Geislingen an der Steige Finger, die über Trommeln fegen

Murat Coskun, das Ensemble FisFüz und Schüler von der Musikschule und Daniel-Straub-Realschule Geislingen musizieren in der Jahnhalle.
Murat Coskun, das Ensemble FisFüz und Schüler von der Musikschule und Daniel-Straub-Realschule Geislingen musizieren in der Jahnhalle. © Foto: Sabine Graser-Kühnle
Geislingen an der Steige / SABINE GRASER-KÜHNLE 16.04.2016
Rahmentrommler Murat Coskun weiß zu begeistern: Workshoptrommler, musizierende Schüler und freilich das Publikum. Er und sein Ensemble FisFüz gaben in Geislingen ein Ausnahmekonzert.

Wer ist Rahmentrommler Murat Coskun und wer das Ensemble FisFüz? In Geislingen sind die Namen wenig bekannt, dennoch war die Jahnhalle zu gut zwei Dritteln mit Zuhörern besetzt, als FisFüz zum Ausnahmekonzert auftrat. Tatsächlich sind Coskun und sein Ensemble, die Jazzklarinettistin Annette Maye und Gürkan Balkan mit der Gitarre und der Kurzhalslaute Oud, seit über 20 Jahren weltweit unterwegs. Ihre jüngste CD stellen sie derzeit unter anderem in Ulm, Stuttgart und Köln vor.

FisFüz gehört also zu den Größen in der Musikszene. Ihre Musik ist hörbar an der des Orient angesiedelt, derweil sind die Werke von FisFüz feiner Jazz. Für die Einen ist es Ethno-Jazz, wegen der Einflüsse traditioneller Weisen, andere sehen darin Crossover-Jazz, weil ihre Musik sich ebenso aus ihren Reiseerlebnissen und aus vielen Musikepochen speist. Dass jeder der drei an den Instrumenten Virtuose und zugleich einfühlsamer Musiker ist, das haben sie eindrücklich bewiesen. Murat Coskun ist nicht nur der rhythmisch sichere Percussionist, nein, seine Finger fegen für das Auge nicht mehr wahrnehmbar schnell über die Trommeln. Er spielt auf ihnen wie auf einem Klavier, nur dass seine Klaviatur rund ist. So entstehen Rhythmus-Choreografien in unglaublicher Vielfalt, deren Puls einen gefangen nehmen. Langer Atem, technische Raffinesse, Fingerfertigkeit und ein betörend einfühlsames Spiel, das ist Annette Maye. Und auch Gürkan Balkan kennt keine Grenzen bei den waghalsigen Fingerparcours über seine Saiteninstrumente. Alle Werke sind Eigenkompositionen der Ensemblemitglieder.

Im "Tango to go" hat der lateinamerikanische Tanz eine faszinierende Begegnung mit Klezmermusik, in "Dusty City" erhebt sich ein jazziges Bild der ägyptischen Metropole Kairo mit orientalischer Lebendigkeit: spannend die wechselnden Soli von Bassklarinette und Gitarre und ihre anrührende Vereinigung.

Melodiös und ruhig begann der Janitscharen-Marsch. Nach traditioneller Musik der gleichnamigen osmanischen Militärkapellen, die mit Trommeln und Schalmeien lautstark ihre Feinde in die Flucht schlugen. Rasch nahm dieser Marsch Fahrt auf, mündete in ein teuflisch schnelles Spiel. Und schließlich ein Vollblutjazzstück: The rattlesnake, die Klapperschlange. Gehaucht, mit der Zunge geschnalzt, auf den Saiten entlang geknarzt, und mit Klangstäben geklappert, aus diesem prismatischen Klangsonor heraus entfaltete sich eine mitreißende Musik mit elektrisierender Spannung.

Klar, dass dieses Ensemble Träger des SWR-Weltmusikpreis ist. Und dass solche Musiker sich unter musizierende Schüler mischen, wie in Geislingen geschehen, das spornt die freilich zu Bestleistungen an.

So erlebte das Publikum Schüler der Daniel-Straub-Realschule und der Musikschule in verschiedenen Ensembles und Orchesterzusammensetzungen in trautem Zusammenspiel, mal mit einem von FisFüz oder dem ganzen Ensemble, boten sie Großartiges. Für westliche Harmonien gewöhnte Ohren ist es eine Herausforderung diese Musik zu spielen. Die Schüler meisterten das in teils deutlich oriental gefärbten Werken und gar Musik von FisFüz mit Bravour. Das Ergebnis wenigstens eines halben Jahres fleißigen Übens. Mit Begeisterung waren auch die Teilnehmer eines mehrteiligen Trommelworkshops mit Coskun auf der Bühne - und ließen das Publikum im Puls ihrer rhythmischen Klangchoreografien mitfiebern.

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