Erosion Folgen des Hangrutsches am Tegelberg

Geislingen an der Steige / MANFRED BOMM 02.07.2013
Auch vier Wochen nach dem großen Unwetter ist noch unklar, wie der abgerutschte Hang am Tegelberg gesichert werden kann. Dies erklärte jüngst Tiefbau-Chef Ulrich Weingart den Stadträten.

Zwischen Westbahnhof und Kuchen, inmitten des idyllischen Kleingarten-Gebiets: Am Wochenende des großen Regens hat sich oberhalb davon, im Tegelberg-Wald, das Erdreich auf eine Breite von etwa 50 Metern gelöst. Eine Schlammlawine wälzte talwärts, riss Bäume mit sich und zerstörte ein Gartenhaus. Die Trümmer liegen weit verteilt unter Lehm und zerschmetterten Stämmen, dazwischen Spielzeug, kaputtes Mobiliar, ein chromblitzender Heizstrahler und irgendwo auch die Markise.

Betroffen ist zumindest noch ein weiteres Grundstück, auf dem die lehmigen Erdmassen einige Obstbäume herausgerissen haben.

Der geschotterte Fahrweg, der ein Stück weiter unten durch das Kleingartengebiet führt, hat sich in der Mitte auf eine Länge von etwa 30 Metern gespalten: Die talwärtige Seite ist um etwa einen halben Meter abgesackt. Sogar die Betonplatte eines Stellplatzes wurde von den unbändigen Naturkräften aus dem Berg um ein, zwei Zentimeter abwärts gedrückt. Ein tiefer Riss im Erdreich schlängelt sich nebenan bis zu einer betonierten Treppe.

Der Albtraufweg ganz oben am Tegelberg ist hingegen nicht betroffen, dafür jedoch eine Wegeverbindung im Hang. Ob sie jemals wieder hergerichtet werden kann, ist fraglich.

Insgesamt, so schätzt Ulrich Weingart, der im Geislinger Rathaus für den Tiefbau zuständig ist, sind rund 800 Kubikmeter Erdreich abgerutscht. Dies entspricht etwa der Ladung von 50 Lkw-Muldenkippern.

Die Geröllmassen zu beseitigen, ist nach Darstellung Weingarts nahezu unmöglich, der Aufwand ohnehin viel zu groß. Außerdem, so gibt er zu bedenken, sei es angeraten, das Erdreich als Stütze des aufgerissenen Steilhangs liegenzulassen. Was jedoch letztlich zu tun sein wird, soll ein hinzugezogener Geologe in den nächsten Tagen klären.

Drainage an Bahngleisen unterbrochen

Auch die Bahn ist von dem Erdrutsch betroffen, zumindest indirekt. Zwar besteht für die Gleise, die immerhin rund 150 Meter davon entfernt verlaufen, keine Gefahr. Doch befinden sich in dem betroffenen Gelände mehrere Drainage-Leitungen, mit denen bereits beim Bau der Bahnstrecke die Hangquellen am Tegelberg gefasst wurden. Auf diese Weise soll der Bahndamm vor allzu großer Nässe geschützt werden. Das verdolte Quellwasser fließt somit unter den Gleisen hindurch zur Fils. Jetzt aber ist zumindest eine solche Ableitung unterbrochen. Wer als Grundstückseigentümer die Reparaturkosten tragen muss, ist laut Weingart völlig unklar. Ein Bahn-Vertreter habe darauf verwiesen, dass die betroffene Fläche längst verkauft worden sei - an wen, vermag aber auf Anhieb offenbar niemand zu sagen.

Angesichts der katastrophalen Hochwasserschäden andernorts in der Republik, will Tiefbau-Chef Weingart den Geislinger Erdrutsch nicht dramatisiert sehen. Im Übrigen nage die Erosion unablässig an der Schwäbischen Alb. Pro Jahr weicht dieses Mittelgebirge deshalb durchschnittlich um knapp zwei Millimeter zurück.

Die letzten großen Abgänge wurden im Raum Geislingen zuletzt 1994 verzeichnet. Damals, Mitte April, gab es nach Unwetterregen an mehreren Stellen Rutschungen: Im Rötelbachtal bei Bad Überkingen sowie in Mühlhausen, wo eine Schlammlawine eine Haustür eingedrückt hatte, und in Gosbach, wo ganze Wohngebiete bedroht worden waren. In den verkarsteten Hohlräumen der Alb, so gibt Weingart zu bedenken, sammeln sich bei starken Regenfällen ungeheure Wassermengen, die nicht immer nur aus den bekannten Quellen zutage treten, sondern sich auch neue Wege bahnen und dabei Schlammlawinen auslösen.

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