Asyl Flüchtlinge im Porträt: Hassan Ahmed aus Somalia wird Bäcker

Hassan Ahmed, Bäckerlehrling
Hassan Ahmed, Bäckerlehrling © Foto: Claudia Burst
CLAUDIA BURST 19.02.2016
In Somalia hat Hassan Ahmed jede Arbeit übernommen, die er bekommen konnte. Hier in Deutschland hatte der 22-Jährige Glück: Nach einem Praktikum bekam er eine Lehrstelle als Bäcker.

"Schmeiß mr's auf dr' Disch", fordert Bäckergeselle Danijel Butina seinen Azubi auf. Obwohl Hassan Ahmed sich mit derart starkem Schwäbisch schwertut, ist ihm klar, was sein Kollege von ihm erwartet. Schwungvoll legt er die Teiglinge auf den Arbeitstisch, die er gerade noch geknetet und dann im Teigteiler in Einzelstücke geteilt hat. Als der gesamte Teig aufgearbeitet ist, reinigt der 22-jährige Somalier unaufgefordert seine Arbeitsfläche.

Bernhard Winkler, sein Chef und Ausbilder, ist ausgesprochen zufrieden mit seinem neuen Azubi. "Hassan ist zuverlässig, pünktlich und vor allem motiviert", lobt der Bäckermeister. Im September hat der Somalier mit der Ausbildung begonnen, davor hat er ein zweiwöchiges Praktikum in der Backstube absolviert. "Klar, am Anfang war die Verständigung schwierig", sagt Winkler, gibt jedoch zu bedenken, dass er auch vorher immer wieder mal Azubis hatte, die zwar deutsch sprachen, aber trotzdem nichts begriffen. Inzwischen klappt sowohl die Verständigung untereinander als auch das Fachliche. Hassan lernt schnell und hat Freude am Beruf. Obwohl er jede Nacht um 3 Uhr anfangen muss. "Das ist kein Problem. Hauptsache, ich darf arbeiten", sagt er.

Am meisten Freude hat der 22-Jährige beim Brezelschlingen, weil das immer noch eine Herausforderung für ihn ist. Beim Frühstück sucht er sich mit Vorliebe Laugenwecken aus dem Brotkorb - die schmecken ihm am besten.

Mit den Kollegen komme er gut zurecht, meint er, und auch die Schule sei kein Problem. "Ich verstehe eigentlich alles, und auch lesen und schreiben geht gut. Nur das Sprechen finde ich schwierig", erklärt er. Dabei spricht er verständlich Deutsch, und dass er immer mal wieder nach dem richtigen Wort sucht, ist nach gerade mal eineinhalb Jahren in Deutschland nachvollziehbar. Hassan weiß, wie wichtig die Sprache ist. Deshalb geht er trotz des intensiven Deutschunterrichts in der Berufsschule in Stuttgart noch an vier Nachmittagen in der Woche zum Deutschunterricht in die Geislinger Volkshochschule.

In seiner Heimat Somalia gebe es so etwas wie eine Berufsausbildung gar nicht, erzählt Hassan. Er wusste morgens meistens nicht, womit er tagsüber seinen Lebensunterhalt verdienen sollte. "Manchmal auf Baustellen, manchmal hab ich Schuhe geputzt. Alles, was ging, hab ich gemacht."

Bis er fliehen musste, weil ihm der Tod drohte. Ins Detail gehen will der junge Mann nicht - zu grausam ist die Geschichte um seine verbotene Liebe zur Frau eines anderen Stammes, zu traumatisch beider Erlebnisse. In seinem Heimatland wurde das Paar verfolgt; nach Deutschland flüchteten die beiden getrennt und sind seit fünf Monaten hier wieder glücklich vereint.

Und nun hat Hassan Ahmed auch beruflich eine Chance in Deutschland: Neun Monate lang jobbte er vorher beim Geislinger Bauhof, nur um etwas zu tun haben. Überhaupt mit einer Ausbildung zu beginnen, dazu motivierte ihn Christl Czermin aus dem Geislinger Arbeitskreis Asyl. Sie sprach Bernhard Winkler darauf an, und sie half dem jungen Flüchtling bei der ersten Orientierung.

Bernhard Winkler selbst freut sich über die Möglichkeit, auf diese Art und Weise einem der Flüchtlinge helfen zu können. "Klar ist es ein Risiko für mich", bekennt er, weil Hassans Asylantrag ja noch gar nicht durch sei. Das heißt, es kann sein, dass der junge Mann zurückgeschickt wird.

Eine staatliche Förderung für die Einstellung Hassans als Azubi bekommt Winkler nicht; für ihn ist der Somalier ein Azubi wie andere auch. "Es ist unglaublich schwierig, von irgendeinem Amt oder einer Institution konkrete Aussagen oder Informationen zu erhalten in Bezug auf Vorschriften, Unterstützung für Hassan", berichtet er von seinen Bemühungen. "Nur das Geld für die Zugtickets zur Berufsschule bekommt er rückerstattet."

Nun hofft Winkler, dass Hassan die gesamte Ausbildung absolvieren kann und nicht irgendwann unerwartete bürokratische Hindernisse auftauchen. Das Risiko, dass einer seine Ausbildung abbricht, gebe es auch bei anderen Lehrlingen, weiß Winkler. "Ich jedenfalls würde jederzeit wieder einen Asylbewerber einstellen", sagt er.