worden. Was gestrichen wurde, bleibt unklar. "Leider kann ich Ihnen dazu aber nicht mehr sagen", schreibt Frank Dehmer auf Nachfrage unserer Zeitung. "Das Papier ist aber nach wie vor vertraulich zu behandeln, auch wenn Herr Bopp es in der Gemeinderatssitzung angesprochen und damit herumgewedelt hat." Bei dem Papier habe es sich nicht um ein Gutachten gehandelt, sondern um eine Analyse, die der Verwaltung und dem Gemeinderat als Arbeitspapier dient. Dass der Inhalt vertraulich bleibe, sei keine Idee der Verwaltung, sondern der Marketingexperten. "Frisiert wurde dabei von der Verwaltung und von mir nichts, auch wenn Herr Bopp dies zu glauben scheint."

Bopp hatte vor vier Wochen im Gemeinderat vorgeschlagen, wieder Autoverkehr in der guten Stube der Stadt zuzulassen, um den Kunden der Einzelhändler entgegenzukommen. Bei der Verwaltung und im Rat war er damit auf wenig Verständnis gestoßen. Womöglich hat die Gruppe Drei ähnlich provokante Vorschläge geäußert.