Geislingen Nordlichter ziehen ihre Show ab

Geislingen / Günter Hofer 20.08.2018
Der Hamburger Fischmarkt bringt drei Tage lang ein bisschen Nordsee-Flair in die Geislinger Fußgängerzone.

Für die rauen Kerls von der Waterkant ist es das 13. Gastspiel in der Fünftälerstadt. Erstmals spielt sich das lautstarke Wortgefecht zwischen Wurst und Fisch, Nudeln und Obst zwischen Sonne-Center und MAG ab.

Von März bis November sind die Marktschreier mit ihrem Tross und ihren Verkaufstrucks auf Tournee in Deutschland unterwegs. In Geislingen fühlen sie sich wohl. „Was meinste, warum wir schon zwölfmal in der Stadt waren? Hier sitzt das Geld noch locker“, meint Heiko alias Aal-Hinnerk. Lautstark preist er sein Fischpaket aus Aal, Makrele, Hering und Räucherfisch mit witzigen Sprüchen an. Ein paar Passanten laufen mit scheuem Seitenblick vorbei. Viele aber bleiben stehen, versuchen zu handeln und ziehen letztendlich mit einem Fischpaket für 15 oder 20 Euro davon.

Aal-Hinnerks Nachbar Robert, ein waschechter Hamburger, versucht sein Glück mit Wurst-Kostproben für die Besucher. Für 15 Euro preist er ein halbes Schwein an und stopft elf unterschiedliche Wurstsorten in die Tüte.

Sein Geschäft als „Wurst-Herby“ läuft gut. Ebenso gut läuft bei ihm das Mundwerk. Mal angefangen und warm gelaufen, gönnt er sich keine Pause. Ein Spruch reiht sich an den anderen, und was er da so von sich gibt, geht auch mal unter die Gürtellinie. Bei schlanken Frauen kommt regelmäßig der Spruch: „Du siehst aus wie ne Fahrradspeiche, du musst mehr Wurst essen.“ Wer nur kopfschüttelnd an seinem Wagen vorüber geht, wird als Tourist aus Schweden abgestempelt. Die an den Biertischen sitzenden Besucher quittieren jeden Gag mit einem lautstarken Lacher.

Eimerweise Käse und Obst

Ruhig und gelassen ist dagegen Bananen-Fred. Er macht das Geschäft auf seine Art. Es funktioniert: Im regelmäßigen Abstand sieht man Gruppen mit vollgestopften Obstkörben durch die Fußgängerzone gehen.

Vierter im Bunde der Marktschreier ist Nudel-Kiri. Er feilscht mit seinem Charme um die Gunst der Kundinnen. Wenn es passt, fordert er sie sogar auf, den Obstkorb an seinen Nachbarn zurückzugeben und lieber zwei Taschen Nudeln mitzunehmen. Für einen solchen Tausch gibt er sogar ein Zusatzpäckchen an Nudeln aus. Und bei so mancher kauflustigen Schönheit kennt er keine Grenze: „Du bekommst mich als Mann sogar dazu.“

Kaum zu hören ist dagegen sein Mitstreiter gegenüber: Käse-Rudi, der eimerweise Käse verkauft. Viel los ist an den drei Tagen am Verkaufsstand, der Fischbrötchen feilbietet: Lachs und Rollmops, Bratheringe und Nordseekrabben. Nebenan – vielleicht ein kleiner Stilbruch – gibt’s auf dem Hamburger Fischmarkt bayerisches Weizenbier.

Im Schlepptau auf seiner Tour durch Deutschland hat der Hamburger Fischmarkt knapp 30 weitere Händler. In der Fußgängerzone Richtung Rathaus reicht ihr Angebot an den drei Tagen von Schuhen und Kleidung bis hin zu Gewürzen und Spreewaldgurken. Für die Kleinen gibt’s ein Kinderkarussell. Und wer will, kann sich als Nachwuchs-Marktschreier versuchen.

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