Hochschule Firmengründung ist ein Marathon, kein Sprint

Der regelmäßige Blick aufs Smartphone gehört für die HfWU-Absolventin Nadine Antic zum Job. Trotz der 60 bis 80 Arbeitsstunden pro Woche kann sie es nur empfehlen, ein Start-Up-Unternehmen zu gründen.
Der regelmäßige Blick aufs Smartphone gehört für die HfWU-Absolventin Nadine Antic zum Job. Trotz der 60 bis 80 Arbeitsstunden pro Woche kann sie es nur empfehlen, ein Start-Up-Unternehmen zu gründen. © Foto: Heike Siegemund
Heike Siegemund 10.01.2018
Viele Absolventen der HfWU machen Karriere. Auch Nadine Antic: Die 32-Jährige hat erfolgreich ein Unternehmen gegründet.

Wie können Unternehmen die Entsorgung ihrer Produktionsabfälle optimieren, dabei viel Geld sparen und noch dazu etwas Gutes für die Umwelt tun? Diese Frage trieb Nadine Antic schon früh während ihres Studiums an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) am Standort Geislingen um. Als Werkstudentin war sie in mehreren Unternehmen tätig – und erkannte sofort, „dass im Bereich Entsorgung ein großer Bedarf besteht“.

Die heute 32-Jährige aus Stuttgart hat in Geislingen Energie- und Recyclingmanagement studiert. 2009 wechselte sie an die Reutlinger Hochschule, wo sie ihr Studium mit dem „Master of Science für internationales Produktionsmanagement“ abschloss.

Bereits während ihrer Studienzeit wurde der jungen Frau klar: Ein großes Unternehmen kann zwar einen sicheren Job bieten, „aber ich fand die Arbeit dort nicht so cool, wie ich es mir vorgestellt hatte“. Als Angestellte eines Konzerns im Bereich Entsorgung etwas zu bewegen, sei sehr schwierig. „Außerdem muss man in eine gewisse Schablone passen.“

Für Nadine Antic stand deshalb schnell fest: Sie wagt den Schritt in die Selbständigkeit. Noch während des Studiums gründete sie das auf Abfall-, Entsorgungs- und Wertstoffmanagement spezialisierte Unternehmen „GlobalFlow“ – anfangs mit Sitz in Reutlingen, mittlerweile in Korntal ansässig. Die Firma berät ihre Kunden darin, Ressourcen schonend einzusetzen, Entsorgungsprozesse effizient und umweltverträglich zu gestalten, Abfall im Idealfall ganz zu vermeiden und damit die finanzielle Profitabilität zu steigern.

„Andere Studenten kaufen sich nach ihrem Studium ein Auto. Ich habe halt ein Unternehmen gegründet“, sagt die HfWU-Absolventin schmunzelnd. Das war vor fünf Jahren. 2014 stieg ihre Schwester Anne Antic ein: Seither teilen sich die Frauen die Geschäftsführung des Unternehmens, das mittlerweile zwölf Mitarbeiter beschäftigt.

Freilich sei es anfangs nicht immer einfach gewesen, blickt Nadine Antic zurück. „Ein Unternehmen zu gründen, ist ein Marathon, kein Sprint. Man braucht Geduld und Durchhaltevermögen.“ Und das hatten Nadine und Anne Antic. Ihre Beratungen nehmen beispielsweise der Automobilzulieferer ZF sowie die Firmen Ritter Sport, Hipp und Dr. Oetker in Anspruch. „GlobalFlow“ sei mittlerweile weltweit tätig, sagt Nadine Antic. Im Bereich Entsorgung seien viele Firmen zwar „schon ganz gut unterwegs, aber wir gehen nochmals anders an die Sache heran“. Außerdem sei für die meisten Unternehmen die Entsorgung eher ein Randthema; „ihr Fokus liegt auf der Produktion ihrer Waren“.

Manchmal sei es eine Herausforderung, die Akzeptanz für das Thema aufzubauen. In vielen Firmen würden Produktionsabfälle oft teuer oder mit beträchtlichem Aufwand entsorgt, hat Nadine Antic beobachtet. Es sei aber nun mal eine Tatsache, dass die Ressourcen der Erde endlich sind. „Die Produktionsabfälle von heute sind wertvolle Sekundärstoffe von morgen“, betont Antic. „Wichtig ist, dass die Unternehmen uns als Chance verstehen. Wir üben keine Kritik, sondern zeigen Möglichkeiten auf, wie man neue Wege gehen kann.“

In Geislingen ist die erfolgreiche HfWU-Absolventin immer wieder anzutreffen: An der Hochschule hält sie Vorträge und berichtet von ihren Erfahrungen. Sie kann es nur empfehlen, ein Start-Up-Unternehmen zu gründen – trotz ihrer 60 bis 80 Arbeitsstunden pro Woche: „Ich bin viel auf Reisen und lerne die Welt und die Wirtschaft aus einer ganz anderen Perspektive kennen.“ Und selbst wenn sich nicht der gewünschte Erfolg einstellen sollte – „dann hat man trotzdem wichtige und wertvolle Erfahrungen gemacht und vieles dazu gelernt“.

Auf die erste Firma folgt noch eine

Mit ihrer Geschäftsidee sind Nadine und Anne Antic mittlerweile so erfolgreich, dass sie noch die Schwesterfirma „albfertil“ gegründet haben. Dieses Unternehmen beschäftigt sich ebenfalls mit dem Thema Entsorgung. So werden bei „albfertil“ biogene Abfallstoffe, die zum Beispiel bei der Kaffeeproduktion der Firmengruppe Melitta anfallen, zu organischem Dünger
verarbeitet.